Neu ab 2022 Mehr Rente, höherer Mindestlohn, steuerfreier Corona-Bonus

Neu in den Bereichen Arbeit und Soziales: Auf mehr Rente können sich die rund 21 Millionen Rentner freuen. Der gesetzliche Mindestlohn steigt. Der steuerfreie Corona-Bonus für Mitarbeiter kann noch bis 31. März 2022 ausgezahlt werden.

Jemand hält Geldscheine in der Hand
2022 bringt auch wieder eine Reihe von steuerlicher Entlastungen für Verbraucher. Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Mehr Mindestlohn

Ab 1. Januar steigt der gesetzliche Mindestlohn von aktuell 9,60 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde (brutto). Ab 1. Juli sind 10,45 Euro vorgeschrieben. Diese Erhöhungen wurden bereits im Juni 2020 beschlossen.

Es ist allerdings möglich, dass die Erhöhung noch stärker ausfallen wird: Die neue Bundesregierung hat angekündigt, den Mindestlohn auf zwölf Euro anheben zu wollen. Bereits Anfang des Jahres soll ein Gesetzentwurf entstehen.

Auch verschiedene Branchenmindestlöhne steigen 2022, unter anderem die für Gebäudereiniger und Elektriker.


Mehr Geld im Öffentlichen Dienst

Die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder (außer Hessen) bekommen 2022 mehr Geld. Der neue Tarifvertrag sieht für Anfang des Jahres eine steuerfreie Corona-Sonderzahlung von 1.300 Euro vor. Für Auszubildende und Studierende liegt der Bonus bei 650 Euro. Eine Gehaltserhöhung folgt dann erst Ende des Jahres: Ab Dezember gibt es 2,8 Prozent mehr.

Die sogenannte Intensiv- und Infektionszulage für Pflegekräfte in den Krankenhäusern steigt von 90 auf 150 Euro. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi bedeutet das Tarifergebnis für eine Intensivpflegekraft in der Summe 230 Euro pro Monat mehr. Hessen verhandelt für seine Beschäftigten separat.


Mehr Meldepflichten bei Minijobs

Ab dem 1. Januar müssen Arbeitgeber der Minijob-Zentrale neben der Steuernummer auch die steuerliche Identifikationsnummer ihrer Minijobber übermitteln. Außerdem muss die Art der Versteuerung angegeben werden. Zudem müssen die Arbeitgeber nachweisen, dass und wo der Minijobber krankenversichert ist.

Neu ist auch, dass die Minijob-Zentrale den Arbeitgeber bei Anmeldung eines kurzfristigen Minijobbers informiert, ob der noch einen weiteren kurzfristigen Minijob hat oder im laufenden Kalenderjahr hatte. Der Arbeitgeber muss diese Information in den Entgeltunterlagen dokumentieren.

Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2022 hat zur Folge, dass die Obergrenze von 450 Euro schon mit einer etwas kürzeren Arbeitszeit erreicht wird. Allerdings ist geplant, auch die Obergrenze im neuen Jahr anzuheben.


Altenpflege soll attraktiver werden – höherer Beitrag für Kinderlose

Im Zuge der noch von der Großen Koalition auf den Weg gebrachten Pflegereform sollen Altenpflegekräfte besser bezahlt werden. So werden Pflegeeinrichtungen ab September nur noch dann zugelassen, wenn sie nach Tarif bezahlen. Damit die Mehrkosten nicht zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen, zahlt die Pflegeversicherung einen Zuschlag, der mit der Dauer der Pflege steigt. So trägt die Kasse zum Beispiel nach vier Jahren im Pflegeheim 70 Prozent des pflegebedingten Eigenanteils. Im ersten Jahr sind es nur fünf Prozent. Um das alles zu finanzieren, gibt es pro Jahr einen Zuschuss vom Bund in Höhe von einer Milliarde Euro. Außerdem steigt für kinderlose Versicherte ab 23 Jahren der Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung um 0,1 Prozentpunkt auf 3,4 Prozent des Bruttolohns.


Corona-Bonus noch bis März steuerfrei

Wenn Arbeitgeber ihren Angestellten in der Corona-Krise eine Sonderzahlung zugute kommen lassen wollen, sollten sie diese bis Ende März ausgezahlt haben. Bis dahin müssen auf Beträge von insgesamt bis zu 1.500 Euro pro Person keine Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden. (§ 3 Nr. 11a EStG). Voraussetzung ist, dass die Prämie zusätzlich zum "normalen" Lohn gezahlt wird und ein Bezug zur Pandemie besteht. Die Regel gilt auch für Minijobber – der Bonus wird nicht als Entgelt gezählt, wodurch die 450-Euro-Grenze nicht überschritten wird.


