Eisschnelllauf | Prozess Claudia Pechstein darf auf Schmerzensgeld hoffen

Seit mehr als zehn Jahren kämpfte Claudia Pechstein bisher vergeblich um eine Entschädigung für ihre zweijährige Dopingsperre. Jetzt gab das Bundesverfassungsgericht der Klage der Eisschnellläuferin statt.

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein bekommt doch noch eine Chance, wegen ihrer zweijährigen Dopingsperre Schmerzensgeld und Schadenersatz durchzusetzen. Das Bundesverfassungsgericht hob ein Urteil des Bundesgerichtshofes von 2016 auf, wie es am Dienstag in Karlsruhe mitteilte. Pechstein reagierte mit Erleichterung und Genugtuung auf den Erfolg ihrer Verfassungsbeschwerde reagiert. "Ich wurde gedemütigt und öffentlich hingerichtet. Deshalb verspüre ich jetzt eine unglaubliche Erleichterung, meinen Fall vor einem deutschen Gericht unter rechtsstaatlichen Regeln verhandeln zu dürfen", sagte die Berlinerin.

Auffällige Blutwerte - Pechstein bestreitet Doping

Pechsteins Prozess gegen die Internationale Eislauf-Union (ISU) um eine Entschädigung in Millionenhöhe kann damit vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) fortgesetzt werden. Der Ausgang ist aber nach wie vor völlig offen. Die fünfmalige Olympiasiegerin war im Februar 2009 vom Welt-Eislauf-Verband wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt worden. Pechstein bestritt jegliches Doping. Spätere intensive Untersuchungen ermittelten eine vom Vater vererbte Blutanomalie als Grund ihrer erhöhten Werte. Seitdem verklagt die heute 50-Jährige den Weltverband.

CAS bestätigte Strafe - BGH-Urteil gegenstandslos

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte die Strafe für Pechstein bestätigt. Dagegen hatte sich die Sportlerin zunächst erfolglos vor den Schweizer Bundesgerichten gewehrt. Außerdem erhob sie Klage bei den deutschen Zivilgerichten. Das OLG München hatte 2015 in einem Zwischenurteil entschieden, dass sie diesen Weg auch grundsätzlich beschreiten könne, weil eine getroffene Schiedsvereinbarung nichtig sei. Der BGH hatte dann aber geurteilt, dass die Klage insgesamt unzulässig sei. Dieses Urteil ist mit der Entscheidung des Verfassungsgerichts nun gegenstandslos geworden.

Pechstein-Anwalt rügt Sportgerichtshof

Man habe nach zehn Instanzen doch noch der Gerechtigkeit zum Durchbruch verholfen, sagte Anwalt Thomas Summerer, der bei der Schadensersatzklage federführend ist. Zugleich rügte er noch einmal die Verfahrensweise am Internationalen Sportgerichtshof Cas mit Sitz in Lausanne. "Der Zwang für Athletinnen und Athleten, sich bei einem fragwürdigen Schiedsgericht in der Schweiz hinter verschlossenen Türen verteidigen zu müssen, ist endgültig vorbei", sagte der Münchner.

dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 12. Juli 2022 | 17:45 Uhr

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