Unterwegs in Sachsen Jüdisches Leben in Görlitz

In Görlitz befinden sich 4.000 Baudenkmäler. Drei davon zeugen von dem historischen jüdischen Leben in der Stadt: Eine 700 Jahre alte Mikveh und zwei Synagogen. Die Neue Synagoge wird derzeit renoviert.

Görlitz Mikveh
Beater Werner entdeckt die Görlitzer Mikveh. Bildrechte: René Römer

Fünf Meter unterhalb des Straßenniveaus beginnt die Entdeckungstour durch Görlitz. Im Fackelschein glänzt das Wasser einer 700 Jahre alten Mikveh. Das ist ein jüdisches Bad zur rituellen Waschung. Wer eintaucht, erlangt die Reinheit, die man zum Beispiel braucht, um heilige Stätten zu betreten.

In Görlitz gibt es gleich zwei Synagogen. Die beiden historischen Synagogen sind in der Reichspogromnacht nicht niedergebrannt und bis heute erhalten. Die Alte Synagoge befindet sich am Stadtrand. Dort finden normalerweise Lesungen und kleine Konzerte statt. Die Neue Synagoge liegt nahe des Stadtparks. Sie wird derzeit umfassend renoviert. Ursprünglich war die Eröffnung Ende Mai vorgesehen. Ein konkreter Termin ist wegen der Coronavirus-Pandemie derzeit nicht bekannt.

Die Neue Synagoge ist eins von 4.000 Görlitzer Baudenkmälern. Das ist Rekord in Deutschland und macht die Stadt zu einem lebendigen, begehbaren Architekturmuseum zwischen Spätgotik und Barock. Der 520 Jahre alte Flüsterbogen etwa ist eine steinerne Schallrinne und das wohl älteste Telefon der Welt, das als Stille Post von Verliebten und vor der Pandemie von jährlich knapp 300.000 Touristen genutzt wurde.

Von jiddischen Folk-Barden zum Heiligen Grab

Beate Werner schlendert durch romantische Gassen zwischen Ober- und Untermarkt und erfährt, dass sich die Stadt mit ihren 35 Hallenhäusern – das sind regelrechte Kaufmannsburgen und ganz frühe Kaufhäuser – für das Weltkulturerbe bewirbt. Aus einem dieser Renaissance-Paläste stürzte sich Action-Star Jackie Chan bei einem halsbrecherischen Stunt in die Tiefe. Görlitz doubelte in knapp 100 Film- und Fernsehproduktionen Venedig, Paris, London, Hamburg oder das kaiserliche Berlin, sodass die Stadt den Beinamen "Görliwood" trägt.

Die Moderatorin besucht Restauratoren, jiddische Folk-Barden, einen philosophischen Maler und seine singende finnische Frau, erschrickt vor einem brüllenden Bronzelöwen und weiß, warum Schokolade die zu DDR-Zeiten arg verfallene historische Altstadt retten half. Und sie fühlt sich auf einem Tausend-Schritte-Weg hin zum Heiligen Grab von Görlitz wie auf der Via Dolorosa zu Jerusalem.

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Das Jugendstilkaufhaus in Görlitz (Sachsen) 3 min
Bildrechte: dpa

Mo 05.04.2021 22:50Uhr 02:39 min

https://www.mdr.de/geschichte/stoebern/video-506680.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Unterwegs in Sachsen | 15. Mai 2021 | 18:15 Uhr