Impfpflicht für Pflegepersonal

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern müssen sich künftig gegen das Coronavirus impfen lassen. Das gilt auch für Personal in Einrichtungen für behinderte Menschen, Arztpraxen, bei Rettungsdiensten oder in Entbindungseinrichtungen. Ab 15. März 2022 muss eine vollständige Impfung oder Genesung nachgewiesen werden. Wer aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, muss ein ärztliches Attest vorlegen.


Keine Sozialversicherungspflicht für Ärzte in Impfzentren

Ärzte in Impfzentren und den angegliederten mobilen Impfteams sind für Einnahmen aus ärztlichen Tätigkeiten im Sinne der Coronavirus-Impfverordnung noch bis 30. April 2022 von der Sozialversicherungspflicht befreit. Das gilt auch für in dem Zuge tätige Zahnärzte, Tierärzte sowie Apotheker. So soll sichergestellt werden, dass genügend medizinisches Personal vorhanden ist.


Mehr Mindestvergütung für Azubis

Der "Mindestlohn für Azubis", der 2020 eingeführt wurde, wird angehoben. Das bedeutet für alle, die 2022 eine Lehre beginnen, dass sie mindestens 585 Euro pro Monat erhalten. Das sind 35 Euro mehr, als Azubis im ersten Lehrjahr 2021 verdienten. Im zweiten Lehrjahr steigt die Mindestvergütung um 18 Prozent, im dritten um 35 Prozent und im vierten um 40 Prozent. Die Regelung gilt nur für Ausbildungsverträge, die außerhalb der Tarifbindung liegen. Sie gilt nicht für Berufe, die über das jeweilige Landesrecht geregelt sind, zum Beispiel Erzieher, und ebenso wenig für die reglementierten Berufe im Gesundheitswesen, zum Beispiel Physiotherapeut, Logopäde oder Ergotherapeut.


Entlastungsbeitrag für Alleinerziehende gilt nun dauerhaft

Der Entlastungsbetrag räumt Alleinerziehenden einen Freibetrag bei der Lohn- und Einkommensteuer ein. Im Zuge der besonderen Belastungen durch die Pandemie wurde er 2020 und 2021 von 1.908 Euro auf nun 4.008 Euro angehoben. Ab 2022 wird der Betrag dauerhaft gewährt.


Mehr Unterhalt für Trennungskinder

Auch 2022 wird die Düsseldorfer Tabelle wieder angepasst. Sie gilt bundesweit als Richtlinie zur Bemessung eines angemessenen Kindesunterhalts. Der Mindestunterhalt wird demnach für Kinder bis fünf Jahre um drei auf 396 Euro steigen. Kinder zwischen sechs und elf Jahren haben dann Anspruch auf 455 Euro, vier Euro mehr als bislang. In der dritten Altersgruppe bis zur Volljährigkeit sind es 533 Euro, das sind fünf Euro mehr.

Der Bedarfssatz für Studierende, die nicht bei ihren Eltern leben, bleibt mit 860 Euro im Monat unverändert. Das gilt auch für den Selbstbehalt, der den Unterhaltspflichtigen bleiben muss. Auf den Bedarf des Kindes ist das Kindergeld anzurechnen. Dieses wird bei minderjährigen Kindern zur Hälfte und beim volljährigen Nachwuchs in vollem Umfang auf den Unterhaltsbedarf angerechnet.

Die "Düsseldorfer Tabelle" ist die Richtlinie aller Oberlandesgerichte in Deutschland für die Ermittlung und Bemessung des Kindesunterhalts. Sie wird seit 1979 vom Düsseldorfer Oberlandesgericht herausgegeben.


Höchstbetrag für den Kinderzuschlag steigt

Ab dem 1. Januar 2022 beträgt der Höchstbetrag für den Kinderzuschlag 209 Euro pro Kind und Monat. Das sind vier Euro mehr als 2021. Die Erhöhung wird automatisch ausgezahlt und muss nicht beantragt werden.


