Interreligiöser Kalender Religiöse Feiertage im November 2021

Der November erscheint vielen als dunkler und trostloser Monat. Der katholische Feiertag "Allerheiligen" am 01. November und der protestantische "Totensonntag" am Monatsende scheinen perfekt in diese Zeit zu passen. Im Hinduismus wird dagegen der Sieg des Lichts über die Dunkelheit gefeiert. Buddhisten gedenken eines schicksalhaften Tages ihres Religionsstifters Buddha.

Kinder ziehen beim Sankt-Martins-Umzug mit Laternen durch die Straßen
Zu St. Martin sind Laternenumzüge üblich. Bildrechte: dpa

01. November: Allerheiligen

(römisch-katholisch, orthodox)

Der Besuch am Grab von geliebten Verstorbenen ist für viele Katholikinnen und Katholiken an Allerheiligen Pflicht. Aufgrund der vielen heiligen Personen, die in der katholischen Kirche verehrt werden, erkannte man schon im vierten Jahrhundert die Notwendigkeit, einen Tag im Jahr alleinig den Heiligen zu widmen. Die Ostkirchen feiern den Tag am ersten Sonntag nach Pfingsten, während das Gedenken an die Heiligen in der römisch-katholischen Kirche seit dem Jahr 836 auf den 1. November fällt. In Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag.

In Süddeutschland und Österreich ist es zu Allerheiligen Brauch, dass Tauf- und Firmpaten ihren Patenkindern geflochtene und mit Hagelzucker bestreute Hefeteigzöpfe schenken. Vielerorts gibt es dazu kleine Geschenke. Auf Mainzer Friedhöfen werden für die Tage Allerheiligen und Allerseelen eigens gedrehte Kerzen, sogenannte Newwelinge, angezündet.


02. November: Allerseelen

(römisch-katholisch)

Der zweite Tag im November ist in der katholischen Kirche dem Gedenken an die eigenen Verstorbenen gewidmet. Auch an diesem Tag wird am Grab innegehalten und ein Gottesdienst gefeiert. Die Gräber werden aufwendig mit Blumen und Lichtern geschmückt. Mancherorts ist es Tradition, sogenannte Allerseelenbrote oder –zöpfe auf die mit Lichtern geschmückten Gräber zu legen. 

Eingeführt hat diesen Feiertag 998 der Abt des Benediktinerklosters Cluny in Frankreich. Von dort verbreitete sich der Feiertag in der gesamten römisch-katholischen Kirche.


04. November: Diwali

(hinduistisch)

Das mehrtägige Diwali-Fest ist eines der beliebtesten Feste im Hinduismus, vergleichbar mit dem christlichen Weihnachtsfest. Diwali bedeutet übersetzt "die Reihen der erleuchteten Lampen". Grund zum Feiern ist der Triumph des Lichts und des Guten über die Dunkelheit und das Böse.

Straßen, Geschäfte und Privathäuser werden an diesem Tag mit Öllampen geschmückt und es werden Feuerwerke gezündet. An Diwali wird nicht nur die äußere Welt erleuchtet, sondern auch die innere. Der Mensch soll sich erinnern, dass er ein göttlich erschaffenes Wesen ist.


07. November: Geburt Bahá'u'llahs

(Bahá'i)

Bahá'u'lláh – so nennen die Anhänger und Anhängerinnen der Bahai-Religion ihren Gründer, der mit vollem Namen Mirza Husain-Ali heißt. Gläubige verehrten ihn als Gottheit, da er als Wohltäter und "Vater der Armen" bekannt ist. 

Da es in der Bahá'í-Religion keine festgelegten Rituale gibt, wird mit zwanglosen Zusammenkünften an den Geburtstag des Religionsgründers erinnert. Auf eine kurze Andacht folgen meist verschiedene künstlerische Darbietungen wie Tanz, Theaterstücke oder Lesungen und ein gemeinsames Essen.


11. November: Sankt Martin

(römisch-katholisch)

Das Bild des Heiligen Martins, der seinen Mantel teilt, gehört wohl zu den einprägsamsten Heiligenerzählungen. Bestandteil des Fests sind Lampionumzüge, Gänseessen und Martinssingen.

Die Geschichte um den Heiligen Martin geht auf das Jahr 334 im französischen Amiens zurück. Damals begegnete der junge Soldat Martin einem Bettler. Da dieser zu erfrieren drohte, teilte Martin seinen Mantel mit einem Schwert und gab ihm eine Hälfte. In der Nacht darauf erschien ihm Jesus im Traum und gab sich als dieser Bettler zu erkennen. Daraufhin ließ sich Martin taufen. Er wurde Schüler des Bischofs von Portiers, gründete ein Kloster und wurde später selbst zum Bischof geweiht.


14. November: Volkstrauertag

Der Volkstrauertag ist seit den 1920er-Jahren ein staatlicher Gedenktag. Ursprünglich gedachte man der getöteten deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Der Volkstrauertag ist heute dem Gedenken an die Kriegstoten beider Weltkriege und an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet. Der Tag liegt immer am Sonntag vor dem Totensonntag.

Zu den Ritualen des Volkstrauertags gehören bundesweite Kranzniederlegungen und Gottesdienste. Die wichtigste Veranstaltung ist die zentrale Gedenkstunde des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge.


