Eröffnung 2022 geplant Die neue Weill-Synagoge für Dessau

Bislang wurden die Gottesdienste in dem kleinen Gebetsraum des Gemeindehauses gefeiert. Dort sind zwar alle wichtigen rituellen Gegenstände vorhanden, doch der Platz für die Gläubigen war begrenzt. Das soll sich mit dem Neubau der Weill-Synagoge ändern.

Ein Mann vor einem Schrank mit drei Schriftrollen
Alexander Wassermann ist Vorsitzender der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Dessau. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann

Dessau bekommt eine neue Synagoge. Sie entsteht genau an dem Ort, wo die alte Synagoge in der Pogromnacht vom 9. November 1938 zerstört wurde. Anfang 2022 soll der Neubau fertig sein und den Namen Weill-Synagoge tragen. Der Vater des später berühmten Komponisten Kurt Weill (1900-1950), Albert, war einst Kantor der jüdischen Gemeinde in Dessau.


Neuer Raum für jüdisches Leben

Bis dahin feiern die Jüdinnen und Juden ihre Gottesdienste im kleinen Gebetsraum des Gemeindehauses Dessau, so es die Pandemie wieder erlaubt. Eigentlich finden darin circa 50 Gläubige Platz. Alexander Wassermann ist Vorsitzender der orthodoxen jüdischen Gemeinde, die etwa 300 Mitglieder hat. Er freut sich sehr auf das neue Gotteshaus: "Dann kann das echte jüdische Leben in Dessau weitergehen."

Am 9. November 1938 waren in der Tagespresse die Namen aller in Dessau und Roßlau lebenden Juden veröffentlicht worden. Daraufhin wurden deren Wohnungen und Geschäfte geplündert. Schließlich stand die 1908 geweiht Synagoge in Flammen.

Bildergalerie Die jüdische Gemeinde in Dessau

Dessau bekommt eine neue Synagoge. Bislang wurden die Gottesdienste im kleinen Gebetsraum gefeiert. Alexander Wassermann, Vorsitzender der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Dessau, gibt Auskunft.

