Schwimmen | DSV ARD-Doku zeigt Vertuschung von Missbrauch im DSV

Der Dresdner Jan Hempel gewann 1996 Olympia-Silber im Wasserspringen. Nun enthüllt er, dass er über ein Jahrzehnt von seinem Trainer sexuell missbraucht wurde. Ein weiterhin aktiver Bundestrainer des Deutschen Schwimmverbandes soll davon gewusst haben.

Jan Hempel (Wasserspringen) 2 min
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Schon vor dem Mauerfall war Jan Hempel eine der größten Hoffnungen im deutschen Schwimmsport. Bereits mit 17 Jahren startete er für die DDR bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Insgesamt ist er vierfacher Olympiateilnehmer, gewann dort je eine Bronze und eine Silbermedaille. Zusätzlich errang er 14 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften. Seit seiner Jugend begleitete sein Trainer Werner Langer den Sachsen auf seinem Weg.

14 Jahre Missbrauch durch Trainer

"Ich bin von meinem Trainer missbraucht worden. Er hat eigentlich keinen Zeitpunkt ausgelassen, um seinen Wünschen freien Lauf zu lassen", sagt Hempel in der ARD-Dokumentation "Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport" (ab 18. August in der Mediathek und 20. August um 22.40 Uhr im ARD Fernsehen). Als Hempel elf Jahre alt war, missbrauchte ihn Langer zum ersten Mal. Die sexuellen Übergriffe des Trainers setzten sich bis 1996 fort. Laut Hempel kam es zu regelmäßigen Vergewaltigungen, auch unmittelbar vor Wettkämpfen, wie 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Langer kann sich nicht mehr dazu äußern. Der Trainer nahm sich 2001 das Leben.

Verband vertuschte Vorwürfe

1997 fand Hempel die Kraft, dem Verband von den Übergriffen zu berichten. In der Folge wurde Langer zwar kalt gestellt, doch die öffentliche Begründung war die Stasi-Vergangenheit des Trainers. "Alle haben geschwiegen, bis heute", klagt Hempel an. Konkret spricht er unter anderem den ehemaligen DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow an, der heute als Bundestrainer der Wasserspringer arbeitet. Buschkow verzichtete auf eine Stellungnahme. Die aktuelle Verbandsführung will von den Vorwürfen Hempels erst durch die ARD erfahren haben.

Dresdner SC "erschüttert"

Der Dresdner SC hat sich nach den Missbrauchsvorwürfen Hempels schockiert gezeigt. "Was ich heute in den Medien lesen und sehen musste, erschüttert mich zutiefst", wird DSC-Präsident Wolfgang Söllner in einer Vereinsmitteilung am Donnerstag (18.08.2022) zitiert. "Die Vorwürfe kannte ich bis heute nicht", sagte Söllner. "Nach meinen heutigen Recherchen ist es wohl richtig, dass Jan Hempel 1997 diese Anschuldigungen gegen seinen Trainer vorgebracht hat." Langer sei damals für den Bundesverband am Dresdner Stützpunkt tätig gewesen und habe in keinem Anstellungsverhältnis mit dem DSC gestanden.

"Nach dem internen Bekanntwerden der Vorwürfe ist Herr Langer von der damaligen Bundestrainerin abgezogen und vom DSC mit einem lebenslangen Hallenverbot belegt worden", sagte Söllner. "Es war damals der ausdrückliche Wunsch von Jan Hempel, das Thema aus den Medien herauszuhalten."

red/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport | 20. August 2022 | 22:40 Uhr

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