Nah dran | in der Mediathek Projekt:Traumhochzeit

Während eine Hochzeit früher viel bescheidener ablief, wird sie heute oft zum Event. Viele Paare investieren in ihren "schönsten Tag" eine Menge Geld, planen akribisch über Monate. Immer mehr Hochzeitsplaner helfen ihnen dabei und sorgen für glamouröse Auftritte. Doch welche Hoffnungen und welche Träume stecken dahinter? Anja Krußig begleitet für die Nah dran-Reportage ein Paar aus Sachsen-Anhalt bis zum Traualtar.

Maria und Tobias liegen voll im Trend: Sie wollen heiraten und zwar richtig. Das junge Paar aus Sachsen Anhalt will eine Traumhochzeit feiern, ein Tag wie im Märchen. Dafür planen und sparen sie seit anderthalb Jahren. Tausende Follower sehen den beiden übers Internet dabei zu. Dass ihre private Liebe zum öffentlichen Ereignis wird, macht ihnen nichts aus, im Gegenteil, die Likes spornen sie an, ihren großen Tag in Szene zu setzen. Monatelang sucht Maria nach ihrem Traumkleid.

Geschäft mit der Hochzeit boomt

Braut und Priester vor der Kirche.
Die Kirche als Kulisse? Bildrechte: MDR, werkblende GbR

Keiner muss mehr heiraten, aber immer mehr haben Lust darauf. Die Sehnsucht nach einer stabilen Bindung wächst und der Hochzeitsmarkt floriert. Wer kann, gestaltet seine Hochzeit aufwendig, glanzvoll und individuell. So wird für viele Paare der schönste Tag im Leben zum perfektionistischen Kraftakt.

Die brillante Dekoration, umwerfende Brautkleider, einmalige Eheringe, abgefahrene Location – es wimmelt von Angeboten. Da ist es kein Wunder, wenn die Romantik im Planungsstress auf der Strecke bleibt. Kristin Dorst, Hochzeitsplanerin, kann ein Lied davon singen:

 Wenn man alles perfekt haben will, ist die Gefahr groß, dass man enttäuscht wird. 

Kristin Dorst

Eigentlich sollte die Kirche von diesem Hochzeitsboom profitieren, ist sie doch Spezialistin für feierliche Rituale. Aber die herkömmliche Hochzeitszeremonie ist im Wandel. Ausgefallen soll es heute sein und so sehen sich Pfarrerinnen und Pfarrer mit ungewöhnlichen Wünschen konfrontiert.

Die Brautpaare sind mit ihren Wünschen individueller geworden und da macht das Wort "Designerhochzeit" auch unter Pfarrerinnen und Pfarrern die Runde.

Horst Leischner, Pfarrer der Jakobskirche Köthen

Bildergalerie Projekt Traumhochzeit

Brautpaar küsst sich.
Heiraten liegt voll im Trend. Maria und Tobias, ein junges Paar aus Sachsen-Anhalt, wollen genau das, und zwar richtig. Sie wollen eine Traumhochzeit feiern, einen Tag wie im Märchen. Bildrechte: mdr/werkblende
Brautpaar küsst sich.
Heiraten liegt voll im Trend. Maria und Tobias, ein junges Paar aus Sachsen-Anhalt, wollen genau das, und zwar richtig. Sie wollen eine Traumhochzeit feiern, einen Tag wie im Märchen. Bildrechte: mdr/werkblende
Zwei Kirchestühle
Wer kann, gestaltet seine Hochzeit aufwendig, glanzvoll und individuell und sucht beispielsweise die passenden Altarplätze für die Trauung aus. So wird für viele Paare der schönste Tag im Leben zum perfektionistischen Kraftakt. Bildrechte: mdr/werkblende
Brautauto wird geschmückt.
Dafür planen und sparen Maria und Tobias seit anderthalb Jahren. Tausende Follower sehen den beiden übers Internet dabei zu. Und schauen auch bei banalen Vorbereitungen zu, wie dem Dekorieren des Hochzeitsautos. Bildrechte: mdr/werkblende
Eine Frau im Brautkleid wird von einem Mann durch den Kirchgang zum Altar geleitet. Die Hochzeitsgäste stehen und schauen zur Braut.
Eigentlich sollte die Kirche von diesem Hochzeitsboom profitieren, ist sie doch Spezialistin für feierliche Rituale. Aber die herkömmliche Hochzeitszeremonie ist im Wandel. Bildrechte: MDR, werkblende GbR
Braut und Priester vor der Kirche.
Dass ihre private Liebe zum öffentlichen Ereignis wird, macht Maria und Tobias nichts aus, im Gegenteil, die Likes spornen sie an, ihren großen Tag in Szene zu setzen. Bildrechte: MDR, werkblende GbR
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Maria und Tobias beispielsweise wollen im reformiert-evangelischen Dom zu Halle heiraten und ihr Hund soll an der Trauung teilnehmen. Dom-Pfarrerin Dr. Jutta Noetzel ist bei allem Verständnis wichtig, dass der kirchliche Raum nicht zur Kulisse verkommt. Doch ihre Erfahrung ist auch, dass sich die meisten Paare ganz auf die Liturgie einlassen können.

Ich erleben selten, dass Paare sich wünschen: das machen wir anders. Nein, eigentlich gar nicht. Ich erlebe eine große Offenheit sich etwas erklären oder nahebringen zu lassen und sich dann auch davon tragen zu lassen.

Dr. Julia Noetzel, Pfarrerin

Inszenierung: "Heiraten wie die Stars!"

Ausgefallene Orte sind begehrt wie nie. Hochzeitsplaner greifen diesen Trend gern auf und suchen originelle, schräge Locations. "Heiraten wie die Stars!" lautet das Motto. Wissenschaftler bestätigen, dass die Standartvariante heute nicht mehr genügt. Die Paare wollen sich individuell ausdrücken.  

Es ist heute für ein Paar nicht mehr notwendig aus gesellschaftlichen Konventionen zu heiraten und insofern wird eben die Heiratet ganz stark zu einem biografischen Ereignis. Und das ist natürlich etwas, wo sich dann eben die ganz gewichtige Frage stellt: Und wie inszenieren wir dieses biografische Ereignis?

Prof. Dr. Karl Lenz, Soziologe TU Dresden
Eine Frau im Brautkleid wird von einem Mann durch den Kirchgang zum Altar geleitet. Die Hochzeitsgäste stehen und schauen zur Braut.
Der große Moment.... Bildrechte: MDR, werkblende GbR

Der Film begleitet Maria und Tobias von den akribischen Vorbereitungen bis zu ihrem großen Tag. Ihre Geschichte wird ergänzt durch die Berichte von Brautausstattern und Eventplanern. Theologen und Soziologen reflektieren, was das "Projekt Traumhochzeit" über uns und unsere Zeit aussagt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 12. Februar 2021 | 02:25 Uhr

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