Baujahr zwischen 1985 und 1995 Was Sie über Youngtimer wissen müssen

Andreas Keßler
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwischen 1985 und 1995 gebaute Autos sind beliebt: Ihr Kilometerstand ist zwar hoch, doch sind sie zuverlässig und leicht zu reparieren. Auto-Experte Andreas Keßler kennt alle Vorzüge der Youngtimer – und auch einige Stellschrauben, wenn die Steuer zu hoch ausfallen sollte.

Immer öfter sieht man Autos auf der Straße, die eigentlich viel zu alt für unsere "Wegwerfgesellschaft" sind. Die Rede ist hier nicht von Oldtimern, die von Liebhaberinnen und Liebhabern mit viel Einsatz für die Sonnentage des Lebens gehegt und gepflegt werden, sondern von den "Autos für die Ewigkeit", jener Autogeneration, die zwischen 1985 und 1995 gebaut wurde.

Damals waren die Ingenieure noch federführend bei der Konstruktion eines Autos, Controller führten ein Schattendasein. Namentlich die Edelmarken legten ihren ganzen Stolz in die Entwicklung neuer Modellreihen, die selbstredend besser als ihre Vorgänger, dabei aber nur wenig teurer waren.

Das sind Dauerläufer

Diese Autos waren perfekt entwickelt: Sie verfügten über Abgasreinigungsanlagen mit Katalysator, aufwendige Fahrwerke mit ABS, in die die Kurvenlage nicht mit Computern hinein gerechnet werden musste, Karosserien aus verzinkten Blechen, deren Hohlräume bis unter die Achseln mit Konservierungswachs geflutet waren und Motoren, die leistungsfähig, aber nicht "auf Kante" konstruiert waren.

Die Schwachstellen dieser Autos waren nach spätestens zehn Jahren bekannt, die Ersatzteilbranche spezialisierte sich auf entsprechende Teile und wenn sie nicht gestorben sind, dann fahren die "Dauerläufer" auch noch morgen.

Worauf Taxi-Unternehmen schwören

Stern auf einem Mercedes-Benz
Ein alter Benz macht viel her, auch in der Zuverlässigkeit. Bildrechte: dpa

Kommen wir zu den Details: Die Golfklasse bekam damals durch den "Golf II" ihren Namen, ein Auto, das auch heute noch prominent in der Zulassungsstatistik steht. Der "Baby"-Benz 190 E erreichte in der Wendezeit seine volle Blüte und floss leider wegen heftiger Umweltdiskussionen in großer Zahl in viele afrikanische Staaten, ab.

Das Gleiche gilt für den großen Bruder W124, der ersten E-Klasse. Beide sind heute gesuchte Langzeitautos! Taxifahrer und -fahrerinnen schwören auch nach 870.000 km und der 3. Automatik auf das Stuttgarter Urgestein.

Warum sich nicht von überholten Autos trennen?

Die Ursache ist oft rein finanzieller Natur, obwohl die Kfz-Steuer dieser Autos inzwischen fast gespenstische Höhen erreicht hat. Großvolumige Dieselmotoren lassen sich dadurch kaum noch finanzieren – Benziner lassen sich mit Kaltlaufreglern aber umweltfreundlich aufrüsten. Das hält die Steuerbelastung oft unter der eines neueren Autos. Und die Versicherungsprämien bewegen sich auf einem sehr verträglichen Niveau, wenn man es mit einem Haftpflicht-Vertrag bewenden lässt.

Die Hauptursache für die steigende Beliebtheit der "Autos für die Ewigkeit" ist aber der fehlende Wertverlust, der einen Neuwagen oder einen jungen Gebrauchten für die meisten Leute völlig unerschwinglich macht. Und wenn man sein Schätzchen gut pflegt, bis es 30 Jahre alt ist, beginnt der Wert sogar zu steigen.

Leicht zu reparieren

Auto - Reparatur - Ölstand
Die Youngtimer sind leichter zu durchschauen, als ihre modernen Nachfolger. Bildrechte: imago images/Westend61

Ein weiterer, sehr wesentlicher Punkt, kommt hinzu: Die "Youngtimer" gehören noch zu der Autogeneration, die mit Heimwerkermitteln reparierbar sind. Die Autos haben kaum Elektronik an Bord, die Diagnose lässt sich auch ohne aufwändigen Apparate-Park erledigen und die Ersatzteile gibt es im freien Autozubehörhandel oder im Taxibedarf zu unglaublich günstigen Konditionen.

Mein Fazit für Dauerläufer

Unter dem Strich wird sich der Trend zu den "Dauerautos" sicher noch verstärken, was sich bei einzelnen Modellen schon jetzt an den Preisen ablesen lässt. Bleibt zu hoffen, dass die Politik den Sirenengesängen der Autoindustrie nicht zu sehr auf den Leim geht und die Bedingungen für den Betrieb dieser Autos weiter verschlechtert. Denn neben ihren qualitativen Vorzügen fällt beim Betrachten eines alten 5er BMWs oder eines Audi Coupés der ersten Generation vor allem eins auf: Man erkennt sie wieder! Und zwar sofort, auch auf einem vollen Supermarkt-Parkplatz.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 20. April 2022 | 17:00 Uhr

Mehr aus dem Bereich Mobilität

Weitere Ratgeber-Themen