Wittenberg nach der Reformation Garnisonsstadt – Industriestadt – Weltkulturerbe

Wittenberg an der Elbe
Wittenberg an der Elbe Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die guten Jahre Wittenbergs schienen mit dem Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges und der Niederlage der Protestanten 1545/47 zu Ende zu sein. Die ernestinische Linie verlor die Kurwürde an die albertinische, dazu kamen erhebliche Gebietsabtretungen. Wittenberg fiel an die Albertiner. Kurfürst Moritz, nun Landesherr, blieb freilich in der Residenz Dresden und sah Wittenberg nur als sächsische Festung.

Doch die zweite Generation der Reformer behauptete sich beachtlich. Oft waren es die Söhne der Durchbruch-Generation. Als Beispiele seien hier nur Cranach der Jüngere, Johannes Bugenhagen der Jüngere oder auch der Sohn des Küsters der Wittenberger Schlosskirche, Matthäus Blöchinger (erst Professor an der "Leucorea", dann Propst und erster Superintendent im nahen Kemberg) genannt. Die "Leucorea" bleibt eine der wichtigsten Universitäten Europas.

Wittenberg und Eisleben als Weltkulturerbe

Schloßkirche Wittenberg, Blick auf Altar
Die Wittenberger Schlosskirche Bildrechte: MDR/André Damm

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) erlitt die Stadt erhebliche Schäden. Die Schlosskirche mit der berühmten hölzernen Thesen-Tür brannte aus.

Nach der französischen Revolution belagerte Napoleon die Stadt. 1814 wurde die Universität "Leucorea" geschlossen. Ein Jahr später kamen die sächsischen Gebiete um Wittenberg zu Preußen. Von 1819 an wurde das Schloss zur preußischen Zitadelle umgebaut und Wittenberg wurde Garnisonsstadt. Das "Augusteum", erster großer Zweckbau der Universität nach ihrer Gründung, wurde zur Kaserne. Die alten Festungsanlagen hatten längst ihre Bedeutung verloren. 1874 wurden sie geschliffen. Im Zuge der Industrialisierung siedelten sich Unternehmen an.

In den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts begann eine ganz neue Entwicklung. 1996 setzte die UNESCO Wittenberg und Eisleben auf die Liste des Weltkulturerbes. Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt erhält 1997 ihren Sitz in Wittenberg. Der Blick richtet sich auf das große Jubiläumsjahr 2017. Viele Millionen fließen seitdem in die Restauration der Bauten und Museen. Wittenberg bekommt geradezu ein neues Gesicht, eine Art Facelifting.

Marktplatz, Stadtkirche und  Rathaus in der Lutherstadt Wittenberg.
Hören Sie hier den Beitrag von "MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir" zur OB-Wahl in Lutherstadt Wittenberg. Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn