Solarstrom Wann rechnet sich eine Photovoltaik-Anlage?

Der Redakteur | 11.04.2022

Wolfgang Berger aus Bucha und viele andere MDR THÜRINGEN-Hörer haben nachgefragt: "In welchem Zeitraum rechnet sich die Umstellung auf Photovoltaik?" Unser Redakteur Thomas Becker hat recherchiert - über die Effizienz und die Förderung von Photovoltaik-Anlagen.

Eine Photovoltaikanlage auf einem Eigenheim.
Das eigene Haus mit dem eigenen Strom vom Dach versorgen - eine tolle Vorstellung, die sich bisher nur schlecht rechnete. Machen neue Förderungen und effizientere Anlagen den Solarstrom inzwischen rentabel? Bildrechte: dpa

Eine erste Antwort auf viele Fragen liefert der Solarrechner der Thüringer Energieagentur. Das Tool ist aber nicht vergleichbar mit den banalen Dachflächen-Rechnern, von denen es im Netz einige gibt. Allerdings sollten Sie sich ein wenig Zeit nehmen, die Einstellungen gehen sehr ins Detail, was aber für ein fundiertes Ergebnis auch nötig ist. Schon die Frage "E-Auto oder nicht" ändert alles.

Sie können dort für den Einstieg so weit in die Karte zoomen, bis Sie Ihr eigenes Dach anklicken können, dann passen Sie die erscheinenden geschätzten Angaben an, konfigurieren Ihren Tagesstromverbrauch, Familiengröße etc., ergänzen mögliche E-Bikes und E-Autos, Speichergröße, Kredite usw. und bekommen am Ende vielleicht ein Ergebnis, dass Sie sprachlos machen wird.

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Bildrechte: Thüringer Energie-und GreenTech-Agentur

Alleine schon der Rendite wegen, die jede andere Geldanlage bei Banken und Sparkassen geradezu lächerlich erscheinen lässt. Nun ist das natürlich nur ein erster Überschlag, aber trotzdem sind so viele individuelle Faktoren berücksichtigt, dass Sie damit in die Detailplanung gehen können und letztlich auch zu einem Fachbetrieb.

Rechnet sich Photovoltaik wirklich?

Ja. Und das auch ohne Förderung. Marcel Weiland von der Energieagentur Thüringen bezeichnet die Förderung als schönes Zubrot, die Zeiten, in denen sich eine Solaranlage nur mit Einspeisevergütungen und steuerlichen Tricks gerechnet hat, sind längst vorbei.

Eine Solaranlage ist auch ohne Förderung wirtschaftlich.

Marcel Weiland, Projektleiter Thüringer Energieagentur

Je nach Finanzierungssituation, Größe, Lage, Speicherkapazität und Nutzungsverhalten sind Sie schon nach zehn bis maximal 15 Jahren in der Gewinnzone, die schon fast an eine kleine Zusatzrente grenzt. Das heißt aber nicht, dass man bis dahin nichts davon hätte. Man zahlt ja quasi die ganze Zeit (fast) keinen Strom und fährt kostengünstig E-Auto - wenn man eines hat.

Wer für die Anlage seine nicht lukrativen Sparbücher auflöst und diese +/- 20.000 Euro verwendet, die seit Jahren zinslos vor sich hinschlummern, kann sich dank einer solchen Anlage über jährliche Renditen zwischen fünf und zehn Prozent freuen. Attraktive "Zinsen" bleiben sogar dann noch übrig, wenn Sie die Anlage über die KfW finanzieren. Das Programm KfW 270 für Erneuerbare Energien mit weniger als zwei Prozent Zinsen derzeit, wurde für genau diese Anwendungen geschaffen.

An einem Modell ist eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Hauses zu sehen.
Im Modell: Die Dachfläche eines kleinen Einfamilienhauses reicht gewöhnlich aus, um stromseitig rechnerisch nahezu autark zu sein. Bildrechte: dpa

Im Klartext: In Abhängigkeit von ihrer persönlichen Situation und Wohnlage (Dachausrichtung, Dachneigung, Verschattung) gehen Ihre Stromkosten durchaus in Richtung Null und die "Sprit"-Kosten bestenfalls ebenso, je größer die Dachfläche ist, umso besser. Über den Daumen: Die Dachfläche eines kleinen Einfamilienhauses reicht gewöhnlich aus, um stromseitig rechnerisch nahezu autark zu sein. Ob es tatsächlich klappt, ist auch von der Speichergröße abhängig, der Überschuss geht wahlweise nicht ganz so lukrativ ins Netz oder eben sehr lukrativ ins eigene E-Auto.

