Zeit der Ankunft, Zeit der Vorfreude Wie Advent feiern in Zeiten der Pandemie?

Der Advent ist nicht nur eine Zeit der Vorfreude, sondern auch der Hoffnung. Dass in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge Weihnachtsmärkte und -oratorien ausfallen oder Familienzusammenkünfte aus Pandemie-Gründen fraglich sind, enttäuscht. Wie wir trotzdem Zuversicht fassen und digital Türchen öffnen können:

Die Advents- und Weihnachtszeit steht auch 2021 im Zeichen der Corona-Pandemie. Gerade aufgebaut, wurden Weihnachtsmärkte in Mitteldeutschland bis auf wenige Ausnahmen wieder abgesagt, auch Konzerte und Feiern finden wohl eher wieder digital oder gar nicht statt. Berühmte Weihnachtsorte wie Seiffen im Erzgebirge, wo die Inzidenz-Werte mittlerweile die 2000-Marke durchbrechen, trifft die vierte Welle samt der Folgen für Tourismus und Wirtschaft besonders hart.

Advent trotz Corona in Seiffen & Volkenroda

All das drückt die adventliche Stimmung oder sorgt sogar für Angst. Der Pfarrer der Seiffener Bergkirche, Michael Harzer, will sein Gotteshaus gerade deswegen im 3G-Modus weiter offen halten für alle. So will er an den Adventssonntagen zu Gottesdiensten und kleinen musikalischen Andachten einladen, teilweise auch im Freien und zeitlich gestaffelt.

Kein Heiligabend ohne Krippenspiel – so viel ist klar. Eine Tradition, die aus dem Mittelalter stammt und entscheidend dazu beigetragen hat, die Geschichte von Josef, Maria und dem Jesuskind ungeheuer populär zu machen. Im Mittelalter war dem Krippenspiel aber noch eine andere Geschichte vorgeschaltet: das sogenannte Paradiesspiel. In Regensburg gab es der Überlieferung zufolge 1194 das erste; als Teil des christlichen Weltendramas, das von der Schöpfung, dem Sündenfall des Menschen und von seiner Erlösung handelt.

Innenansicht des Klosters Volkenroda (Christus-Pavillon) 4 min
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Der 19jährige Markus Hoppe hat für den 3. Advent ein Paradiesspiel inszeniert, das von ganz heutigen Anfechtungen erzählt. Am 3. Advent ist Aufführung, danach ist das Stück auf dem Youtube-Kanal des Klosters zu sehen.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 11.12.2021 06:00Uhr 03:45 min

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Im Kloster Volkenroda bei Mühlhausen in Thüringen führen Jugendliche zum 3. Advent eine zeitgemäße Version im Rahmen eines Gottesdienstes auf. Sie verhandeln darin die Anfechtungen von heute. Der Eintritt ist frei, es gelten die 3G-Regeln. Und wer nicht dabei sein kann: Anschließend ist das Stück auch im Youtube-Kanal des Klosters zu sehen. 

Advent 2021

Advent digital?

"In der Pandemie bemerken wir, wie verletzlich wir sind, indem die Welt mit ihren Gefährdungen – die eigentlich immer da sind – spürbar auf jeden einzelnen von uns zugreift", so formuliert es der Leiter des Kirchenkreises schlesische Oberlausitz, Thomas Koppehl. Gleichzeitig gebe die Adventskultur mit ihren Symbolen, Bräuchen und Traditionen eine Möglichkeit, diese Zeit gut zu gestalten: "Mitten in all den Verunsicherungen und unserer Angst gibt es eine Botschaft, die man annehmen kann und die einen tragen möchte, um in der Situation zu bestehen." Um diese Botschaft zu verbreiten, steuert der Kirchenkreis schlesische Oberlausitz auch in diesem Jahr wie schon 2020 wieder einen digitalen Adventskalender mit Liedern bei. Die Videos sind ab dem 1. Advent am 28. November beispielsweise über die EKM-Website abrufbar.