Leichte Anhebung der Hartz-IV-Sätze

Wer Arbeitslosgengeld II oder Sozialhilfe bezieht, bekommt ab 1. Januar 0,76 Prozent mehr Geld, ebenso wie Bezieher von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Für Alleinstehende steigt der Regelsatz damit um drei Euro auf 449 Euro im Monat, für Paare ebenfalls um drei Euro auf 404 Euro pro Person und Monat. Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren erhalten ebenfalls drei Euro mehr im Monat, Kinder unter 14 Jahren jeweils zwei Euro mehr.

Regelsätze ab Januar 2022 (Veränderung gegenüber 2021 in Klammern)
Bedarfsstufen Regelsatz
Alleinstehende / Alleinerziehende 449 Euro

(+3 Euro)
Paare je Partner / Bedarfsgemeinschaften 404 Euro

(+3 Euro)
Volljährige in Einrichtungen (nach SGB XII) 360 Euro

(+3 Euro)
nicht-erwerbstätige Erwachsene unter 25 Jahre im Haushalt der Eltern 360 Euro

(+3 Euro)
Jugendliche von 14 bis 17 Jahren 376 Euro

(+3 Euro)
Kinder von 6 bis 13 Jahren 311 Euro

(+2 Euro)
Kinder von 0 bis 5 Jahren 285 Euro

(+2 Euro)

(Quelle: Bundesregierung)


Erleichterungen bei Kurzarbeit

Die Erleichterungen und Sonderregelungen bei der Kurzarbeit wegen der Corona-Pandemie gelten vorerst noch bis 31. März 2022. Die Sozialversicherungsbeiträge werden aber nicht mehr vollständig erstattet, sondern nur noch zur Hälfte. 


Online arbeitslos melden

Ab 1. Januar 2022 besteht die Möglichkeit der elektronischen Arbeitslosmeldung. Eine persönliche Meldung in der zuständigen Agentur für Arbeit ist dann nicht mehr zwingend nötig, aber weiterhin möglich. Wer sich online arbeitslos meldet, muss einen gültigen elektronischen Identitätsnachweis wie die "Online-Ausweisfunktion“ des Personalausweises erbringen.


Mehr Rente

Nach der Nullrunde 2021 können Rentnerinnen und Rentner ab Juli 2022 mit höheren Bezügen rechnen. Nach Schätzungen der alten Bundesregierung liegt das Plus wohl zwischen vier und sechs Prozent, wobei es im Osten etwas höher ausfallen dürfte als in Westdeutschland. Die endgültigen Zahlen werden im März feststehen.            


Rentner dürfen weiter mehr dazuverdienen

Wer bei vorgezogener Altersrente weiterhin oder wieder arbeiten möchte, darf auch 2022 Jahreseinkünfte von bis zu 46.060 Euro haben, ohne dass deswegen die Rente gekürzt wird. Das ist Teil des aktualisierten Infektionsschutzgesetzes und zielt vor allem darauf ab, Personalengpässe durch die Corona-Pandemie abzumildern. Die Hinzuverdienstgrenze war bereits für 2020 und 2021 deutlich angehoben worden – zuvor hatte sie bei 6.300 Euro gelegen.


Änderung bei der Betriebsrente

Ab 2022 gilt eine neue Regelung bei der Entgeltumwandlung für Betriebsrenten. Dabei wird ein Teil des Lohns umgewandelt, um später eine Betriebsrente zu erhalten. Viele Arbeitgeber leisten bereits freiwillig einen Zuschuss zur Entgeltumwandlung; ab 2022 sind sie dazu verpflichtet. Sie müssen 15 Prozent des umgewandelten Entgelts als Arbeitgeberzuschuss dazugeben, wenn sie durch die Entgeltumwandlung ihrerseits Sozialversicherungsbeiträge einsparen.

Ausgenommen sind Mitglieder einer Gewerkschaft und Beschäftigte, für die ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag gilt. Sie können ihren Tariflohn nur umwandeln, wenn der Tarifvertrag das ausdrücklich vorsieht.


Höherer Steueranteil für Neurentner

2022 beträgt der steuerpflichtige Rentenanteil 82 Prozent, statt zuvor 81 Prozent. Von der Erhöhung sind nur Neurentner betroffen. Bei Rentnern und Rentnerinnen, die 2021 in Rente gegangen sind, bleiben weiter 19 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei. Bis zum Renteneintrittsjahr 2040 soll der steuerpflichtige Teil auf 100 Prozent ansteigen.


