Verkündigungssendung Das Wort zum Tag vom 08.-14.08.2022

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Pastor Stephan Ringeis, am Sonntag Mira Körlin.

Sonntag, 14.08.2022:

Sonnabend, 13.08.2022: Nichts wie gewohnt

Wann wird endlich wieder alles "normal"? Wann ist dieses Chaos vorbei? Wie lange müssen wir das noch aushalten? Diese Fragen stammen aus der Zeit Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Heute vor 61 Jahren wurde die Berliner Mauer errichtet und die Teilung unseres Landes für lange Zeit besiegelt. Familien wurden getrennt, Lebensentwürfe abrupt beendet und ein unüberbrückbares Gegeneinander manifestiert. Menschen starben an der Staatsgrenze. Stacheldraht und Selbstschussanlagen wurden ideologisch als antifaschistischer Schutzwall gerechtfertigt.

Wie lange sollen wir das aushalten? Es dauerte bekanntlich bis zum 9.November 1989 - also satte 28 Jahre plus knapp ein Vierteljahr. Was dann kam war allerdings nicht "normal", das Chaos war auch nicht unbedingt vorbei. Es war anders. Es war aber eine Erlösung. Ich bin Jahrgang 1962. Durch die beschriebene geschichtliche Episode - mehr ist es nicht, sieht man mal aufs Ganze der Weltgeschichte - habe ich gelernt, nicht kurzfristig zu denken. Und das lehrt mich auch die Bibel.

Als das Volk Israel einst nach Babylon verschleppt wurde, dachten auch viele, das wird schnell vorbeigehen. Der Prophet Jeremia musste in Gottes Auftrag den Leuten mitteilen, - das wird dauern. Rechnet nicht in Monaten. Rechnet nicht in Jahren. Am Ende wurden es 40 Jahre. Historisch ein kleine Zeit. Für einen Menschen ein halbes Leben. Also viel.

Ich glaube, wir müssen uns an die neue Situation gewöhnen. Und "gewöhnen" heißt "sich verändern". Ich muss mich "einrichten", und "einrichten" heißt "anpassen". Übrigens - mit Gott. Er begleitete auch das Volk Israel. Und ich darf mit ihm hoffen. Und hoffen heißt standhaft und in Erwartung bleiben, auch wenn es 28 Jahre oder länger dauert. Dann wird alles nicht wie vorher, aber anders und neu. Vielleicht sagen jetzt manche Leute, der da im Radio ist ein falscher Prophet. Ich würde mich freuen, wenn das stimmt.

Freitag, 12.08.2022: Schlechte Angewohnheit

"Lügen haben kurze Beine", - dieses alte Sprichwort überzeugt mich nicht. Die Beine können sehr, sehr lang sein. Bei Hitler waren sie zwölf Jahre lang. Ulbricht sagte einst "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten" - gut, hier waren die Beine nur gut drei Monate lang, die realen Folgen dauerten allerdings 28 Jahre. Und was Trump alles behauptet, darüber will ich gar nicht reden. Vielleicht kandidiert er wieder als Präsident der USA. Rein körperlich hat er kurze Beine, aber offensichtlich einen langen Atem.

Im Buch Sirach (7,13), einer biblischen Schrift, die eher ein Schattendasein führt, steht Folgendes: "Gewöhne dich nicht an die Lüge; denn diese Gewohnheit bringt nichts Gutes." Das ist weise. Eine Lüge wird nicht wahr nur weil sie tausendmal wiederholt wird. Das stimmt, - das meint das biblische Wort aber gar nicht. Es spricht eine viel gefährlichere Form des Umgang mit der Lüge an: Sich daran gewöhnen. Das heißt, ich weiß, es stimmt nicht, aber ich nehme es als gegeben hin.

Das ist ziemlich irre und auch eine schlechte Angewohnheit. Ich kann mich an meine Schulzeit erinnern. Da war ich gut in dieses Doppelleben eingeübt. Die Lüge wurde als angebliche Realität akzeptiert. Im geschützten Raum der Familie konnten dann auch Witze darüber gemacht werden. Die Wirkung der Lügen hatte trotzdem eine ziemlich weite Reichweite. Und sie entfaltete eine große Macht.

Kurze Beine hat die Lüge nur, wenn ich mich nicht darauf einlasse und mich nicht damit abfinde. Sprich, mich nicht daran gewöhne, hinterfrage, entlarve und mich auf unangenehme Diskussionen einlasse. Ich weiß, da brauche ich einen langen Atem. Der Lohn soll nach dem biblischen Wort ein gutes Leben sein.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzvita Mira Körlin

Mira Körlin

Geboren am 01.10.1976 in Dresden | 1995 Abitur | 1995-1996 freiwilliges Soziales Jahr in Zwickau | 1996-2002 Studium der Germanistik, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Ev. Theologie an der TU Dresden | 2002-2003 Pressereferentin in der Sächsischen Staatskanzlei | seit 2003 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die beiden Dresdner Kirchenbezirke | verheiratet, zwei Kinder

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.