Schiff, Stern, Kranz: Bräuche und Symbole im Advent

Für die Christen ist der Advent die vierwöchige Vorbereitungszeit auf Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu Christi. Dabei hat "Ankunft" eine zweifache Bedeutung: Zum einen ist damit die Geburt, die Menschwerdung Gottes gemeint. Zum anderen weist der Advent auf das zukünftige Kommen Christi hin. Mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr.

Felix Seibert-Daiker 3 min
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Der Stern ist das älteste Symbol für die Ankunft Christi. Neben Himmelstau und Schiff findet man ihn schon früh in der Ikonografie des Advents. Der Stern, der den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Geburtsstätte Christi zeigt, wird schon auf römischen Sarkophagen des 4. Jahrhunderts dargestellt. Erregt miteinander sprechend, die Hände zum Himmel erhoben, suchen und finden die Weisen aus dem Morgenland den Stern, der sie zur Ankunft bei Christus geleitet.

Die Adventssonntage

Der erste Sonntag im Advent steht bei der Katholischen Kirche im Zeichen von der Wiederkunft Christi am letzten Tage, also der Apokalypse und dem Jüngsten Gericht. Protestanten feiern den Einzug Christus' nach Jerusalem. Am zweiten und dritten Adventssonntag steht bei den Katholiken Johannes der Täufer im Mittelpunkt, während evangelische Christen die Wiederkunft des Herrn begehen und am dritten ebenfalls an Johannes den Täufer erinnern.

Den vierten Adventssonntag widmen katholische und evangelische Gemeinden gleichermaßen der Gottesmutter Maria. Ihr zu Ehren begehen die Katholiken während der Adventszeit am 8. Dezember Mariä Empfängnis. Weitere Feiertage während der Adventszeit sind der Barbaratag am 4. Dezember und Nikolaus am 6. Dezember.

Ursprünge des Advents

Die Adventszeit kennt man seit dem Ende des vierten Jahrhunderts. Zunächst war sie nur drei Wochen lang und geprägt von Beten und Askese, also Fasten. Vorbild war die Passionszeit, die Fastenzeit vor Ostern. Im sechsten Jahrhundert lässt sich der Advent auch in Rom nachweisen, allerdings sechs Sonntage umfassend. Papst Gregor I., genannt auch der Große (590-604), kürzt den Advent auf vier Sonntage. Seit dem Konzil von Trient (1545-1563) schließlich wird der Advent gesamtkirchlich für vier Wochen festgeschrieben. Einzig in Mailand gibt bis heute noch eine sechswöchige Adventszeit.

Die 1236 bis 1273 geschriebene "Goldene Legende" (Legenda aurea) fasst die Vielfalt der adventlichen Gedanken und Inhalte zusammen: "Es sind vier Wochen des Adventus, die bezeichnen die vier Zukünfte unseres Herren: die erste, dass er zu uns ist kommen in der Menschheit; die andere, dass er mit Gnaden ist kommen in der Menschen Herzen; die dritte, dass er zu uns ist kommen in den Tod; die vierte, dass er wird wiederkommen zu dem jüngsten Gericht." Die liturgisch verordnete Farbe ist Violett, die für Buße und Fasten steht und den ernsten Charakter der Adventszeit verdeutlichen soll.

Symbole des Advent: Morgentau, Schiff und Stern

Der feuchte Morgentau, das ankommende Schiff und der leuchtende Stern sind die christlichen Symbole der Adventszeit. Während Tau und Schiff heute nur noch in der christlichen Literatur und Darstellung einen Platz haben, sind Sterne und Kerzen nicht nur in Kirchen zu finden. Straßen, Plätze, Weihnachtsmärkte, Schaufenster oder die heimische Wohnung sind ohne leuchtende Sterne oder Kerzen nicht denkbar.

