Yiddish Summer 2021 Jung & Jiddisch: Junge Menschen aus ganz Europa treffen sich in Weimar

In Weimar findet von 21. Juli bis 21. August 2021 der Yiddish Summer statt, ein Kulturfestival, dass sich der jiddischen Sprache, Musik und Literatur widmet. Zum ersten Mal gibt es in diesem Jahr Sommercamps für Jugendliche und junge Erwachsene. Sie reisen aus verschiedenen Ländern an. Verbindung untereinander schafft die jiddische Sprache.

Menschen musizieren
Die Musik gehört zum Kulturfestival Yiddish Summer dazu. Bildrechte: Blanka Weber

Der Yiddish Summer lädt zum Open-Air-Konzert in Erfurt. Auf dem ehemaligen Bahnhofsareal verwandelt ein DJ die jiddische Sprache und traditionelle jiddische Klänge in Hip-Hop.

Jiddisch verbindet die Teilnehmenden

Unter den Gästen sind auch die etwa dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sommercamps "Generation J". Die meisten sind Mitte Zwanzig. Sie alle verbindet die jiddische Sprache. Für manche, wie für die 19-jährige Eteal, ist es die Muttersprache. Sie ist in Jerusalem groß geworden und stammt aus einer deutsch-israelischen Familie. "Mein Vater hat mir Jiddisch beigebracht. Es ist die Sprache meiner Familie, manchmal träume ich auch in dieser Sprache", sagt sie. Deshalb habe Jiddisch einen besonderen Platz in ihrem Herzen.

Doch für Eteal hat nicht nur die jiddische Sprache einen besonderen Wert, sondern auch die damit verbundene Kultur. Diese habe in der Geschichte eine besondere Rolle gespielt:

Die jiddische Kultur hat mit Gerechtigkeit zu tun, mit Gleichheit zwischen Juden und Nichtjuden, mit Arbeitern und Solidarität. Das sind sehr präsente Werte, die wir übernehmen können.

Etael Teilnehmerin des Yiddish Summer 2021

Gemeinsam mit den anderen diskutiert sie beim Sommercamp über die verschiedensten Themen, zum Beispiel über jüdisches Selbstverständnis und die israelische Politik bis hin zur Frage, wo die junge Generation die jiddische Kultur in Zukunft sieht. 

Auf der Suche nach jüdischer Identität

Alma Roggenbuck ist studierte Judaistin und Projektleiterin des Camps. Sie sitzt mit einer Gruppe im Schatten der Alten Synagoge Erfurt. Gemeinsam beugen sie sich über historische Dokumente, die von den Erfurter Rabbinern erzählen. Sie wollen herausfinden, wer diese Menschen waren und was sie hinterlassen haben: "Wir beschäftigen uns mit jiddischer und mit aschkenasischer jüdischer Kultur. Beim Yiddish Summer und auch bei Generation J kommen sehr viele Menschen, für die das etwas mit ihrer jüdischen Identität zu tun hat", sagt Alma Roggenbuck. Aber es kämen auch viele Menschen, die selbst nicht jüdisch sind.

Eine europaweite Minderheitenkultur

Während sich die einen in die Geschichte der Rabbiner aus dem 13. und 14. Jahrhundert vertiefen, ist eine andere Gruppe am Erinnerungsort "Topf & Söhne" unterwegs. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände in Erfurt wurden einst die Verbrennungsöfen für Auschwitz produziert. Für Andreas Schmitges, einen der Festivalleiter des Yiddish Summer, ist der Bezug zur Vergangenheit wichtig. Gleichzeitig geht es ihm darum, einen Raum zu finden, um Menschen mit der Kultur rund um die jiddische Sprache zu verbinden. Er sieht die Zukunft der jüdischen Kultur, Sprache und Musik in ihrer europäischen Dimension und verweist auf die Teilnehmer, die aus den verschiedensten Ländern angereist sind:

Ganz Europa ist gefragt, sich der jiddischen Minderheitenkultur anzunehmen.

Andreas Schmitges Leiter des Yiddish Summer 2021

Einer Minderheitenkultur, die vor 100 Jahren noch an die 12 Millionen Sprecher gehabt hat, wie der Festivalleiter betont. Auch die 19-jährige Etael ist überzeugt davon, dass Kultur etwas Großartiges ist. Außerdem findet sie, dass Kultur nicht unbedingt einen Nationalstaat braucht:

Kultur ohne Grenzen ist möglich. Diese Idee hilft uns, offener zu sein, wenn Menschen einen anderen Hintergrund haben.

Etael Teilnehmerin des Yiddish Summer 2021

Sie kann sich vorstellen, später vielleicht an einer Filmhochschule zu studieren. So ist das Sommercamp ein Ort, an dem sich junge Menschen wie Eteal treffen und vernetzen können.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR | 15. August 2021 | 09:15 Uhr