Servicestunde | 05. und 06.10.2021 Aktuelle Fragen zu Photovoltaik-Anlagen

Welche Dächer eignen sich für Solaranlagen? Für wen lohnt sich Photovoltaik? Was kostet es und welche Angebote sind seriös? Darüber spricht Buchautor und Gutachter Wolfgang Schroeder in der Photovoltaik-Servicestunde.

Im Licht der Abendsonne sieht man dutzende Solarmodule auf einem Dach eines Mehrzweckgebäudes.
Im Licht der Abendsonne sieht man dutzende Solarmodule auf einem Dach eines Mehrzweckgebäudes. Bildrechte: MDR

Stiftung Warentest hat einen neuen Ratgeber zum Thema Photovoltaik herausgebracht. Autor Wolfgang Schroeder ist Photovoltaik-Sachverständiger und als Gutachter auf vielen Dächern unterwegs. In der Servicestunde erklärt er, was aktuell zum Thema für Hausbesitzer, angehende Bauherren und Besitzer von Photovoltaik-Anlagen wichtig ist.

Solardach 9 min
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Früher gab es sehr viel fürs Einspeisen. Inzwischen soll man möglichst viel selbst verbrauchen. Das Buch bietet viele Rechenbeispiele.

Der Sommer war mau - ist es heute noch wichtig, wie hoch die Anzahl der Sonnenstunden ist?

Durch Speicher ist das nicht mehr so wichtig. Gerade Ost-West-ausgerichtete Dachflächen sind besonders für einen Speicherbetrieb geeignet, weil ich hier eine recht gute Energieverteilung tagsüber habe. Und auch ohne Speicher lohnen sich Photovoltaik-Anlagen schon. Zum Beispiel bei einer 5kW-Anlage. Will ich im Jahr circa 5.000 Kilowattstunden an Strom erzeugen und davon circa ein Drittel selbst nutzen, lohnt sich das schon. Dann habe ich ein Einsparpotential von circa 20 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde.

Damit kann man ausrechnen, wie viel das pro Haushalt im Jahr heißt. Bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass man so viele Platten wie möglich aufs Dach bringen soll?

Je mehr Leistung ich auf dem Dach habe, desto flexibler kann ich den Strom auch für mich selbst nutzen. Man sollte da ein bisschen vorausdenken: Es kommt zum Beispiel Elektromobilität - dann hätte ich auch die Möglichkeit mit einer eigenen Photovoltaikanlage mein Fahrzeug endlich zuhause aufzutanken. Und da kann man schon ein bisschen vorausplanen.

Geht der Trend also zum Eigenbedarf und weg von Geld fürs Einspeisen?

Vor einigen Jahren gab es eine enorme Einspeisevergütung. Das war richtig lohnenswert. Heute ist das gar nicht mehr so. Dafür rutschen die Preise oder sind gerutscht, auch zum Beispiel bei den Komponenten wie Wechelrichter oder Photovoltaik-Modulen. Bei den Stromspeichern hingegen, da ist noch sicherlich Luft nach unten. Da wird sich in den kommenden Jahren auch noch einiges tun, was Technik, Speichervermögen und Kosten angeht.

Wie kann ich denn meinen selbst erzeugten Strom auch selbst nutzen?

Insbesondere, wenn man den Haushalt etwas umstellt. Das heißt Gerätschaften wie Geschirrspüler, Waschmaschine oder Trockner tagsüber nutzen - wenn man keinen Speicher hat. Und mit einem Speicher kann man dann die Autarkie nach einem Vier-Personen-Haushalt im günstigsten Fall bis auf 70 Prozent erhöhen, je nach Verbrauchsverhalten. Und ein weiterer Eigenverbrauch ist natürlich auch mit der Elektromobilität möglich. Dazu benötigt man dann eine Wallbox, und dann kann man das Auto darüber aufladen. Gleichzeitig dient dann auch das E-Fahrzeug quasi als Speicher.

Ein Elektroauto wird geladen an einer Ladestation.
Ein Elektroauto wird geladen an einer Ladestation. Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Sie unterscheiden, ob man einen Speicher hat oder nicht. Wenn man sich für einen Batteriespeicher entscheidet, sollte der dann möglichst groß sein?

Groß ist nicht gleich besser und gut. In der Regel sollte der Energiespeicher auf das Haushaltsverhalten abgestimmt sein. Eine Daumenregel sagt: ungefähr ein Tausendstel vom Jahresenergieverbrauch als Speichergröße. Zum Beispiel ich verbrauche im Jahr 4.500 Kilowattstunden - hier würde ich einen Speicher mit 4,5 bis 5kW nehmen. Bei den Speichersystemen kann man je nach Größe etwa 900 bis 1.100 Euro pro KW rechnen. In Thüringen kann man sich diese Speicher auch fördern lassen.

Es gibt viele Anbieter solcher Speicher auf dem Markt. Wichtig ist natürlich, dass die Systeme zusammenpassen. Das wird etwas schwieriger, wenn schon eine Photovoltaikanlage vorhanden ist und ich möchte dann einen Speicher integrieren. Es ist also einfacher, bei der Installation einer neuen Anlage auch einen Speicher einzubauen - aber es geht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Infos zum Experten Autor Wolfgang Schroeder ist Photovoltaik-Sachverständiger und als Gutachter auf vielen Dächern unterwegs.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 05. Oktober 2021 | 11:50 Uhr

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