Klettern mit Sehbehinderung Wenn man sich auf die Seilschaft blind verlässt

Daniela Salzmann aus Chemnitz liebt Sport. Sie klettert schon seit 15 Jahren und das am liebsten draußen, am Felsen. Das wäre an sich nichts Besonderes, doch Daniela ist blind und braucht für ihre Touren eine verlässliche Begleitung.

Diesmal haben sich Daniela und ihre drei Kletterfreunde eine besondere Tour vorgenommen. Ihr Ausflug führt sie in die Nähe der Rochsburg, an der Mulde entlang. Sie wollen die Muldewand ersteigen. Sport mag die 50-jährige blinde Physiotherapeutin in jeder Form.                                   

Wir wandern viel, ich habe seit einem halben Jahr einen Garten, bin da viel draußen. Es war schon immer so: Sachen, die draußen sind, machen mir mehr Spaß.

Daniela

Für vieles braucht Daniela eine Begleitung. Da sie ein sehr kontaktfreudiger Mensch ist, findet sie schnell Anschluss.

Mit einer eingespielten Seilschaft unterwegs

Blind Klettern
Daniela mit ihrer Begleiterin Kathrin Bildrechte: MDR

Vor 15 Jahren begann Daniela mit dem Klettern. Zuerst probierte sie es in einer Kletterhalle aus. Dort lernt sie auch ihr heutiges Kletter-Team kennen. Zu viert gehen sie beispielsweise in der Sächsischen Schweiz klettern, sind dort oft auf schwierigen Pfaden zum Felsen unterwegs. Um das zu können, hat sich Daniela viel Neues aneignen müssen: "Am Anfang war es sehr spannend für mich, die ganzen Knoten zu lernen und die Sicherungstechnik. Vielleicht ist ja auch das die Herausforderung, dass man neue Dinge lernt, die man vorher noch nicht gemacht hat", meint die Chemnitzerin.

Auch Danielas Freundinnen profitieren

Blind Klettern
Gleich ist der Aufstieg geschafft... Bildrechte: MDR

Für ihre Freundin Kathrin bieten die Ausflüge mit Daniela neue Perspektiven: "Man achtet anders auf die Umwelt, wenn man versucht, sie zu beschreiben. So kann sie sich selbst ein Bild machen, was da in der Umgebung ist", erklärt Kathrin. Als der Aufstieg beginnt, ist es an Daniela, Hanna zu sichern.

Blind Klettern
... und auch Daniela spürt die Weite der Landschaft Bildrechte: MDR

Dass Daniela dabei nichts sieht, darauf hat sich ihre Seilschaft eingelassen. Sie loben Danielas feinfühligen Umgang mit der Sicherungsleine. Manchmal fällt Daniela das Klettern schwer, weil sie leichte Tritte und Griffe in ihrer Umgebung nicht sieht. Doch ihre sehenden Mitstreiterinnen helfen mit fachmännischen Tipps schnell aus.Nacheinander erklimmt die Seilschaft die Muldewand. Von oben geht der Blick über die Landschaft. Daniela kann das zwar nicht sehen, die Weite und Tiefe spürt sie dennoch:

Vor mir die Tiefe, unten murmelt die Mulde, das finde ich total schön, so friedlich…

Daniela

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt | 14. August 2022 | 08:00 Uhr

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