Unternehmerische Freiheit BGH-Urteil: Hotel darf Kinder abweisen

Ein Wellness- und Tagungshotel für Erwachsene darf laut einem BGH-Urteil Kinder und Jugendliche ablehnen. Das höchste deutsche Zivilgericht stellte die unternehmerische Freiheit über die Gleichbehandlung.

Ein Wellness- und Tagungshotel darf sich als "Erwachsenenhotel" ausrichten und Kinder und Jugendliche als Gäste ablehnen. Die Betroffenen würden wegen ihres Alters zwar benachteiligt, doch dafür gebe es sachliche Gründe, entschied der Bundesgerichtshof  in Karlsruhe.

Die Richter stellten die im Grundgesetz geschützte unternehmerische Freiheit des Hotelbetreibers über den Gleichbehandlungsgrundsatz und das Antidiskriminierungsgesetz. (Az. VIII ZR 401/18)

Kinderreiche Familie potenziell zu laut

Geklagt hatte eine Familie mit fünf Kindern. Sie berief sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und wollte eine Entschädigung. Die Mutter hatte Ende 2016 im brandenburgischen Thermalort Bad Saarow für vier Nächte Zimmer angefragt. Das Hotel wies sie mit der Begründung ab, es nehme nur Gäste ab 16 Jahre auf.

Dagegen ist nach Auffassung der obersten Zivilrichter nichts einzuwenden. Das Tagungs- und Wellnesshotel sei auf Ruhe und Entspannung ausgerichtet. Die Einschätzung, dass sich das "an anderen Bedürfnissen orientierte Verhalten von Kindern nicht uneingeschränkt in Einklang bringen lässt", bewege sich im Rahmen des unternehmerischen Handlungsspielraums.

Zudem sei die Familie auf die schwerpunktmäßig angebotenen Leistungen "nicht in besonderer Art und Weise angewiesen". In der Region gebe es passendere Möglichkeiten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juli 2020 | 16:30 Uhr

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