Sind die Speicher schon alltagstauglich?

Sie sind es und noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung. Wir werden hier in den kommenden Jahren noch Technologien erleben, die Revolutionen gleichen. Nämlich dann, wenn Stoffe verwendet werden, die uns unabhängig machen von seltenen Erden oder Lithium. Stattdessen speichern wir Strom dann zum Beispiel mit Hilfe von Natrium, Schwefel oder Kunststoffen.

Die passenden Technologien sind mitunter schon weit entwickelt, viele hatten bisher oft nur das Problem, dass sie nicht ins Auto passten, weil sie vielleicht anderthalbmal mehr Volumen gebraucht haben, als vergleichbare Lithium-Ionen-Akkus. Doch solche Größenordnungen sind stationär gar kein Thema.

Draußen, neben den Windrädern, ohnehin nicht. Und zu Hause im Keller oder in der Garage fällt der zusätzliche "Schuhschrank" nun auch wirklich nicht mehr auf. Wer gar keinen Platz hat, kann sich den Speicher auch an die Außenwand hängen. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch bei der Brandgefahr beruhigen uns die Experten.

Wir haben Lithium-Eisenphosphat-Zellen im Einsatz, die nicht brennbar sind.

Sascha Riemer, Neue Energie Weimar GmbH

Und auch die anderen Randbedingungen sind längst in einem absolut akzeptablen Bereich. Zehn Jahre Vollgarantie und eine Lebensdauer von rund 20 Jahren, klingen fast nach "meine Hand für mein Produkt" und wenn der Akku dann vielleicht im hohen Alter nur noch 80 Prozent der Ursprungskapazität erreicht, geht die Welt auch nicht unter. Und wer weiß, ob man nicht schon viel früher auf ein innovatives Produkt stößt, dass von dem Ursprungs-Akku so weit entfernt ist, wie der Flachbild-Fernseher von der Schwarz-Weiß-Röhre und den Akku somit an neue Lebenssituationen anpasst.

Muss man sich im Alltag disziplinieren?

Der Thüringer Energierechner zeigt recht deutlich, wo die Schwachpunkte liegen könnten. Dazu gibt es recht detaillierte Tageskurven, was Ertrag oder Speicherbedarf entspricht. Es ist keine Überraschung, dass die Nächte und die dunkle Jahreszeit das Problem sind. Die Nächte überbrücken die modernen Speicher weite Teile des Jahres problemlos, allerdings erscheint es ratsam, einige Gewohnheiten umzustellen. Wer bisher abends Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner, Staubsauger und Herd in Betrieb genommen hat, sollte es bevorzugt dann tun, wenn die Sonne scheint oder mindestens tagsüber.

Das ist schon deshalb sinnvoll, weil der besonders mittags gelieferte überschüssige Sonnenstrom, wenn der hauseigene Speicher voll ist, zu nicht einmal sieben Cent je Kilowattstunde ins Netz "verkauft" wird. Mehr gibt es aktuell nicht und der "Rückkaufspreis" abends und bei Dunkelheit, sprich: Das Nutzen normalen Netzstroms kostet mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde.

Der Ausweg: Moderne Geräte wie die Waschmaschine lassen sich bezüglich der Startzeiten programmieren, vernetzte sogar aus der Ferne steuern. Daran wird es in der Zukunft also definitiv nicht scheitern. Das gilt auch für das Laden des E-Bikes und E-Autos. Da sollte man sich schon bei der Planung der Anlage gut überlegen, wann das Auto gewöhnlich zu Hause ist. Wer zum Beispiel die Woche über den ganzen Tag mit dem Auto unterwegs ist, wird es allenfalls am Wochenende mit heimatlichen Solarstrom laden können.

