Turnen Emma Malewski nervenstark und selbstbewusst: Gekommen um zu bleiben

Emma Malewski trainiert seit nunmehr sechs Jahren beim TuS 1861 Chemnitz-Altendorf. Im Sommer krönte sie ihr bisher erfolgreichstes Jahr als Turnerin mit der Goldmedaille bei den Europameisterschaften in München – und das soll es noch lange nicht gewesen sein.

Emma Malewski auf dem Schwebebalken
Emma Malewski auf dem Schwebebalken Bildrechte: IMAGO / Eibner

Für normale Hobbys hat diese 18-Jährige keine Zeit, so durchgeplant ist der Alltag von Emma Malewski. Das Turnen bestimmt ihr Leben und das ist gut so, denn der Erfolg gibt ihr Recht.

Seit sechs Jahren turnt die gebürtige Hamburgerin am Bundesstützpunkt in Chemnitz, zunächst unter Gabriele Frehse, die den Grundstein legte für Malewskis Erfolg. Seit Dezember 2021 ist der Belaruse Anatol Ashurkov als Trainer an ihrer Seite. Trotz anfänglicher Sprachbarrieren sind sie inzwischen ein eingespieltes Team: "Wir verstehen uns richtig gut und die Zusammenarbeit läuft auch sehr gut", sagt die 18-Jährige, die in Chemnitz die 11. Klasse des Sportgymnasiums besucht.

25 Trainingsstunden sind das minimale Pensum, das Malewski jede Woche absolviert, meistens mehr. Training allein reicht aber natürlich nicht, um in der Weltspitze ganz oben anzukommen. Einige wichtige Eigenschaften bringt sie schon mal mit: "Sie ist sehr ambitioniert, sie weiß, was sie will - beim Turnen und darüber hinaus. Und sie kann sehr hart arbeiten. Nicht jeder ist dazu auch mental in der Lage", beschreibt Ashurkov seinen Schützling.

Die Chemnitzerin Emma Malewski bejubelt ihren EM-Sieg am Schwebebalken
Die Chemnitzerin Emma Malewski bejubelt ihren EM-Sieg am Schwebebalken. Bildrechte: Imago Images

Emma Malewski: "Ich habe es verdient, weil ich hart gearbeitet habe!"

Sie ist die Jüngste in der Nationalmannschaft, das Küken, umgeben von erfahrenen Turnerinnen – von Angst jedoch keine Spur: "Natürlich möchte man zeigen, was man kann, aber man braucht auch keine Angst vor Fehlern haben. Das passiert und ist ganz normal", sagt sie selbstbewusst zu der noch neuen Situation. Malewski ist dankbar dafür, im Training und in den Wettkämpfen an der Erfahrung der etablierten Turnerinnen teilhaben zu dürfen.

Der Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere und Lohn der harten Arbeit, sind die beiden Medaillen, die sie im Sommer bei den Europameisterschaften in München erkämpfte. Erst holte sie EM-Bronze mit der Mannschaft. Dann krönte sie ihre erste EM-Teilnahme überhaupt, völlig überraschend mit der Goldmedaille für ihre Einzelperformance am Schwebebalken: "Ich habe nicht damit gerechnet, überhaupt ins Finale zu kommen. Es war absolut überwältigend. Ich hatte ja nichts zu verlieren, also habe ich dann geturnt wie im Training und es hat geklappt." Ihren Erfolg wirklich realisieren konnte Malewski erst zwei Wochen später.

Wie Malewski aus Rückschlägen neue Motivation zieht

Einer, für den dieser Erfolg gar nicht so überraschend kam, war ihr Trainer Anatol Ashurkov: "In solchen Wettkämpfen kann viel passieren. Ich wusste, dass sie stark genug ist, bis ins Finale zu turnen und dann gehört auch ein bisschen Glück dazu", erklärt er. Als wäre das für dieses Jahr noch nicht genug, konnte sie im Oktober auch das Ticket für ihre erste Weltmeisterschaft lösen. "Als uns das mitgeteilt wurde, habe ich fast angefangen zu weinen", erinnert sich Malewski an diesen besonderen Moment.

In Liverpool reichte es dann leider nicht für das Finale, unzufrieden ist die junge Frau trotzdem nicht: "Ich bin im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit meiner Leistung bei der WM. Es ist hart zwei Höhepunkte in einem Jahr zu turnen, die auch noch so nah beieinanderliegen", resümiert Malewski ihr Sportjahr. Aber auch von etwaigen Rückschlägen lässt sie sich nicht entmutigen. Im Gegenteil, die 18-Jährige weiß genau, was zu tun ist: So wird sie ihre Balkenwertung aufstocken und mehr Schwierigkeit turnen.

Emma Malewski macht ihren Eintrag in Goldene Buch in Anwesenheit des Chemnitzer Oberbürgermeisters Sven Schulze.
Emma Malewski macht ihren Eintrag in Goldene Buch in Anwesenheit des Chemnitzer Oberbürgermeisters Sven Schulze. Bildrechte: IMAGO / HärtelPRESS

Was hat sich seit ihrem Sieg verändert?

War die junge Frau vorher schon nicht schüchtern oder zurückhaltend, ist sie durch ihren Erfolg nochmal selbstbewusster geworden im Turnen. Sie ist im Training noch ambitionierter bei der Sache, weil sie weiß, was sie erreichen kann und dass sich die harte Arbeit wirklich lohnt. Großen Erwartungsdruck von außen spüre sie trotz des Erfolges keinen. Sie wolle einfach das Erlebnis von München wiederholen

Die nächsten Meilensteine sind kommendes Jahr die Europameisterschaft in Antalya (Türkei) im April und die Weltmeisterschaft in Antwerpen (Belgien) im Herbst. Das ganz große Karriereziel sind natürlich die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Eine Medaille dort ist ihr großer Traum.

MDR aktuell

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