"Tauet, Himmel, von oben, ihr Wolken regnet den Gerechten. Es öffne sich die Erde und sprosse der Heiland hervor." So heißt es bei Jesaja 45,8. Der Tau des Himmels befruchtet die Erde. Dieses Gleichnis aus der Bibel steht für die Empfängnis Mariens. Es ist eine Metapher aus dem Alten Testament und kündigt im Judentum den Messias an, der für Christen Jesus ist. Die Epiphanie, die Erscheinung eines Gottes in einem Schiff darzustellen, geht auf vorchristliche Traditionen zurück: Der griechische Gott Dionysos fährt im festlich geschmückten Schiff von Kleinasien über das Meer nach Athen. In Rom wird zum Gedenken an Julius Cäsar eine Münze geprägt, die auf der Rückseite ein Schiff zeigt, das Schiff des Gottes Saturn, darüber ein Stern.

Aus Sachsen in die Welt: Der Herrnhuter aus der Oberlausitz

Weißer Herrnhuter Stern leuchtet im Dunklen
Die ersten Herrnhuter Sterne waren weiß und rot-weiß gefärbt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Der Herrnhuter Stern ist ein besonderer Adventsschmuck mit mitteldeutschen Wurzeln. Vor rund 300 Jahren gründeten protestantische Religionsflüchtlinge in der Oberlausitz eine neue Brüderunität, die Herrnhuter Brüdergemeine. 1887 wurde zum ersten Mal von einem Stern aus bunten kegelförmigen Papierzacken berichtet, den man aufhängen kann und der von innen beleuchtet wird. Er wurde für die Knabenschulen in Kleinwelka und Niesky angefertigt. Pieter Hendrik Verbeek produzierte um 1900 dann gewerbsmäßig die Papiersterne in seiner Herrnhuter Buch- und Musikalienhandlung. Sein Sohn Harry Verbeek weitete 1924 den Betrieb zur "Sternelein Fabrik" aus. 1945 wurde sie zunächst verstaatlicht, 1968 aber wieder Eigentum der Brüder-Unität.

Die Manufaktur in der Oberlausitz ist heute das ganze Jahr über ein Touristenmagnet. In einem Besucherzentrum gibt es eine Schauwerkstatt, man erfährt alles zur Geschichte und Entstehung der Herrnhuter Brüderunität.

Adventskalender & Adventskranz

Im 16. Jahrhundert entwickelten Protestanten den Adventskalender mit dem Ziel, Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu versüßen. Während ärmere Familien 24 Strohhalme in die Krippe legten oder Kreidestriche an die Tür malten, erhielten die Kinder in wohlhabenderen Familien zum Beispiel Lebkuchen. Katholiken übernahmen diese Tradition daraufhin. Der erste Adventskalender mit Türchen zum Öffnen erschien im Jahr 1920.

Ein blondes Mädchen neben einem Adventskranz, auf dem vier Kerzen brennen
Die Kerzen auf dem Adventskranz symbolisieren das Licht, das den Menschen an Weihnachten durch die Geburt Jesu geschenkt wird. Bildrechte: colourbox.com

Der Adventskranz ist in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Erfunden hat ihn der Hamburger Pfarrer und spätere Berliner Oberkonsistorialrat Johann Hinrich Wichern (1808-1881). 1833 gründete er eine Anstalt zur Betreuung gefährdeter Jugendlicher, das "Raue Haus" in Hamburg Horn.  Am 1. Dezember wurde dort auf einem Tannenkranz eine erste Kerze entzündet und dann jeden Tag eine weitere, so dass am Heiligen Abend 24 Kerzen brennen.

Mit dieser Symbolik nahm Wichern das Wort vom "Licht, das in der Finsternis leuchtet" (Johannes 1,1) auf. Der Kreis des Adventskranzes nimmt das Bild von der Sonne auf, die an Weihnachten wieder an Stärke gewinnt und Christus symbolisiert. Nach dem Ersten Weltkrieg wird der Tannenkranz mit den vier Kerzen überkonfessionell. Seine Symbolik verträgt sich auch mit den liturgischen Vorgaben der katholischen Kirche.

Heute ist der Adventskranz in fast allen deutschen Wohnzimmern heimisch. Lichterglanz oder Geschenke-Stress: Letzlich liegt es jedoch an uns, wie wir die Zeit der Vorfreude begehen wollen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. November 2021 | 09:15 Uhr