15. November: Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit

(orthodox)

Orthodoxe Christen bereiten sich mit einer vierzigtätigen Fastenzeit auf die Geburt ihres Messias, Jesus, vor. Ursprünglich dauerte die Adventszeit auch in der westlichen Kirche 40 Tage, bis Papst Gregor um das Jahr 600 die Adventszeit auf vier Sonntage minimierte. Im orthodoxen Kalender entspricht der Tag dem 28. November.


17. November: Buß- und Bettag

(evangelisch)

Während die katholische Kirche seit Jahrhunderten feste Buß- und Bettage kennt, blickt die evangelische Kirche auf mehr als vierzig verschiedene Buß- und Bettage zurück. Sie wurden in Notzeiten eingesetzt, um die Bevölkerung angesichts von Gefahren, Katastrophen und Missständen zum Gebet und zur Umkehr aufzurufen.

1893 wurde in Preußen ein einheitlicher Buß- und Bettag bestimmt und auf den Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr festgeschrieben. Er gilt als Tag der Gewissensprüfung, Reue und Hinwendung zu Gott. Bis auf Sachsen haben alle deutschen Bundesländer den Buß- und Bettag zur Finanzierung der Pflegeversicherung als gesetzlichen Feiertag abgeschafft.



21. November: Totensonntag/Christkönigsfest

(evangelisch, römisch-katholisch)

Am letzten Sonntag des Kirchenjahres feiern katholische Gläubige das sogenannte Christkönigsfest, das "Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, dem König des Weltalls". Damit ehren sie Christus als Herrn der Schöpfung. Im Kirchenkreiskalender ist es der letzte Sonntag im Jahr, mit dem Advent beginnt dann das neue Kirchenjahr.

In der evangelischen Kirche wird am letzten Sonntag im Kirchenjahr der Toten gedacht. Der Totensonntag wurde 1816 von Friedrich Wilhelm III. von Preußen initiiert und ist in allen deutschen Bundesländern besonders geschützt. Vielerorts werden die Namen der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres verlesen und deren Gräber besucht. Um die Perspektive des ewigen Lebens zu betonen, heißt der Totensonntag im offiziellen kirchlichen Sprachgebrauch "Ewigkeitssonntag".



28. November: 1. Advent

(christlich)

Mit dem ersten Adventsonntag beginnt ein neues Kirchenjahr und damit die Adventszeit. Advent bedeutet "Ankunft" und meint im christlichen Sinne die Ankunft Gottes in der Welt durch die Geburt seines Sohnes Jesus. Ursprünglich war der Advent eine Buß- und Fastenzeit, ähnlich wie die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. Zahlreiche volkstümliche Bräuche wie das Basteln und Aufstellen von Adventskränzen, die Feier von St. Nikolaus und das Schneiden der Barbarazweige sind fester Bestandteil der Adventszeit geworden.

Christen breiten sich darüber hinaus mit den vor dem ersten Morgengrauen stattfindenden "Rorate-Messen" auf das Weihnachtsfest vor.


28. November - 06. Dezember: Chanukka

(jüdisch)

Das jüdische Lichterfest Chanukka erinnert an wichtige Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes wie die zweite Weihe des Tempels und das Lichtwunder. Das hebräische Wort "Chanukka" bedeutet "Einweihung". Das Fest dauert acht Tage.

Im Jahr 164 vor Christi Geburt wurde der sogenannte "Zweite Jerusalemer Tempel“ geweiht. Der erste war zuvor von den Besatzern entweiht worden. Nachdem die Besatzer vertrieben waren, reinigten die Juden ihren Tempel und weihten ihn erneut. Um den Tempel wieder zu beleuchten und die Menora (den siebenarmigen Tempelleuchter) zu entzünden, brauchte man spezielles, koscheres Olivenöl. Die Herstellung dieses Öls dauerte acht Tage, das Vorhandene reichte eigentlich nur für einen Tag. Doch dann geschah ein Wunder: Das Öl reichte acht Tage lang. In dieser Zeit konnte neues Olivenöl hergestellt werden.

Bis heute wird während des Lichterfestes jeden Abend in den Familien eine Kerze der Chanukkia (Chanukkaleuchter) entzündet, bis alle acht Kerzen brennen. Die Chanukkia hat aber insgesamt neun Flammen. Die neunte Kerze ist der sogenannte Schamasch – der Diener, der die acht Flammen entzündet.


30. November: Apostel Andreas

(römisch-katholisch, östlich-orthodox)

Der 30. November ist der Gedenktag des Apostels Andreas. Der Bruder des Simon Petrus gilt als der erste von Jesus zum Apostel Berufene. Er soll in Kleinasien, Thrakien, Griechenland und Georgien gepredigt haben. Andreas werden zahlreiche Wunder, Heilungen und Erweckungen zugeschrieben. So soll er in Patras, Griechenland, die Frau des Statthalters Ägeas geheilt und zum Christentum bekehrt haben. Dafür wurde er vom Statthalter gegeißelt und an ein X-förmiges Kreuz gebunden, an dem er am 30. November starb. Seitdem werden X-förmige Kreuze, wie sie weltweit an Bahnübergängen stehen, Andreaskreuze genannt.

Das Gedenken an Andreas ist mit zahlreichen Traditionen verbunden. Viele haben einen weissagenden Charakter. Heiratswillige Mädchen in der Schweiz etwa sollen in der Andreasnacht, der Nacht zum 30. November, ihren Zukünftigen im Spiegel entdecken können. Auch in Polen ist es Brauch, in der Andreasnacht in die Zukunft zu schauen. Hierfür wird Wachs in kaltes Wasser gegossen und anschließend gedeutet.

Mehr aus religion und Gesellschaft im MDR