Zeitzeugen Zwischen Gott und Sozialismus - Gläubig in der DDR

Wie war das Leben für Christinnen und Christen in der DDR? Im Film "Zwischen Gott und Sozialismus - Gläubig in der DDR" berichten Zeitzeugen von ihrem Leben in einem atheistischen Staat.

Teilnehmer des Kirchentages der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens 1989 vor der Michaeliskirche in Leipzig
Teilnehmer des Kirchentages der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens 1989 vor der Michaeliskirche in Leipzig. Bildrechte: imago/epd

"Im Nachhinein ärgert mich immer, dass dieses Leben in der DDR so schwarz-weiß gemalt wird. Also hier sind die Guten und da sind die Bösen. Das stimmt einfach nicht so, es war nicht schwarz- weiß", meint Bettina Röder.
Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Dresden, entscheidet sich die evangelische Christin später für ein Pädagogikstudium und wird schließlich Lehrerin. Ihren Glauben konnte sie lange Zeit mit den sozialistischen Ideen unter einen Hut bringen.

Waltraud Zachhuber 29 min
Bildrechte: MDR / Hoferichter & Jacobs, honorarfrei

Das hat mir sehr eingeleuchtet, also nicht Kirche gegen den Sozialismus, nicht Kirche für den Sozialismus, sondern Kirche im Sozialismus.

Bettina Röder

Bettina Röder
Das Leben als Christin in der DDR hat Bettina Röder nach eigenen Angaben stark gemacht. Bildrechte: MDR / Hoferichter & Jacobs, honorarfrei

Atheistische Ausrichtung der Politik

Die Verbindung der Ideologie des Staates mit dem eigenen christlichen Glauben dürfte jedoch nicht für alle ohne weiteres möglich gewesen sein. Als die DDR 1949 gegründet wird, bilden Christen mit 92 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung. Im Laufe der Zeit sollte dieser Anteil jedoch stark zurückgehen.

Reinhard Assmann 4 min
Bildrechte: MDR / Hoferichter & Jacobs, honorarfrei
4 min

In der MDR-Dokumentation erzählen Christen und Christinnen von ihrem Leben in einem atheistischen Staat. Andreas Roth berichtet.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 26.10.2022 16:57Uhr 04:10 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/audio-radio/audio-2164542.html

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Das Leben wird Christinnen und Christen nicht immer leicht gemacht. Viele Berufswege bleiben oftmals verschlossen. Auch der Zugang zur Erweiterten Oberschule (EOS) sowie zum Studium wird Kindern mit chrisitlichem Hintergrund erschwert. Hinzu kommen Überwachungsmaßnahmen durch das Ministerium für Staatssicherheit.

"Wir gehen hier in feindliches Gelände"

Auch Waltraut Zachhuber kann über ihr ambivalentes Leben als Christin in der DDR berichten. Geboren in Dänemark im Jahr 1941, wandert ihre Familie nach Ostdeutschland aus. Ihr Vater wird Pastor Brüdergemeine in Niesky. Gemeinsam mit ihren sieben Geschwistern wächst sie dort auf. Ihre christliche Prägung macht ihr das Leben in der Schule nicht immer einfach. "Ich denke schon, dass wir uns nicht in politischer, aber in christlicher Opposition befanden. Uns wurde in der Schule ja beigebracht, dass die Kirche ein absterbender Verein ist. (...) Da sind wir natürlich in die Schule gegangen mit dem Gefühl, wir gehen hier in ein feindliches Gelände." Auch ihr wird die Zulassung zum Abitur wegen ihres Glaubens zunächst verwehrt.

Ich glaube, ich bin die Einzige von unseren Geschwistern, die eine schriftliche Begründung gekriegt hat, warum ich nicht zugelassen wurde.

Waltraud Zachhuber

Erst nach einem schriftlichen Einspruch ihres Vaters, in der dieser auf das Recht seiner Tochter auf Bildung pocht, erhält sie die Zulassung doch noch.

Waltraud Zachhuber
Die Zulassung zum Abitur wird Waltraud Zachhuber in der DDR erst nach einer schriftlichen Beschwerde genehmigt. Bildrechte: MDR / Hoferichter & Jacobs, honorarfrei

Inzwischen ist der Mauerfall über 30 Jahre her. Die Auswirkungen der repressiven Politik in der DDR sind mit Blick auf die Religiösität vieler ehemaliger DDR-Bürger nach wie vor zu spüren. In der Dokumentation "Zwischen Gott und Sozialismus - Gläubig in der DDR" berichten Christinnen und Christen von ihrem Leben in einem atheistischen Staat. Der Film läuft am 27.10.2022 um 22.40 Uhr im MDR TV und ist anschließend in der Mediathek abrufbar.

Weitere Interviews und Hintergrundberichte finden Sie auf der Homepage der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

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Max Beuthner

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 27. Oktober 2022 | 22:40 Uhr

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