Tag der Pflegenden |12.05.2022 Pflege in Deutschland: Sozialverbände stellen Bundesregierung schlechtes Zeugnis aus

Anlässlich des Tages der Pflegenden haben sich Sozialverbände enttäuscht über die Arbeit der Regierung geäußert. Gefordert werden u.a. die Einhaltung der im Koalitionsvertrag vereinbarter Ziele, Maßnahmen zum Ausbau der Pflegeausbildung und der Abbau von Bürokratie bei der Anwerbung von qualifiziertem Personal.

Mann im Rollstuhl
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Zum Internationalen Tag der Pflegenden haben Sozialverbände der Ampelkoalition Untätigkeit und Versagen im Bereich der Pflege vorgeworfen. Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziele seien zwar gut gewesen, erklärte der Deutsche Pflegerat am Vortag Berlin. "Heute, sechs Monate später, herrscht angesichts der Umsetzung des Vertrags große Ernüchterung." Pflegeratspräsidentin Christine Vogler sagte: "Ein Bundesgesundheitsminister, der offensichtlich nur 'Pandemie' kann, schadet der pflegerischen Versorgung nachhaltig."

Ein Bundesgesundheitsminister, der offensichtlich nur 'Pandemie' kann, schadet der pflegerischen Versorgung nachhaltig.

Christine Vogler, Pflegeratspräsidentin

Christine Vogler erinnerte daran, dass die Ampelkoalition die dramatische Situation im Bereich der Pflege anfangs erkannt und schnelle Besserung versprochen habe. Den Ankündigungen seien bislang noch keine Taten gefolgt. Es gebe nicht einmal konsequente Signale, dass die Umsetzung dessen überhaupt gewollt ist, so Vogler.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe gefordert

Die Pflegeratspräsidentin forderte außerdem von der Politik einen partnerschaftlichen Umgang mit der Berufsgruppe. Dazu gehöre auch regelmäßige Kommunikation, die das Bundesgesundheitsministerium vermissen lasse. Konkret forderte Vogler von der Politik eine Stärkung des Deutschen Pflegerats durch finanzielle und personelle Mittel. Außerdem müsse eine angemessene Mitsprache im Gesundheitswesen gesetzlich festgelegt werden.

Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates
Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates Bildrechte: dpa

Bedingungen für den Einstieg in die Pflegeberufe verbessern

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte mehr Wertschätzung für professionell Pflegende. Präsident Adolf Bauer erklärte, professionelle Pflegekräfte müssten sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf arbeitsrechtlicher Ebene besser unterstützt werden.

Bauer verwies auf eine jüngst veröffentlichte Studie, nach der mindestens 300.000 zusätzliche Pflegekräfte durch Wiedereinstieg in den Beruf oder aufgestockte Arbeitszeit möglich wären. Dafür müssten aber zunächst die Bedingungen für die Pflegeberufe verbessert werden.

Sofortprogramm zur Anwerbung von Pflegekräften auflegen

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) forderte konkrete Maßnahmen zum Ausbau der Pflegeausbildung und zur Zuwanderung von Pflegekräften.

Gebraucht würden auch mehr Pflegepädagoginnen und Pflegepädagogen, um die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen. Zugleich sei ein Sofortprogramm zur Anwerbung internationaler Pflegefachkräfte und Azubis notwendig.

Wir stehen in einem globalen Wettbewerb um qualifiziertes Personal, der mit Bürokratie und Bedenken nicht zu gewinnen ist.

Bernd Meurer, bpa-Präsident

Internationaler Tag im Andenken an Florence Nightingale

Der Internationale Tag der Pflege ist am 12. Mai, dem Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale. Sie war eine der Begründerinnen der modernen westlichen Krankenpflege. Die Einführung von Pflegestandards, deren Vermittlung in Schule und Praxis und somit auch die Anerkennung als ordentliche Berufsausbildung – insbesondere für Frauen – basieren zu großen Teilen auf der Arbeit dieser Pionierin.

Florence Nightingale
Die Pflege-Pionierin Florence Nightingale Bildrechte: IMAGO

In Deutschland wird der Tag der Pflege seit 1967 begangen. In diesem Jahr steht der Internationale Tag unter dem Motto: "Nurses: A Voice to Lead. In die Pflege investieren – Rechte respektieren für globale Gesundheit". 

Quelle: KNA

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 12. Mai 2022 | 22:40 Uhr

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