Anstatt Autokauf Leasing – was es zu beachten gilt

Andreas Keßler
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Autofahren für fünf Euro am Tag oder für 99 Euro im ganzen Monat: Mit Tiefpreisangeboten werben Leasinggesellschaften und Autohändler um neue Kunden. Doch die Feinheiten solcher Angebote stecken oft im Kleingedruckten. Autoexperte Andreas Keßler gibt Tipps.

Leasing kommt aus dem Englischen und bedeutet "verpachten". Das trifft den Kern des Geschäfts: Man "pachtet" sich ein Auto für eine vorher festgelegte Zeit und zahlt den in dieser Zeit anfallenden Wertverlust des Autos. Diesen berechnet der Leasinggeber mit Hilfe komplexer Modelle und aufgrund langjähriger Erfahrung und legt so den Restwert des Autos nach Ablauf des Leasingzeitraumes fest. Die Differenz zwischen Neupreis und Restwert minus Leasingsonderzahlung, geteilt durch die Anzahl der Monate, ergibt die Leasingrate... Theoretisch!

Warum kaufen? Leasing ist doch so einfach – oder?

Ein geleastes Auto ist nicht Eigentum des Leasingnehmers, sondern das des Leasinggebers. Ein Leasingvertrag muss bis zum Ende bedient werden. Wer vorher aussteigen will, muss viel Geld als Entschädigung bezahlen.

Zwei Leasingmodelle Grundsätzlich wird beim Leasing zwischen dem Kilometerleasing (hier ist die jährliche Laufleistung für die Rate entscheidend) und dem Restwertleasing (hier kommt es vor allem auf den Zustand des Autos nach dem Ablauf des Vertrages an) unterschieden.

Leasing wurde eigentlich als Investitionsmodell für Betriebseinrichtungen erfunden, um den Kapitalstock einer Firma nicht zu stark zu belasten. Bis heute ist die gute steuerliche Abschreibungsmöglichkeit für Gewerbetreibende interessant.

Für private Autokäufer ist Leasing dagegen sinnlos.

Andreas Keßler Auto-Experte

Hier kommt eher eine "Ballon-Finanzierung" in Frage: 35 leasingähnliche Raten plus eine Schlussrate. Die entspricht etwa dem Restwert des Autos nach drei Jahren und kann z.B. nach dem Verkauf des Wagens beglichen werden.

Interessant sind Leasingfahrzeuge nach dem Ablauf des Leasingvertrages für Gebrauchtwagenkäufer: Der "Leasingrückläufer" ist quasi der Neuwagen des kleinen Mannes.

Für sehr kurze Leasingzeiträume empfiehlt sich ein "Auto-Abo", eine Leasing-Unterart.

Abgerechnet wird zum Schluss

Autokauf
Vor der Rückgabe des Leasingwagens sollte man ihn einem Gutachter vorstellen. Bildrechte: imago images / Westend61

Der schwierigste Punkt ist oft die Rückgabe des Leasingfahrzeuges nach dem Ende des Leasing-Vertrages. Wenn kein Anschlussvertrag für ein neues Auto abgeschlossen wird, wird hier (zu) genau geprüft, ob das Fahrzeug nicht stärker abgenutzt oder beschädigt ist. Das erledigen Gutachter, die vom Leasinggeber beauftragt sind.

Diese Gutachter kommen oft von der DEKRA, dem TÜV oder anderen Gutachterorganisationen, haben ihr Büro aber oft auf dem Betriebsgelände des Leasinggebers. Um es hier nicht zu Diskussionen kommen zu lassen, sollte das Auto vor der Rückgabe vom Profi aufbereitet und schon vorher einem Gutachter vorgestellt werden. Wenn dann der Gutachter des Leasinggebers ein "komisches" (teures!) Gutachten erstellt, kann man das eigene aus der Tasche ziehen und ist dann in einer viel besseren Verhandlungsposition.

Folgende Hinweise vor der Übergabe beachten:

  • Inspektionsheft überprüfen, ob alle Nachweise über die gemachten Inspektionen und Hauptuntersuchungen enthalten sind. Dieses und den Fahrzeugschein kopieren.
  • Gebrauchsspuren am Fahrzeug sind eigentlich normal. Eigentlich. Besser ist es, Schäden am Fahrzeug vor der Übergabe beheben zu lassen.
  • Das Auto mit der Originalbereifung zurückgeben.
  • Aus dem Auto jegliches Zubehör des Leasingnehmers entfernen, zum Beispiel Handyhalterung oder Aufkleber.
  • Das Fahrzeug von allen Seiten unmittelbar vor der Übergabe fotografieren, auch den Innenraum, die Kilometerstandsanzeige und auch kritische Stellen am Auto.
  • Zur Übergabe am besten einen Sachverständigen mitnehmen oder den Sachverständigen vorab den Zustand des Autos dokumentieren lassen.
  • Das Rückgabeprotokoll genau ansehen, bevor man es unterschreibt. Wichtig: Auch das Kleingedruckte durchlesen.
  • Findet man hier Unverständliches, den Leasinggeber um Bedenkzeit bitten und mit einem Sachverständigen oder Anwalt darüber sprechen. Man kann nicht gezwungen werden, das Protokoll an Ort und Stelle zu unterzeichnen.

Leasing gibt es auch im Netz:

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 15. Dezember 2021 | 17:00 Uhr

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