Was feiern katholische Christen am 15. August? Mariä Himmelfahrt: "Eine Frau, mit der Sonne bekleidet"

Am 15. August feiern katholische Christen das Hochfest Mariä Himmelfahrt. Katholische Christinnen und Christen glaubem, dass Maria an diesem Tag mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. In Süddeutschland, in Österreich und der Schweiz sowie in anderen katholisch geprägten europäischen Ländern ist das Hochfest ein Feiertag. Damit verbunden sind Bräuche wie die Kräuterweihe.

Vor einem bunten Abendhimmel steht 2006 im österreichischen Bregenz eine Marienstatue.
Prozession zu Maria Himmelfahrt im österreichischen Bregenz. Bildrechte: dpa

Die Himmelfahrt Marias wird in der Bibel nicht erwähnt. Überhaupt wissen wir aus den Evangelien nur wenig über das Leben der "Mutter Gottes", obwohl sie zu den bekanntesten Figuren des Christentums gehört. Die Evangelisten Lukas und Matthäus berichten von ihr in der Weihnachtsgeschichte, ansonsten ist sie in der Heiligen Schrift kaum zu finden, geschweige denn eine Himmelfahrt Mariens. Lediglich im Zusammenhang mit Pfingsten wird Maria in der Apostelgeschichte und im Johannes-Evangelium als Zeugin der Kreuzigung Jesu erwähnt.

Eine Quelle der Marienverehrung

Nur in der Offenbarung des Johannes gibt es eine Anspielung auf den Verbleib der Gottesmutter:

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.

Offenbarung des Johannes Kapitel 12, Vers 1
Gemälde in der Apsis, Mariä Himmelfahrt, Basilika Santa Maria Maggiore
Darstellung in der Basilika Santa Maria Maggiore im italienischen Bergamo Bildrechte: imago images/imagebroker

In der Kunst nennt man die Marien-Darstellungen nach dieser Beschreibung Mondsichelmadonna. Die geringe Anzahl der biblischen Erwähnungen der Gottesmutter und die mangelnde Quellenlage ließ den Legenden um die "Jungfrau Maria" viel Raum. So wird die Bewunderung und der Mythos um die Mutter Jesu zum Fundament für die Marienverehrung in der römisch-katholischen Kirche.

Seit 813 in Deutschland gefeiert

Der früheste schriftliche Bericht über Marias Aufnahme in den Himmel kommt aus Ägypten. Geschrieben wurde er vermutlich im 4. Jahrhundert. Die orthodoxen Kirchen feiern Maria Himmelfahrt bereits seit dem 5. Jahrhundert als Fest "Dormitio", was soviel bedeutet wie "Entschlafung". In der römisch-katholischen Kirche wird der Tag erst 300 Jahre später als "Mariä Himmelfahrt" in der christlichen Welt anerkannt und zu einem der wichtigsten Feste im liturgischen Kalender der römisch-katholischen Kirche.

In Deutschland wird Mariä Himmelfahrt zum ersten Mal im Jahr 813 gefeiert. Der oströmische Kaiser Mauritius legt das Fest schließlich auf den 15. August.

Verschiedene Lehren über ewiges Leben Mariens

Je mehr das Fest an Bedeutung gewinnt, umso intensiver wird in den Quellen nach schriftlichen Berichten gesucht. Der Ort der Himmelfahrt Mariens soll Ephesos oder aber Jerusalem gewesen sein. Unterschiedlich sind die Quellen auch, was die Bezeugung des Ereignisses durch die Apostel betrifft. Mal wird berichtet, dass die Apostel von Anfang an bei diesem Ereignis dabei waren, in anderen Quellen wiederum heißt es, dass der heilige Thomas erst später dazu kam und ihr Grab leer vorfand. Nicht ganz einig ist man sich darüber, ob Maria erst nach ihrem Tod in den Himmel aufgefahren ist, wie die orthodoxe Kirche lehrt, oder ob die heilige Jungfrau das ewige Leben schon hatte, bevor sie überhaupt gestorben ist.

Einiger ist man sich über Jersusalem als den Ort, an dem Maria "entschlafen" sein soll. Dort, auf dem Berg Zion in der Dormitio-Abtei, leben heute deutsche Benediktiner.

Papst legt leibliche Auferstehung fest

Die römisch-katholische Kirche hat in der Frage der leiblichen Auferstehung ein Dogma, also eine unfehlbare Entscheidung des Papstes für die römisch-katholische Glaubenslehre, erlassen. 1950 erklärte Papst Pius XII. die "leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel" zum verbindlichen Glaubensinhalt. In dem apostolischen Schreiben "Munificentissimus Deus" vom 1. November 1950 verkündet Pius XII:

Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes (expleto terrestris vitae cursu) mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen wurde.

Maria als Sinnbild des erlösten Menschen

Wandmalereien in der Georgisch-Orthodoxen Gottesmutterkirche, Klosterkomplex Gelati, Darstellungen von Mariä Himmelfahrt, Kutaissi, Georgien
Wandmalereien in der Georgisch-Orthodoxen Gottesmutterkirche in Kutaissi. Bildrechte: imago images/GFC Collection

Marias Himmelfahrt bedeutet für katholische Christen, dass Maria direkt nach ihrem irdischen Leben den Zustand erlangt hat, in den andere Menschen erst nach der Auferstehung am Jüngsten Tag kommen. Das Symbol dahinter ist für viele Gläubige mehr als nur ein Glaubensstandpunkt: Wenn die als Mensch geborene Maria in den Himmel aufgenommen wird, kann das jedem Menschen widerfahren. Maria versinnbildlicht somit den erlösten Menschen.