Ein Mann vor einem Schrank mit drei Schriftrollen
"Eine Tora haben wir 1998 in Israel gekauft. Die andere ist eine Spende vom Zentralrat der Juden", sagt Alexander Wassermann, Vorsitzender der orthodoxen jüdischen Gemeinde. Aufbewahrt werden sie im Toraschrein. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
Ein Mann vor einem Schrank mit drei Schriftrollen
"Eine Tora haben wir 1998 in Israel gekauft. Die andere ist eine Spende vom Zentralrat der Juden", sagt Alexander Wassermann, Vorsitzender der orthodoxen jüdischen Gemeinde. Aufbewahrt werden sie im Toraschrein. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
Eine Tafeln mit hebräischer Schrift über einem Holzschrank, der von einem blauen Samtvorhang verdeckt wird
Vor dem Toraschrein hängt ein verzierter Samtvorhang, darüber stehen die zehn Gebote. Der Schrein ist nach Osten gerichtet, in Richtung Jerusalem. Er erinnert an die Bundeslade mit den Zehn Geboten, die das Volk Israel einst durch die Wüste trug und soll die Gläubigen daran erinnern, dass Gott immer in ihrer Mitte wohnt. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
eine ausgerollte Schriftrolle
Die Tora besteht aus den fünf Büchern Mose und ist Teil der hebräischen Bibel. Die Torarollen in Dessau bestehen aus Papyrus und sind von Hand mit Tinte beschrieben. "Die Tora ist sehr wertvoll und darf deshalb nicht berührt werden", betont Alexander Wassermann. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
eine Papierrolle in einem Holkasten
Die Ersatz-Tora besteht aus gewöhnlichem Papier und ist nicht von Hand beschrieben. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
Ein Holztisch mit einer blauen Samtdecke
Direkt neben dem Toraschrein steht die Bima. Hier wird die Tora zum Lesen ausgerollt. "Nicht jeder kann die Tora lesen, sie ist in sehr altem Hebräisch geschrieben", erläutert Alexander Wassermann. Jüdische Jungen und Mädchen lernen Hebräisch und werden darauf vorbereitet, beim Erlangen der religiösen Mündigkeit (Bar Mizwa bzw. Bat Mizwa) aus der Tora zu lesen. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
Ein Mann mit Kippa und einem weißen Gebetstuch über dem Schultern
Der Tallit ist ein viereckiger Gebetsmantel aus weißer Wolle, Baumwolle oder Seide. "Männer tragen den Tallit, wenn beim Morgengebet aus der Tora gelesen wird, mittags und abends tun sie das nicht", erklärt Alexander Wassermann. Der Tallit schirmt die Betenden von ihrer Umwelt ab, damit sie sich auf das Gebet konzentrieren können. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
Ein Mann trägt eine Kippa
Die Kippa ist eine kleine Kappe, die den Hinterkopf bedeckt. "Sie symbolisiert eine Grenze zwischen Gott und den Menschen", erklärt Alexander Wassermann. Als Zeichen der Ehrfurcht vor Gott muss jeder Mann in einer Synagoge oder auf einem jüdischen Friedhof seinen Kopf bedecken, auch wenn er kein Jude ist. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
Eine Wandtafel mit elektrischen Lichtern in Form einer Kerze und der Aufschrift: Jüdische Gemeinde zu Dessau
Für alle sichtbar hängt im Gebetsraum unter dem ewigen Licht eine Trauertafel. "Wenn ein Gemeindemitglied gestorben ist, wird ein Licht angemacht und der Name hier aufgeschrieben", erklärt Alexander Wassermann. Das Licht brenne dann circa eine Woche. So erinnert die Gemeinde an ihre verstorbenen Mitglieder. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
mehrere Stuhlreihen hinter einem weißen Vorhang
"Die Männer sollen sich auf die Tora konzentrieren, nicht auf die Frauen", sagt Alexander Wassermann. Daher würden Männer und Frauen während des Gottesdienstes in der orthodoxen Gemeinde durch einen Vorhang voneinander getrennt. Mechiza ist der Name für diese Art der Absonderung. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
Eine Steinsäule mit der Inschrift: Den jüdischen Männern, Frauen und Kindern, die dem Naziterror von 1933 bis 1945 zum Opfer fielen
Vor dem Gemeindehaus in Dessau erinnert eine Steinsäule an die Alte Synagoge, die in der Reichspogromnacht 1938 zerstört wurde und an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Dessau, "die dem Naziterror von 1933 bis 1945 zum Opfer fielen", so die Inschrift. Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann
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Seit 1994 gibt es wieder eine Jüdische Gemeinde in Dessau, die von Zuwanderern gegründet wurde. Mit dem Neubau in Dessau entsteht in Sachsen-Anhalt die erste Synagoge nach dem Zweiten Weltkrieg. Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte bei der Grundsteinlegung im November 2019: "Wir wollen Jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt und das soll auch in Zukunft so sein." Im Februar 2020 übergab Haseloff dann den Fördermittelbescheid in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Direkt neben dem Standort der neuen Synagoge befindet sich das Gemeindehaus, das ebenfalls ausgebaut wird.

Jüdische Gemeinde in Dessau
So soll die neue Synagoge in Dessau aussehen Bildrechte: MDR/Tom Himmelmann

Bau in Gestalt einer Tora-Rolle

Der Neubau soll von außen an eine Tora-Rolle erinnern. Idee und Entwurf stammen von dem Frankfurter Architekten Alfred Jacoby: "Man geht in einen Raum hinein, der einen mit dem umhüllt, was den Glauben ausmacht."

Jacoby ist selbst Jude und hat bereits zehn jüdische Gotteshäuser entworfen, darunter auch die Neue Synagoge in Chemnitz.

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Mo 24.02.2020 11:35Uhr 00:47 min

https://www.mdr.de/kultur/app-kultur/ausstellungen/video-385244.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 20. Februar 2020 | 19:00 Uhr