Corona | Drei-Länder-Übersicht Diese Regeln gelten für den Sport in Mitteldeutschland

Die vierte Corona-Welle erfasst den Osten. Doch welche Regeln gelten für den Sport in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen? Der MDR hat eine Übersicht erstellt, die Landessportverbände bewerten die jeweiligen Umstände.

Ein Mund-Nasen-Schutz in einem Tornetz, davor ein Ball und Fußballschuhe
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Streitpunkt Sachsen: Ist organisierter Amateursport ein privates Treffen?

Die heftigste Debatte ist in Sachsen entfacht. Gesundheitsministerin Petra Köpping hat anders als die beiden anderen Bundesländer keine speziellen Regeln für den organisierten Sport verkündet. Stattdessen seien die Vorgaben dort zu interpretieren, "wie im privaten Kontakt", erklärte Köpping. Bis zu zehn Ungeimpfte dürfen sich daher zum Sport mit Geimpften und Genesenen treffen. Der Kinder- und Jugendbereich ist aber quasi ausgenommen, weil Heranwachsende bis 16 Jahre nicht mitzählen. Die Bestimmungen gelten in der aktuellen Vorwarnstufe und seit dem 8. bis einschließlich 25. November.

Landessportbund Sachsen: "Sächsischer Sport würde erneut zum Erliegen kommen"

Der Landessportbund Sachsen erklärt auf MDR-Anfrage, dass "die Maßnahmen und Regeln in unseren Augen nicht tragfähig sind und in ihrer Anwendung den sächsischen Sport erneut zum Erliegen bringen würden - einhergehend mit massiven Einschnitten in das System sowie negativen Folgen für die Gesundheit und körperliche Fitness der Menschen in Sachsen."

Das Problem: Sollte Sachsen die Belastungsstufe erreichen, dürfte lediglich ein Hausstand und eine weitere Person, die jeweils ungeimpft sind, mit Geimpften und Genesenen Sport treiben. Der Landessportbund kritisiert darauf bezogen: "Die Gleichsetzung des organisierten Sports mit einer privaten Zusammenkunft sowie den daraus resultierenden Maßnahmen und Regeln ist nicht angemessen und sinnvoll. Aufgrund von klaren bundesgesetzlichen Regelungen (u.a. BGB, Abgabenordnung, Körperschaftssteuergesetz) unterscheidet sich der Sportverein und dessen Handeln eindeutig vom privaten, gesetzlich nicht geregelten Leben."

Sächsische Landesregierung sorgt für Verwirrung

Unklarheiten löste die schwarz-rot-grüne Landesregierung mangels sportspezifischer Definitionen aus. "Auch fehlt eine Klarstellung zu allen am Spiel- und Wettkampfbetrieb beteiligten Personen. Hierfür bedarf es einer klaren Unterscheidung zwischen den Sporttreibenden, den notwendigen Kampf- und Schiedsrichter*innen und dem Publikum“, meint der sächsische Landessportbund. Heißt: Offen ist, ob Zuschauer oder der kontaktlose Referee im Amateursport zu den erlaubten zehn ungeimpften Personen dazu gehören. "Aufgrund der vorangeschriebenen schwierigen sprachlichen Gemengelage in der Verordnung sind wir aktuell bestrebt, noch in der laufenden Woche mit dem Ministerium ein klärendes Gespräch führen zu können“, teilt der Sportverband abschließend mit.

Für Zuschauer bei Großveranstaltungen im Sport gilt in Sachsen die 2G-Regel, mit maximal halber Kapazitätsauslastung der Sportstätten und bis zu 25.000 Zuschauern Höchstgrenze. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen Sportevents auch mit Schnelltests besuchen.

Thüringen: Rot-Rot-Grüne Landesregierung zeigt sich sportfreundlich

Einen ganz anderen Kurs fährt Thüringen. Obwohl sich der gesamte Freistaat bereits in der höchsten Warnstufe drei befindet, darf der organisierte Sport unter 3G-Regeln stattfinden. Ausgenommen von der Testpflicht sind noch nicht eingeschulte Kinder. Alle Schülerinnen und Schüler mit entsprechendem Nachweis, dass sie an den regelmäßigen Testungen im Schulbetrieb teilnehmen, sind ebenfalls befreit.

