Bilanz für 2021 vorgestellt Katholische Kirche verliert mehr als eine halbe Million Mitglieder

Kardinal Georg Bätzing
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing Bildrechte: dpa

Die katholische Kirche in Deutschland hat im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Million Mitglieder verloren. Zur Statistik für das Jahr 2021 erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, am Montag, die Zahlen zeigten die "tiefgreifende Krise" und seien das "Spiegelbild" der innerkirchlichen Skandale. Denn hauptsächlich ginge der Mitgliederschwund auf eine "extrem hohe Zahl an Kirchenaustritten" zurück. Demnach traten im vergangenen Jahr rund 360.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus, so viele wie noch nie: "Und zu diesen Zahlen müssen wir die Erkenntnis hinzulegen, dass mittlerweile nicht nur die Menschen austreten, die zu ihrer Pfarrei schon über einen längeren Zeitraum wenig oder sogar keinen Kontakt hatten, sondern es mehren sich Rückmeldungen, dass Menschen diesen Schritt gehen, die bisher in den Pfarreien sehr engagiert waren", fügte Bätzing hinzu.

Negativ-Rekord: Rund 360.00 Katholiken ausgetreten

Zum Stichtag am 31. Dezember hatten die 27 katholischen Bistümer demnach rund 21,6 Millionen Kirchenmitglieder. Damit nehmen die Katholiken einen Anteil von 26 Prozent an der Gesamtbevölkerung ein. Der Mitgliederverlust im Jahr 2021 beläuft sich insgesamt auf 547.125, der Anteil der Austritte stieg auf 359.338. Damit verlor die katholische Kirche fast 138.000 Mitglieder mehr als noch im Vorjahr. Die Austrittsrate stieg auf 1,6 Prozent. Die Austritte und Sterbefälle konnten durch Taufen und Kircheneintritte nicht kompensiert werden. Knapp 142.000 Menschen wurden 2021 getauft, 1.400 Menschen traten in die katholische Kirche ein.

Eckdaten 2021 für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
  Pfarreien Mitglieder Bestattungen Wiederaufnahmen/-eintritte Austritte
Bistum Dresden-Meißen 37 137.067 1.144 54 2.886
Görlitz 16 29.623 251 7 254
Erfurt 33 140.439 1.744 21 1.670
Magdeburg 44 76.223 787 15 1.132

Auch Evangelische Kirche verliert weiter Mitglieder

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte ihre Zahlen für 2021 anders als bislang bereits im März veröffentlicht. Demnach gehörten 19,7 Millionen Deutsche – 23,7 Prozent – einer der 20 evangelischen Landeskirchen an. Die Zahl der Kirchenaustritte stieg im Vergleich zum Pandemiejahr 2020 um 60.000 auf rund 280.000. Damit lag die Austrittsrate bei rund 1,4 Prozent.

Weniger als die Hälfte der Deutschen kirchlich gebunden

Damit gehören erstmals in Deutschland weniger als die Hälfte der Bevölkerung der evangelischen oder katholischen Kirche an. Bätzing zog die Schlussfolgerung: "Wir müssen uns neu erklären, erläutern was wir tun und warum wir es machen. Zur Kirche zu gehören ist ebenso wenig eine Selbstverständlichkeit wie aktiv in ihr mitzuwirken." Er verwies auf die soziale, seelsorgerische und karitative Arbeit in Verbänden und Vereinen, im Bildungsbereich und in der Caritas oder Feldern wie der Notfallseelsorge und der Geflüchtetenhilfe, auch über Deutschland hinaus. Unendlich viele Ehrenamtliche trügen letztlich dieses Engagement, betonte Bätzing. Er setzt Hoffnung in den Reformprozess Synodaler Weg.

Durch die laufenden Strukturmaßnahmen in den katholischen Bistümern hat sich die Zahl der Pfarreien 2021 laut Statistik auf 9.790 (2020: 9.858) verringert. Insgesamt gibt es 10.313 Priester, 2020 waren es noch 12.565, davon sind 6.215 Pfarrseelsorger. 2020 waren es 6.303. Die Zahl der Priesterweihen lag 2021 bei 62, davon 48 Welt- und 14 Ordenspriester.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 27. Juni 2022 | 13:00 Uhr