Energiekrise im Sport Angst vor dem Energie-Lockdown

Der Sport warnt vor Schließungen / Politik noch ohne konkrete Hilfspläne

Nur noch ein paar Wochen, dann könnte der Sport den Gasmangel zu spüren bekommen. Dann müssen Sporthallen beheizt werden, draußen brauchen die Vereine Flutlicht. Die bange Frage: Ist dafür genug Energie vorhanden?

Bei den Einsparvorschlägen von Energieminister Robert Habeck (vom 24. August) sind Ausnahmen angekündigt für Schulen und soziale Einrichtungen. Ausnahmen für den Sport werden mit keinem Wort erwähnt. "Da muss der Bund nachsteuern", sagt Thüringens Minister für Familie, Jugend und Sport Helmut Holter. "Sporthallen und Schwimmbäder gehören ebenfalls zum geschützten Bereich, da darf es keine Strom-Abschaltungen geben."

Damit steht Holter nicht allein, beim Treffen aller Landessportminister Mitte August gab es eindeutige Rückendeckung für den Sport. Er stärke in der Gesellschaft die "psychosoziale Stabilität, die gesundheitliche Resilienz sowie den sozialen Zusammenhalt", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Beschlossen wurde, die "Sportstätten und insbesondere Schwimmbäder trotz stark gestiegener Energiekosten so lange wie irgendmöglich offen zu halten."

Gespräche mit der Politik stehen erst an

Allerdings sind diese Beschlüsse der Sportminister noch lange nicht in praktische Politik umgesetzt. Aus allen Sportministerien in Mitteldeutschland wurde gegenüber dem MDR versichert, dass man das Thema auf dem Schirm habe. Die entscheidenen Gespräche würden aber erst in den nächsten ein bis zwei Wochen geführt.

Entsprechend ist Thomas Zirkel mittlerweile etwas nervös. Der Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Thüringen hatte schon Mitte Juli an die Landesregierung geschrieben. Thema: "Die Energiekrise und deren Auswirkungen auf den organisierten Sport in Thüringen." Eine offizielle Antwort hat er bislang nicht erhalten.

Bisher noch keine konkreten Maßnahmen

Sportminister Holter bestätigt im MDR-Interview auch, dass es noch keine konkreten Maßnahmen gebe. Das hat wohl mehrere Gründe: Das Thema ist komplex, neben dem Sportministerium ist auch das Ministerium für Kommunales und das Energieministerium beteiligt. Aus der Politik hört man hinter vorgehaltener Hand: "Das Spiel ist noch nicht angepfiffen." Das heißt übersetzt: Die politischen Entscheidungsträger kommen teilweise jetzt erst aus der Sommerpause, die entscheidenden Gespräche haben noch nicht stattgefunden. 

Aber die Position des Sportministeriums ist eindeutig. Derweil vergibt es nämlich finanzielle Unterstützung an die coronagebeutelten Vereine um die Menschen wieder zum Sporttreiben zu motivieren. "Dann können wir Energiesparmaßnahmen beschließen, die das Gegenteil bewirken," sagt Holter.

Energielockdown hätte "katastrophale Folgen"

Dem Sportminister ist auch klar, dass die zwei Corona-Jahre massive Folgen hatten: "Die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hat durch die Lockdowns gelitten, viele sind dadurch in der motorischen Entwicklung zurückgeblieben, aber auch in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung." Ein Energie-Lockdown in diesem Winter hätte deshalb "katastrophale Folgen". 

Ein Energie-Lockdown würde definitiv substanzielle Schäden im Sportsystem hinterlassen

Thomas Zirkel Hauptgeschäftsführer Landessportbund Thüringen

LSB-Hauptgeschäftsführer Zirkel ist bis zu einem gewissen Grad kompromissbereit: "Wenn es um Temperaturreduzierungen in Sporthallen geht, nimmt das jeder hin. Schließungen können wir nicht akzeptieren." Denn er ist sicher: "Ein Energie-Lockdown würde definitiv substanzielle Schäden im Sportsystem hinterlassen." Noch hat die Politik ein paar Wochen Zeit, um diese Schäden zu verhindern.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 26. August 2022 | 17:45 Uhr

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