Kanuslalom Kanu-Ass Anton: Zwischen WM-Medaillenfreude und Verbandsfrust

Ein halbes Dutzend WM-Medaillen hat Slalomkanute Franz Anton mittlerweile gesammelt. Die neueste kam erst am Wochenende hinzu. Dabei hatte anton zuvor ein "Seuchenjahr". Und Ärger mit dem Verband gibt es auch.

Im Frühlingsmonat Mai war es, da drohte das Jahr 2021 für Franz Anton schon als einzige große Enttäuschung zu enden. Für den sächsischen Slalomkanuten platzten die Träume von der Olympia-Teilnahme an winzigen 2,77 Sekunden. Anton musste sich im Kampf um das Tokio-Ticket im italienischen Ivrea dem Augsburger Sideris Tasiadis knapp aber folgenschwer geschlagen.

Frust nach verpasster Olymia-Quali

Tasiadis fuhr nach Japan und heimste dort Olympia-Bronze ein. Und auch für Anton hatte der Olympia-Ausscheid Konsequenzen: Die Medaillenwand in seiner Wohnung räumte er aus Frust komplett leer. In den Weltcups schaffte er es kaum noch in die Finals: "Im Kopf war ich vielleicht nicht mehr ganz dabei, vielleicht habe ich den Fokus verloren, weil ich immer noch niedergeschlagen war", blickt Anton heute zurück.

Anton: "Hatte einen kleinen Re-Set"

Seit dem vergangenen Wochenende kann Anton wieder lachen. Im slowakischen Bratislava fuhr der 31-Jährige zu Weltmeisterschafts-Bronze im Canadier-Einer. Ein emotionales Bronze ist es, das jetzt an der neu eröffneten Medaillenwand in Antons Leipziger Wohnung hängt. "Ich hatte einen kleinen Re-Set. Und jetzt bin ich sehr froh", gesteht der nun sechsfache WM-Medaillengewinner. Für den das WM-Bronze sogar noch einen höheren Stellenwert hat als eine Olympiamedaille hat. Wegen der höheren Teilnehmerzahl (drei WM-Starter pro Nation statt ein Starter bei Olympia) und seiner persönlichen Vorgeschichte des bisherigen Seuchenjahrs: "Es macht mich umso stolzer, dass ich das noch hinbekommen habe", strahlt Anton am Montag (27.09.2021) im "SpiO"-Talk.

Franz Anton
Anton kann wieder lachen (Archivbild). Bildrechte: imago images/opokupix

Streit um WM-Startplätze

Aus deutscher Sicht waren die Titelkämpfe in Bratislava überhaupt sehr erfolgreich. Das kleine neunköpfige Team sammelte fünf Medaillen, Ricarda Funk und Elena Lilik (früher Apel) fischten sogar Goldmedaillen aus der Wildwasseranlage an der Donau.

Restlos glücklich ist Anton allerdings nicht von der WM nach Hause gereist. Denn die Titelkämpfe waren von verbandsinternem Streit um Startplätze überlagert. Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) hatte die Qualifikationskriterien angezogen und so die zwölf möglichen Startplätze nicht ausgeschöpft. Nur acht Sportler wurden für die WM gemeldet. Letztlich kam noch ein neunter Starter hinzu – Timo Trummer aus Zeitz erstritt sich mit seinem Anwalt einen Startplatz.

Timo Trummer
Klagte sich zum WM-Start: Timo Trummer aus Zeitz (Archivbild). Bildrechte: imago images/opokupix

"Habe Verband nicht verstanden"

Aktivensprecher Anton nahm und nimmt in dem Streit zwischen den Sportlern und der Verbandsspitze um DKV-Präsident Thomas Konietzko und den neuen Cheftrainer Klaus Pohlen eine klare Position ein. Mit einem Antrag hatte er versucht, auch jüngeren, international noch nicht so erfahrenen Sportlern ein WM-Startrecht zu ermöglichen. Vergeblich. Was Anton verärgert: "Die große Überschrift des Verbandes ist, den Nachwuchs zu fördern, um den Etablierten Druck zu machen. Deswegen habe ich nicht verstanden, dass der Verband den Nachwuchs zu Hause lässt."

Im kommenden Jahr steht immerhin die Heim-WM in Augsburg an. Und war Titelkämpfe zu Hause bedeuten, daran hat Anton noch sehr gute Erinnerungen. Die EM 2015 gastierte auf seiner Heimstrecke im Kanupark Markkleeberg. "Jeder kennt Dich, Du wirst überall angesprochen, Du musst noch einmal einen ganz anderen Druck aushalten." Und das könnte dem jetzt in Bratislava fehlenden deutschen Slalom-Nachwuchs 2022 zum Verhängnis werden. "Wenn man die Leute bei der Weltmeisterschaft in Augsburg das erste Mal an den Start stellt, ist das kein Faktor, der hilft", schimpft Anton.

Medaillenwand soll sich wieder füllen

Für Oktober sind Gespräche mit dem Verband geplant, um die Wogen wieder zu glätten. Anton denkt aber bereits weiter. In Augsburg will er seinem Dauerrivalen Sideris Tasiadis auf dessen Heimstrecke Paroli bieten. Mit Blick auf seine noch recht leere Medaillenwand gibt sich Anton kämpferisch: "Die Wand will ich wieder füllen."

Sport

Franz Anton 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 27. September 2021 | 19:30 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/4cb49eca-9ab9-4279-8c86-9821b481b9c4 was not found on this server.