11. November 2021 Martinstag: Vom geteilten Mantel und verräterischen Gänsen

Martin von Tours wurde 316/317 im heutigen Szombathely in Ungarn geboren. Als Sohn eines römischen Offiziers war er zum Militärdienst verpflichtet. Während des Militärdienstes ereignete sich die sogenannte Martinslegende, in der der junge Mann seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Den Gedenktag gibt es in der katholischen und evangelischen Kirche.

Kinder mit Laternen
St.Martins-Umzüge gehen auf liturgische Lichtprozessionen zurück. Bildrechte: dpa

Der Martinstag erinnert an eine Begebenheit, die sich im Jahr 334 in Amiens ereignet haben soll. Der 18-jährige Soldat Martin von Tours, damals noch kein Christ, ritt auf das Stadttor zu. Dort saß ein frierender Bettler. Aus Mitleid teilte der junge Mann seinen Mantel mit dem Schwert, um dem Bettler eine Hälfte abzugeben. In der Nacht darauf erschien ihm Christus im Traum und gab sich als der Bettler zu erkennen, dem Martin den halben Mantel geschenkt hat. Martin ließ sich taufen und wurde Schüler des Bischofs Hilarius von Portiers.

Daraufhin schied er aus dem Militärdienst aus und lebte als Einsiedler, Mönch und Klostergründer, bis er gegen seinen Willen zum Bischof von Tours berufen wird. Auch mit seiner Bischofsberufung ist eine Legende verbunden. Sie erzählt, dass Martin sich in einem Gänsestall versteckte, um sich dem Amt zu entziehen, jedoch durch das Gänsegeschnatter verraten wurde.

Die Legende: Vom römischen Soldat zum Heiligen

Als Bischof behielt er das asketische Leben bei, das er als Mönch geführt hatte. Er missionierte, kämpfte gegen keltische Kulte und fällte wie Bonifatius kultisch verehrte Bäume. Weil er Menschen heilte und Dämonen austrieb, wurden ihm außergewöhnliche Kräfte zugeschrieben. Am 8. November 397 starb Martin, am 11. November wurde er beigesetzt. 

Der französische Aristokrat Sulpicius Severus schrieb die erste Biografie über Martin von Tours, sodass er über die Grenzen des Frankenreiches hinaus bekannt wurde. Der Frankenkönig Chlodwig bestimmte Martin zum Nationalpatron der Franken.

Felix Seibert-Daiker 3 min
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Die Martinsgans

Die Martinsgans hängt auf verschiedene Weise mit dem Martinstag zusammen. Um den Tag herum mussten Bauern ihre Pacht zahlen. Die Gans war eine damals übliche Form der Zahlung.

Außerdem beginnt mit dem 11. November die vorweihnachtliche Fastenzeit. Der Beginn des Karnevals ist daher ursprünglich nicht aus der Zahlenkombination 11.11. zu erklären, sondern bezieht sich auf den Übergang zum Fasten. Davor wurde verzehrt, was dem Fastengebot unterlag, auch die übers Jahr gemästeten Gänse.

Das gleiche gilt für den ersten Wein eines Jahrgangs, die sogenannte Martinsminne, der in der Regel um den Gedenktag herum fertig wurde.

Laternenumzüge

In der evangelischen Kirche wird der 11. November auch als Namens- und Tauftag der Reformators Martin Luther gefeiert. Deswegen gibt es sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche St.-Martins-Umzüge mit Lichtern und Lampions.

Die Laternenumzüge haben ihr Vorbild in der liturgischen Lichterprozession ("Luccernarium", d.h. die Zeit des Lampen Anzündens) während der ersten Vesper am Vorabend eines hohen Feiertages. Die allegorische Bedeutung des Lichts verweist auf die Christusnachfolge. Da Luther die Perikopenordnung der katholischen Kirche beibehielt, begünstigte dies den Fortbestand des Martinbrauchtums und der Lichterumzüge.

Die Martinsumzüge mit St. Martin zu Pferd bürgerten um die die Wende des 19./20. Jahrhunderts ein. In vorchristlicher Zeit diente das Anzünden von Feuer in der Nacht dazu, das Licht der Sonne zu verstärken und das Böse zu vertreiben.

Martinstag in Mitteldeutschland 2021