Waschmaschinenanzeige
Mit der Zeitschaltuhr kann die Startzeit des Waschgangs programmiert werden. Bildrechte: imago/McPHOTO/Pilsak

Zur üblichen "Ladezeit" nach Feierabend ist es dann nämlich dunkel und dafür extra Ladekapazitäten aufzubauen, ist unwirtschaftlich. Eher ließe sich das Auto als zusätzlicher Pufferspeicher verwenden. Auch hier gibt es bereits technische automatisierte Lösungen, wenngleich sich viele Autohersteller noch sperren, die entsprechenden Schnittstellen freizugeben. Und dann kommt es auch darauf an, was tägliche Reichweite und tägliche Fahrtstrecke hergeben (der Durchschnittsdeutsche fährt 35 Kilometer am Tag).

Reicht es, das Auto in der Regel nur am Wochenende aufzuladen? Am einfachsten haben es Sonntagsfahrer, die können das Auto quasi als Nachtspeicher mit einplanen. Wer bisher schon das Vergnügen hatte, seine Verbrauchskosten in Exceltabellen einzutragen, wird mit den Möglichkeiten der Solaranlage eine Spielwiese finden, die pure Freude auslöst.

Wo sind eigentlich die Haken?

Bei der Bürokratie einschließlich der Steuern und bei der Freischaltung der Anlage. Hier ist man sehr davon abhängig, wer der örtliche Netzbetreiber ist. Die Ten (Thüringer Energienetze) als Teag-Tochter schiebt aktuell einen Auftragsberg von über einem halben Jahr vor sich her, ohne das trotz Anfrage offiziell bestätigt zu haben. Das sind die Erfahrungswerte der Installateure und Kunden.

Das heißt: Die Antragsteller haben durchaus seit sechs oder gar neun Monaten eine Anlage auf dem Dach, die sie nicht ans Netz bringen und damit nicht betreiben können. Dieser Zustand nervt Bürger und Installationsfirmen gleichermaßen und ist ein riesiger Hemmschuh. Neben solcher sicher gut gemeinten Förderprogramme der Politik. Der Aufreger Anfang April war ja: Der groß angekündigte Fördertopf Solar Invest des Landes Thüringen war nach zwei Tagen leer. Oder schon früher, man weiß es nicht so genau, der Server hat ja nicht geantwortet. Aber das war gar nicht das eigentliche Problem.

In zwei Tagen sind mehr Anträge eingegangen, als in den letzten 6 Jahren zuvor.

Anja Siegesmund, Umweltministerin Thüringen

Zwar kann man dem Ansturm etwas Positives abgewinnen, Motto: offenbar wollen viele mitmachen bei der Energiewende. Aber es gibt durchaus Stimmen, die solche Förderprogramme für reine Geldverschwendung halten und für ein Starthindernis noch dazu. Denn viele investitionswillige Häuslebauer und Firmen haben gewartet, in der Hoffnung auf einen schönen Geldsegen.

Anja Siegesmund 10 min
Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Die meisten vergeblich und nun bricht die Welle über die nicht vorhandenen Installationskapazitäten herein. Und dass es Lieferschwierigkeiten gibt beim Material und keine Fachkräfte da sind, die auf die Dächer steigen, das ist hinreichend bekannt. Und dabei sind wir noch nicht bei den Problematiken, wenn die Anlagen etwas größer werden oder der Eigentümer nicht der Betreiber ist. Stichwort Solarparks.

Sascha Riemer, dessen Installationsfirma pro Woche derzeit 100 Anfragen hat, spricht hier von einem Bürokratiemonster. Dabei ist dessen kleiner Bruder schon furchteinflößend genug. Seiner Meinung nach - und er steht damit nicht alleine - reicht es nicht, mit einem "Osterpaket" (Wirtschaftsminister Habeck) am EEG zu schrauben, wenn die größere Baustelle Steuergesetz außen vorbleibt.

Ohne eine Reform an dieser Stelle kriegen wir die Solarmodule nie aufs Dach, die uns unabhängig und klimafreundliche werden lassen sollen. Und dass die 700 Netzbetreiber in Deutschland alle ihren eigenen Bedingungen, Richtlinien und Formulare haben, führt dazu, dass die Installationsfirmen nicht nur händeringend Handwerker suchen, sondern auch Menschen, die sich im Bürokratie-Dschungel zurechtfinden. Die Kunden sind damit nämlich oft schlicht überfordert.

Die größte und beste Förderung der erneuerbaren Energie bundesweit wäre die Abschaffung von Bürokratiehürden.

Sascha Riemer, Neue Energie Weimar GmbH

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 11. April 2022 | 17:10 Uhr

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