14. November 2021 Volkstrauertag: Erinnerung an Kriegstote und Opfer von Gewaltherrschaft

Der Volkstrauertag findet jedes Jahr zwei Sonntage vor dem ersten Advent statt. Damit fällt er zwischen die katholischen Gedenktage Allerheiligen/Allerseelen und den protestantischen Totensonntag. In der Regel gibt es eine Zentrale Gedenkstunde im Deutschen Bundestag. Die Gedenkrede hält in diesem Jahr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Eine Kriegsgräberstätte auf dem Neuen Friedhof.
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Der Volkstrauertag geht auf das Gedenken an die getöteten Soldaten im Ersten Weltkrieg zurück. Nach Kriegsende 1918 setzten sich unter anderem der "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge", Politiker und Vereine für das Gedenken an die gefallenen deutschen Soldaten ein. Die Motive dafür reichten von der Heldenverehrung bis zur Anteilnahme mit Angehörigen.

Andere am Krieg beteiligte Nationen wie Frankreich und Großbritannien erinnerten an ihre Kriegstoten, indem sie den Tag des Waffenstillstands, den 11. November, zum Gedenktag erklärten.

Reichstag begeht Volkstrauertag erstmals 1922

Im Deutschen Reich ist der Volkstrauertag es zu diesem Zeitpunkt noch kein offizieller Gedenktag. 1922 erinnert der Reichtstag erstmals an die gefallenen Soldaten. Zu diesem Anlass sagte Reichstagspräsident Paul Löbe, die Trauer um die Toten sei die Abkehr von Hass und das Hinwenden zur Liebe: "Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch die Toten zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet die Abkehr vom Hass, bedeutet die Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat Liebe not."

Eine Botschaft, die die Realität Lügen straft, als die Nationalsozialisten im März 1933 die Macht ergreifen.

NSDAP macht "Heldengedenktag" daraus

Die NSDAP erklärt den Volkstrauertag im Jahr 1934 unter dem Namen "Heldengedenktag" zum gesetzlichen Feiertag. Zuständig für die Gestaltung ist Propagandaminister Joseph Goebbels. Er löst damit den Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ab.

Nicht einmal ein Jahrzehnt später tobt der Zweite Weltkrieg, der schätzungsweise insgesamt 50 Millionen Tote fordert.

Erinnerungskultur in Ost und West

Nach dem Waffenstillstand im Jahr 1945 ist die Erinnerungskultur im geteilten Deutschland unterschiedlich ausgeprägt. Die Bundesrepublik knüpft an die Geschichte des Volkstrauertags an und verleiht ihm 1952 den Status eines gesetzlichen Gedenktags, mit dem an alle Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft erinnert werden soll.

In der DDR wird der Opfer des Faschismus gedacht. Dem Historiker Jan-Henrik Meyer zufolge ist der Unterschied zur BRD, dass zu den Opfern des Faschismus vor allem kommunistische Widerstandskämpfer zählen, nicht aber die getöteten deutschen Soldaten.

Seit der Wiedervereinigung gilt der Volkstrauertag bundesweit.

Zentrale Gedenkstunde 2021

Der Volkstrauertag wird zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Damit fällt er zwischen die katholischen Gedenktage Allerheiligen/Allerseelen und den protestantischen Totensonntag.

Die wichtigste Gedenkveranstaltung ist die Zentrale Gedenkstunde des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Sie findet in diesem Jahr um 12:30 Uhr im Bundestag statt. Auf dem Programm steht eine Gedenkrede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Außerdem berichten junge Menschen von historischen Bildungsprojekten in Ost- und Südosteuropa. Die musikalische Gestaltung übernehmen der Landesjugendchor Thüringen, Reinhold Beckmann & Band sowie ein Ensemble des Musikkorps der Bundeswehr. Die Gedenkstunde wird live in der ARD und im Parlamentsfernsehen übertragen.