Dienstags direkt | 04.10.2022 | 20 - 23 Uhr Wie viel Krise können die (Ost)Deutschen?

Gas-, Energie- und Klimakrise, Inflation und Corona - Krisen häufen sich, der Glaube an Sicherheit und Wohlstand scheint erschüttert. Wie viele Krisen vertragen wir? Was ist Jammern auf hohem Niveau und wo beginnt Not?

Unscharfe Menschenmenge
Demonstrationen haben gerade wieder Hochkonjunktur. Mangel und weniger Wohlstand - das kennen besonders die älteren Ostdeutschen gut. Macht sie das widerstandsfähiger oder anfälliger für die aktuellen Krisen? Bildrechte: PantherMedia / Peopleimages

Gäste:

  • Dr. Juliane Stückrad, Autorin des Buches "Die Unmutigen, die Mutigen"
  • Ralf Schaller, Inhaber der Reichenbacher Wurstfabrik, Vorstand Wirtschaftsvereinigung Nördliches Vogtland
  • Janine Patz, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena (IDZ), Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)
  • Steffen Zenner, Oberbürgermeister Plauen im Vogtland (CDU)

Im Interview:

  • Carsten Schneider (SPD), Ostbeauftragter
  • Ralf Beckert, Geschäftsführer des Sozialverbandes (VDK) Sachsen
  • Klaus-Peter Hansen, Agentur für Arbeit, Leiter der Regionaldirektion Sachsen

Energiekrise, Klimakrise, Inflation und andere Folgen des Krieges gegen die Ukraine – viele Krisen überlagern sich, seit langer Zeit wird in Deutschland wieder von "Mangel“ gesprochen. Ehemalige DDR-Bürger dürften bei diesem Wort eigentlich nur locker mit den Schultern zucken. Sie kennen es, wenn Regale nicht voll gefüllt sind und haben es gelernt, zu improvisieren. Viele hielten es sicher nicht für möglich, dass ein Mangel auch an Energie wiederkehren könnte.

Haben Ostdeutsche eine spezielle Transformationskompetenz, weil sie Umbrüche und weniger Wohlstand kennen? Oder sind sie gerade deswegen besonders empfindsam, weil sie "das nicht mehr erleben" und nicht "von vorn beginnen wollen"? Ist die Gesellschaft wirklich gespalten – und falls ja, wo verlaufen die Brüche? Wie gefährlich sind die Krisen für unsere demokratische Gesellschaft – und wie gelassen können wir bleiben? Diese und viele weitere Fragen besprechen wir bei Dienstags direkt.

Juliane Stückrad - Blonde Frau mit halblangen Haaren und dunklem Jackett steht vor Statue
Juliane Stückrad hat für ihr Buch die "Die Unmutigen, die Mutigen" Menschen aus Mitteldeutschland über ihr Leben befragt. Bildrechte: Susanne Schleyer

Da 'die Ostdeutschen' keine homogene Gruppe sind, haben sie sehr unterschiedliche Erfahrungen mit DDR und Transformation gemacht und reagieren daher auch sehr verschieden auf gegenwärtige Krisen. Ich wünsche mir, dass wir uns bewusster den Erfolgsgeschichten der Ostdeutschen zuwenden. Sie verdeutlichen, dass gerade in unsicheren Zeiten Mut und Zuversicht gebraucht werden.

Juliane Stückrad Autorin
Ralf Schaller, Inhaber der Reichenbacher Wurstfabrik
Ralf Schaller ist Mitverfasser eines Briefes an Minister Robert Habeck. Bildrechte: Ralf Schaller

Wir brauchen keine neuen Förderungen, wir brauchen auch keine zinslosen Kredite! Das Einzige was wir brauchen, ist bezahlbare Energie und somit bezahlbare Produkte!

Ralf Schaller Inhaber der Reichenbacher Wurstfabrik, Vorstand Wirtschaftsvereinigung Nördliches Vogtland
Janine Patz, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft.
Janine Patz forscht zu antidemokratischer Krisenmobilisierung. Bildrechte: Janine Patz

In manchen Regionen zeugt der Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und die Art der seit Jahren andauernden Krisenmobilisierung mehr von einer beschädigten demokratischen Kultur als von Transformationskompetenz - nicht nur im Osten des Landes.

Janine Patz Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena (IDZ), Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)
Steffen Zenner
Steffen Zenner (CDU) lenkt als Oberbürgermeister die Geschäfte der Stadt Plauen im Vogtland. Bildrechte: dpa

Die Ostdeutschen können Krise nicht mehr und nicht weniger gut als ihre Landsleute im Westen.

Steffen Zenner Oberbürgermeister von Plauen im Vogtland

Moderation: Sina Peschke
Redaktionelle Mitarbeit: Katrin Tominski
Redaktionsleitung: Ines Meinhardt

Unscharfe Menschenmenge 104 min
Demonstrationen haben gerade wieder Hochkonjunktur. Mangel und weniger Wohlstand - das kennen besonders die älteren Ostdeutschen gut. Macht sie das widerstandsfähiger oder anfälliger für die aktuellen Krisen? Bildrechte: PantherMedia / Peopleimages

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Dienstags direkt | 04. Oktober 2022 | 20:00 Uhr