Urteil Umdrehen zum Kind während der Fahrt grob fahrlässig

Das Umdrehen während der Autofahrt zu einem Kind auf dem Rücksitz ist grob fahrlässig. Das urteilte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Es sei eine "einfachste ganz naheliegende Überlegung", dass ein Fahrer die vor ihm befindliche Fahrspur beobachten müsse, um gefährliche Situationen zu vermeiden.

Ein Junge schläft in einem Autokindersitz
Auch wenn sich Eltern Sorgen um ihr Kind auf dem Rücksitz machen, sollten sie während der Fahrt immer auf die Fahrbahn schauen. Bildrechte: imago/blickwinkel

Im konkreten Fall ging es um einen Mann, der mit einem Mietauto auf der Autobahn 5 in Richtung Frankfurt am Main bei stockendem Verkehr mit rund 50 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Auf dem Rücksitz saßen seine beiden Söhne im Alter von acht und neun Jahren.

Bei einem kurzen Schulterblick während eines Spurwechsels erkannte der Mann, dass der Jüngere einen Gegenstand in der Hand hielt. Der Vater befürchtete, dass es sich um ein Messer handeln könnte. Deshalb drehte er sich zu dem Jungen um. Dabei fuhr er auf ein vor ihm fahrendes Motorrad auf. Er verursachte an dem Mietauto einen Schaden von mehr als 10.000 Euro.

Vater hätte Sohn ohne Blickkontakt fragen können

Bei selbstverschuldeten Unfällen hätte der Mann eigentlich nur eine Selbstbeteiligung von 1.050 Euro gehabt. Im Falle grob fahrlässiger Herbeiführung eines Schadens ist der Autovermieter aber berechtigt, eine höhere Summe verlangen zu können. Der Mann wollte aber nicht mehr zahlen, weshalb der Autovermieter klagte.

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sprach nun dem Autovermieter den von ihm gewünschten Schadenersatz in Höhe von rund zu 5.000 Euro zu. Der Vater habe den Unfall grob fahrlässig verursacht. Auch die Aussage, sein Sohn halte möglichicherweise ein Messer in der Hand, gelte nicht als Entschuldigung. Statt sich umzudrehen, hätte er seinen Sohn laut Gericht auch ohne Blickkontakt fragen können. Das Urteil ist nicht anfechtbar (Az. 2 U 43/19).

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. März 2020 | 15:30 Uhr

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