Beitragsbemessungsgrenzen Renten- und Krankenversicherung

Beitragsbemessungsgrenzen: Bei der gesetzlichen Rentenversicherung ändern sich die Beitragsbemessungsgrenzen, also die Grenzen, bis zu denen das Einkommen beitragspflichtig ist. Im Osten steigt die Grenze von 6.700 auf 6.750 Euro im Monat. Im Westen sinkt sie von 7.100 auf 7.050 Euro im Monat.

 In der gesetzlichen Krankenversicherung bleibt die bundeseinheitliche Beitrags- bemessungsgrenze dieselbe wie 2021 und liegt weiter bei 58.050 Euro im Jahr. Auch die sogenannte Versicherungspflichtgrenze, bis zu der man gesetzlich krankenversichert sein muss, bleibt gleich und liegt bei 64.350 Euro im Jahr.                              

Rechengröße West Ost
Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung 7.050 Euro pro Monat 6.750 Euro pro Monat
Beitragsbemessungsgrenze in der knappschaftlichen Rentenversicherung 8.650 Euro pro Monat 8.350 Euro pro Monat
Versicherungspflichtgrenze in der GKV 64.350 Euro pro Jahr 64.350 Euro pro Jahr
Beitragsbemessungsgrenze in der GKV 58.050 Euro pro Jahr  58.050 Euro pro Jahr 
Beitragsbemessungsgrenze in der

Arbeitslosenversicherung

 
7.050 Euro pro Monat 6.750 Euro pro Monat
Vorläufiges Durchschnittsentgelt für 2022 in der Rentenversicherung 38.901 pro Jahr 38.901 pro Jahr
Bezugsgröße in der Sozialversicherung 3.290 Euro pro Monat 3.150 Euro pro Monat

(Quelle: Bundesregierung)


Grundfreibetrag steigt

Der Grundfreibetrag, also der Einkommensbetrag, bis zu dem keine Einkommensteuer gezahlt werden muss, wird für Ledige von 9.744 Euro auf 9.984 Euro pro Jahr angehoben. Bei Verheirateten liegt die Grenze bei 19.968 Euro. Der Grundfreibetrag gilt als das Existenzminimum.


Wohngeld wird angepasst: Empfängerkreis steigt um 30.000 Haushalte

Ab 2022 wird das Wohngeld alle zwei Jahre automatisch an die Mieten- und Einkommensentwicklung angepasst – erstmals passiert das zum 1. Januar 2022. Mit der Erhöhung sollen 640.000 Haushalte erreicht werden, 30.000 davon wieder oder erstmals. Im Durchschnitt soll das Wohngeld voraussichtlich um 13 Euro pro Haushalt steigen.

Mit der Dynamisierung des Wohngeldes alle zwei Jahre soll vermieden werden, dass einkommensschwache Haushalte herausfallen, deren Einkommen nur im geringen Umfang gestiegen ist, und die dadurch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe angewiesen wären.


Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen

Am 1. Januar treten mit dem Teilhabestärkungsgesetz Regelungen in Kraft, die Menschen mit Behinderung das Leben einfacher machen sollen. So bekommen zum Beispiel Assistenzhunde Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und Anlagen, wo Hunde sonst verboten sind.

Erweitert werden soll das Budget für Ausbildung, um auch Menschen damit zu fördern, die schon in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten. Dies soll ihnen mehr Chancen einräumen, Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bekommen zu können.

Wer Reha- und Teilhabeleistungen anbietet, muss Maßnahmen treffen, um die Teilnehmenden vor Gewalt zu schützen, vor allem Frauen. Außerdem sollen künftig auch Menschen, die bereits in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, über das Budget für Ausbildung gefördert werden können und so besseren Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt erhalten. Dafür wird auch eine einheitliche Ansprechstelle eingerichtet, die Arbeitgebern bei der Ausbildung, Einstellung und Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen beratend und unterstützend zur Seite stehen soll.


Garantiezins sinkt – Nachteile für neue Verträge

Nach Beschluss des Bundestags sinkt ab Januar der so genannte Garantiezins für Versicherungen von 0,9 auf 0,25 Prozent. Das gilt jedoch nur für Verträge, die ab dem 1. Januar 2022 abgeschlossen werden. Durch die Absenkung wird der Anteil der eingezahlten Versicherungsprämien, der angespart wird, schlechter verzinst und bringt so weniger Erträge. Das bedeutet: weniger Leistungen und/oder höhere Beiträge bei kapitalbildenden Lebens-, Renten-, Berufsunfähigkeits-, Risikolebens- und Sterbegeldversicherung sowie für die Riester-Rente.

Quelle: MDR-Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 31. Dezember 2021 | 19:30 Uhr

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