Urteil BGH: Schallschutz bei neuem Fußboden muss erfüllt werden

Nachdem in einer Dachgeschosswohnung neue Fußboden-Fliesen verlegt wurden, war jeder Schritt zu hören - über dem erlaubten Schallschutz-Grenzwert. Der BGH urteilte: Auch bei fehlerhafter Bausubstanz und neuem Fußboden müssen Grenzwerte eingehalten werden.

Bodenfliesen verlegen.
Neue Fußbodenbläge müssen immer so ausgelegt sein, dass die Schallschutzbestimmungen, die beim Bau des Hauses galten, eingehalten werden. Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Kommt ein neuer Fußboden in die Wohnung, muss der Tritt-Schallschutz der im Baujahr der Wohnung galt, eingehalten werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Das gelte auch dann, wenn die Geschossdecke fehlerhaft konstruiert wurde und der Trittschallschutz bei ordnungsgemäßer Bauweise eingehalten würde, urteilten die Richter in Karlsruhe.

Geschossdecke genügt dem Schallschutz nicht

Im konkreten Fall ging es um ein Haus mit Baujahr 1962. 1995 war das Dachgeschoss ausgebaut worden. Zunächst war Teppich verlegt worden. 2008 wurde dieser durch Fliesen ausgetauscht, wodurch die Schritte der Bewohner im Stockwerk darunter deutlich lauter, um 14 Dezibel mehr als die erlaubten 53 Dezibel, zu hören waren. Ein späteres Gutachten hatte ergeben, dass die Geschossdecke nicht den Mindestanforderungen an den Schallschutz genügt.

Der Dachgeschoss-Wohnungseigentümer hatte argumentiert, dass der Fliesenboden ordnungsgemäß verlegt worden sei und sich der Eigentümer darauf verlassen dürfe, dass die Geschossdecke den notwendigen Trittschallschutz gewährleiste. Deshalb müsse die Eigentümergemeinschaft eine Sanierung der Geschossdecke bezahlen.

Trittschallschutz darf sich nicht über Grenzwert hinaus verschlechtern

Ein Mann steht an einem geöffneten Fenster, an dem ein LKW vorbeifährt 4 min
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Nach Angaben der Vorsitzenden Richterin sei dem Beklagten zuzumuten, zum Beispiel Teppich auf den Fliesen zu verlegen oder Schallschutzmatten einzubauen. "Welche Maßnahme er ergreift, bleibt ihm überlassen", urteilten die BGH-Richter. Ob der Beklagte Ansprüche gegen die Eigentümergemeinschaft auf Verbesserung der Geschossdecke hat, entschied der Senat nicht.

Der Anwalt der Kläger hatte argumentiert, dass der Beklagte die Gemeinschaft ja in Anspruch hätte nehmen können. Weil er es aber nicht getan habe, sei er auch verantwortlich. Außerdem hätte es Möglichkeiten gegeben, zu verhindern, dass sich mit den Fliesen der Trittschall verstärke, etwa durch einer dämmenden Unterlage.

Das Gericht urteilte, dass sich der Trittschall durch Austausch des Fußbodenbelags verschlechtern dürfe, allerdings nur im Rahmen der gültigen Schallschutz-Grenzwerte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juni 2020 | 10:30 Uhr

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