Maria und ihr Glaubenszeugnis haben von Anfang an Kirchenlehrer und Päpste beschäftigt. Zwar ist das Dogma der Himmelfahrt Mariens das bislang jüngste. Doch schon im Jahr 431 erhoben Geistliche auf dem Konzil von Ephesus zum Dogma, dass Maria nicht nur die Mutter des Menschen Jesus ist, sondern auch die Mutter Gottes. Dem folgte gut 100 Jahre später auf dem zweiten Konzil von Konstantinopel das Dogma, dass Maria vor und nach der Geburt Jesu jungfräulich blieb.

1854, tausend Jahre später, wird schließlich das päpstliche Dogma erlassen, dass Maria frei von der Erbsünde ist. Aber nicht nur die Dogmen allein belegen den hohen Stellenwert Mariens im Festkreis des Kirchenjahres. Über das Jahr verteilt gibt es zwölf Marienfeste. Das wichtigste aber ist Maria Himmelfahrt.

Bräuche und Traditionen: Kräutersegnung

Mädchen in Tracht tragen in Kochel am See beim Kirchenzug ihre Kräuterbuschen.
Mädchen in Tracht tragen Kräutersträuße zur Kirche in Kochel am See. Bildrechte: dpa

Die Kräuterweihe zum Fest Mariä Himmelfahrt ist ein Brauch, den es seit dem 8. Jahrhundert in Deutschland gibt. Er hat sich bis heute gehalten. Die Anzahl der Kräuter, die in den Strauß gebunden werden, ist regional unterschiedlich. Sie schwankt zwischen sieben und 99. Sieben oder neun sind zwei Zahlen mit biblischer Bedeutung, aber auch 12, 24, 72, 77 oder 99 sind bekannt.

Einige Kräuter so einem Strauß können Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Tausendgüldenkraut, Eisenkraut, außerdem Wiesenknopf, Kamille, Thymian, Baldrian, Odermennig, Alant und Klee sein. Die geweihten Kräuter werden im Haus oder im Stall aufgehängt. Für die Germanen gehörte das Sammeln von Kräutern zu ihren magischen Ritualen und war verbunden mit der Verehrung ihrer Götter. So ist es denkbar, dass sich diese Tradition aus dem heidnischen Götterglauben entwickelt hat.

Himmelfahrts-Programm in Mitteldeutschland

Die Kräutersegnung zu Himmelfahrt ist auch in Mitteldeutschland ein lebendiger Brauch. Alljährlich am Sonntag nach dem 15. August laden die Schwestern des Klosters St. Marienstern zu einer Ökumenischen Andacht mit anschließender Kräutersegnung und Kräuterfest ins Kloster nach Panschwitz-Kuckau ein. Mit dem Brauch der Kräutersegnung verbindet sich die Hoffnung, im Alltag beschützt zu werden und Gutes zu erfahren.

Kräutersegnungen in den mitteldeutschen Bistümern In Leipzig lädt der Arbeitskreis Kontaktstelle für Lebens- und Glaubensfragen am Samstag, den 14. August, in den Johannapark. Von 14 Uhr bis 17 Uhr gibt es nahe der Martin-Luther-Kirche einen Kräuterstand mit einer Andacht zur Kräuterweihe. Außerdem kann man Heilkräuter entdecken und Kräutersträußchen binden.

Im Kloster Marienstern in Panschwitz-Kuckau gibt es am 15. August ab 11 Uhr ein Familienfest mit Kräuterweihe mit
* einem Regional- und Naturmarkt mit Mitmach-Angeboten von Vereinen aus dem Landkreis Bautzen
* einem Programm aus Musik, Tanz, Humor und Gesang für Groß und Klein sowie die Show "Patente Talente" von René Teuber aus Zittau um 12 Uhr
* einer ökumenischen Schlussandacht mit Kräutersegnung im Klostergarten um 17:30 Uhr
* der bisher übliche Eröffnungsgottesdienst entfällt in diesem Jahr

Im Kloster Helfta gibt es am Samstag, den 14. August 2021, um 19:30 Uhr in der Klosterkirche einen Gottesdienst mit Kräutersegnung. Sträuße werden vor Ort ausgegeben, können aber auch mitgebracht werden.

Im Wallfahrtsort Grimmenthal lädt das Bistum Erfurt am 15. August um 14 Uhr zu einer Andacht mit Kräutersegnung am Marienbildstock. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit zu gemütlichem Beisammensein.

In Magdeburg gibt es am 14. August um 18 Uhr in der Wallonerkirche einen ökumenischen Frauengottesdienst mit Kräutersegnung. Im Zentrum des Gottesdiensts steht die wilde Malve als Symbol für das Wirken Gottes im Leben der Frauen.

Darüber hinaus bieten viele kleine Gemeinden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Himmelfahrts-Andachten mit Kräutersegnungen an.

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Buchtipps Manfred Becker-Huberti und Ulrich Lota:
"Katholisch A-Z. Das Handlexikon"
Freiburg i.Br.: Herder Verlag 2009

Manfred Becker-Huberti u.a.:
"Maria. Ihr Leben, ihr Zeugnis, ihr Wirken"
Leipzig Benno Verlag 2012

Alfred Läpple:
"Kleines Lexikon des christlichen Brauchtums"
Augsburg: Pattloch Verlag 1996

Dieter Kremp:
"Die heilenden Kräuter der Jungfrau Maria. Mariensymbolik und christliche Pflanzen"
Leipzig: Engelsdorfer Verlag 2010

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 24. September 2020 | 22:40 Uhr