Vor dem Autokauf Checkliste für Seniorenautos: Wenn alte Menschen ein neues Auto brauchen

Andreas Keßler
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Für viele Seniorinnen und Senioren ist die Zeit vorbei, in einen tiefliegenden Sportwagen einsteigen zu wollen. Stattdessen erfreuen sich wegen der erhöhten Sitzposition etwa SUVs bei alten Menschen großer Beliebtheit. Aber auch Ladekantenhöhe, Automatikgetriebe, Assistenzsysteme, Komfort und Bedienfreundlichkeit sollten bei der Anschaffung beachtet werden. Mit diesen Tipps steht dem Neuwagenkauf im Alter nichts im Wege!

Beim Autofahren geht es auch um Sicherheitsaspekte, die nur von gesunden und ausgeruhten Menschen erbracht werden können. Glücklicherweise ist die Bedienung eines modernen Automobils heute dank zahlloser elektrischer und elektronischer Helferlein so kräftesparend, dass man eigentlich gar keine "Seniorenfahrzeuge" braucht.

Obwohl die Autoindustrie in der Werbung nur strahlende junge Menschen in ihre Produkte setzt, gibt es Autos, die bei Fahrerinnen und Fahrern mit langjähriger Praxis besonders beliebt sind. Zu denen gehören aktuell besonders die viel gescholtenen SUVs. Hauptgrund dafür ist nicht etwa deren Geländegängigkeit (die oft gar nicht mehr gegeben ist), sondern die erhöhte Sitzposition. Diese bietet eine gute Übersicht über das Verkehrsgeschehen und vor allem bequemes ein- und aussteigen. Die Zeit der knackigen Sportwagen mit fast liegender Sitzposition ist für die Seniorinnen oder Senioren in der Regel vorbei.

Checkliste für Seniorenautos

Zwei alte Menschen beladen den Kofferraum eines Autos.
Ein hochliegender Kofferraum schont den Rücken. Bildrechte: imago images/Monkey Business Images Ltd

  • Sitzhöhe: Minivans und SUVs sind prädestiniert für ältere Fahrer, weil die Frontsitze relativ hoch eingebaut sind. Eine gute Rundumsicht ist wichtig, gute Sicht beim Einparken und beim Überholvorgang. 
  • Ladekantenhöhe: Minivans mit Frontantrieb haben tiefliegende Kofferraumböden. Das ist rückenschonend!
  • Komfort und Bedienfreundlichkeit: Moderne Autos lassen sich zwar mit zwei Fingern lenken, haben aber oft Komfort-Extras, die für ältere Menschen kompliziert zu bedienen sind. Weniger ist mehr!
  • Automatikgetriebe: Durch gesetzliche Vorgaben setzt sich das automatisierte Schalten immer mehr durch. Kein Tritt aufs Kupplungspedal strapaziert Muskeln und Gelenke, der Gangwechsel lenkt nicht mehr ab. Ohnehin sind Mehrganggetriebe bald Geschichte: E-Autos fahren ohne Gangwechsel!
  • Sicherheit (Assistenzsysteme): Das größte Sicherheitsrisiko ist der Mensch hinter dem Steuer! Die zahlreichen Assistenzsysteme machen keine Fehler, und wenn sie autonom zusammenwirken dürfen, baut der Mensch auch keine Unfälle mehr.

Blick in die Zukunft

Eine Rentnerin startet am 25.06.2015 mit dem Zündschlüssel ihr Auto bei einem Fahrtraining für Senioren am 25.06.2015 am «Aktionstag Senioren im Straßenverkehr» in Beeskow (Brandenburg).
Noch lassen selbstfahrende Autos auf sich warten. Bildrechte: dpa

Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Ohne Mobilität gibt es keine soziale Teilhabe, und deshalb ist gerade für alte Menschen das eigene Auto der Schlüssel zur Welt. Das gilt vor allem in ländlichen Gebieten. Wenn die Kraft nicht mehr zum sicheren Fahren mit dem Auto ausreicht, wird es schwierig: Plötzlich ist es mit der Selbstständigkeit vorbei, der eben noch mobile Mensch wird zum Passagier oder zur Passagierin. Das könnte anders aussehen, wenn die Technik das autonome Fahren perfektioniert.

Wenn Autofahren nur noch aus ein- und aussteigen besteht, können auch Personen mit gesundheitlichen Defiziten einfach zum Einkaufen fahren. Zum Start reicht ein Druck auf die Ruftaste, und schon rollt das Auto vor. Ist das Ziel erreicht, wird man vom Auto freundlich zum Aussteigen aufgefordert. Das allerdings muss man dann doch wieder alleine schaffen.

Neuwagenkauf: Budget nicht aus den Augen verlieren

Um das Ziel der Suche besser definieren zu können, sollte man mit dem zur Verfügung stehenden Budget beginnen:

Ein älterer Mann sitzt im Auto und spieglt sich im Seitenspiegel.
Wenn die Kosten realistisch eingeschätzt werden, steht dem Neuwagenkauf nichts im Wege. Bildrechte: Colourbox.de

  • Wie viel habe ich für den Kauf des Autos zur Verfügung? Von diesem Betrag bilden 80 Prozent den Kaufpreis und die verbleibenden 20 Prozent den Betrag, den die Zulassung/Umschreibung, die Versicherungsprämie und kleinere Anschaffungen nach dem Besitzwechsel kosten.
  • Wie viel kann ich im Monat für den Betrieb des Autos aufbringen? Dieser Etatposten besteht aus den Kraftstoffkosten, einem Zwölftel der Kfz-Versicherung, einem Zwölftel der Kfz-Steuer und einer Rücklage für Reparaturen (nicht immer sind Gewährleistung und Garantie zur Stelle, wenn man sie braucht!). Dazu kommt ggf. noch eine Garagenmiete.

Kraftstoffkosten richtig einschätzen

Ein SUV
SUVs sind wegen der erhöhten Sitzposition bei alten Menschen beliebt, verbrauchen aber auch gemäß ihrer Größe mehr Kraftstoff. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Um die monatlichen Kosten eines bestimmten Autos vor dem Kauf zu kalkulieren, sollte man die technischen Daten, die Hersteller- und Typschlüsselnummern und den durchschnittlichen tatsächlichen Kraftstoffverbrauch kennen (nicht die Prospektwerte!). In Verbindung mit der wahrscheinlich pro Monat gefahrenen Strecke lassen sich so die Kraftstoffkosten recht genau abschätzen.

Der größte Brocken bei den Autokosten ist und bleibt der Wertverlust, der direkt proportional zum Neuwert des Autos teilweise dramatische Höhen erreicht. Wen man sich davor schützen möchte, kommt ein Neuwagenkauf nicht infrage.

Unser Experte

Andreas Keßler
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Andreas Keßler

Andreas Keßler

kennt sich mit Autos bestens aus. Er sammelte schon früh Erfahrungen mit verschiedensten Fahrzeugen. Seit 2006 berät er die MDR-Zuschauer jeden zweiten Mittwoch bei MDR um 4 in der Rubrik "Autozeit".

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 01. Dezember 2021 | 17:00 Uhr

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