Thomas Zirkel vom dortigen Landessportbund beurteilt die Situation positiv: "In Thüringen gibt es aktuell insbesondere im Vergleich mit Sachsen weniger strenge Vorgaben für den organisierten Sportbetrieb. Angesichts des momentan dynamischen Infektionsgeschehens in Thüringen sind die Regelungen grundsätzlich nachvollziehbar und überschaubar."

Separate Sportverordnung in Thüringen

Der Hauptgeschäftsführer begrüßt, dass die rot-rot-grüne Landesregierung als einziges der drei Bundesländer eine separate Sportverordnung eingeführt hat. Sie ist somit nicht Teil der Allgemeinverfügung für alle Gesellschaftsbereiche und deutet eine höhere Wertschätzung für den organisierten Sport an. Dabei betont Zirkel: "Man muss sich mit gewissen Einschränkungen arrangieren, um überhaupt einen Trainings- und Wettkampfbetrieb ohne großflächige Einschränkungen aufrecht zu erhalten.“

Für den Besuch von Sportveranstaltungen in Thüringen gilt grundsätzlich eine Anmeldepflicht, regional können von den Landkreisen je nach Warnstufe Auflagen für 3G-Konzepte gemacht werden. Ausrichter können freiwillig auf 2G- oder 3G-Plus-Modelle (hier zählen nur PCR- und keine Schnelltests), dann müssen sie die jeweilige Variante anzeigen und die entsprechenden Events nur anmelden, wenn mehr als 5.000 Zuschauer draußen oder mehr als 1.500 Zuschauer drinnen zugelassen sind.

Sachsen-Anhalt: Landessportbund erwartet kaum Verschärfungen

Während Sachsen und Thüringen erst vergangene Woche neue Regelungen bekamen, läuft die aktuelle Eindämmungsverordnung in Sachsen-Anhalt nur noch bis zum 12. November. Bis jetzt gilt im Trainingsbetrieb drinnen und bei Wettkämpfen drinnen und draußen die 3G-Regel, wobei Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ausgenommen sind.

Landkreise und kreisfreie Städte können Lockerungen für den Trainingsbetrieb aussprechen sowie für Zuschauer bei Wettbewerben. Torsten Kunke vom Landessportbund Sachsen-Anhalt sagt: "Die Vereine haben sich auf die noch gültigen Regelungen eingestellt und kommen mit diesen im Alltag gut zurecht. Wir hatten bereits Vorgespräche zur neuen Verordnung. Dabei gab es keine Signale aus der Landespolitik, die darauf hindeuten, dass es viele Verschärfungen geben wird. Aber wir müssen natürlich abwarten, bis wir es schwarz auf weiß haben."

Stand jetzt besteht in Sachsen-Anhalt kein Warnstufen-System, das Bundesland hat mit einer Inzidenz von 213 gegenüber Sachsen (483) und Thüringen (439) aber auch mit deutlicher weniger Neuinfektionen zu kämpfen. Sportvorstand Kunke hat unterdessen Verständnis für die Position der Kollegen in Sachsen: "Dort gibt es schärfere Regeln als in den anderen Bundesländern. Wir teilen die Meinung, dass organisierter Sport kein reines Privatvergnügen ist, weil der Sport auch Prophylaxe für andere Krankheiten darstellt. Für Sachsen-Anhalt gehen wir davon, dass die Landesregierung den Sport bei ihren Entscheidungen weiterhin fest im Blick behält." 

Für Großveranstaltungen gilt in Sachsen-Anhalt unter Einhaltung der 3G-Regel, dass immer bis zu 5.000 Besucher oder die Hälfte der Kapazität, jedoch maximal 25.000 Menschen zugelassen sind.  

Magdeburger Fans zeigen ihre Schals
Sachsen-Anhalt: 3G-Regel gilt auch für Großveranstaltungen. Bis zu maximal 25.000 Zuschauer sind zugelassen. Bildrechte: IMAGO / foto2press

Fazit: Während in Sachsen-Anhalt und Thüringen Amateursport vorwiegend unter 3G-Bedingungen ermöglicht wird, ist es in Sachsen deutlich komplizierter. Ungeimpfte Erwachsene dürfen hier ohne Tests mit Sport machen, werden aber in ihrer Anzahl begrenzt, was die Organisation für Vereine erschwert.    

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 06. November 2021 | 16:00 Uhr

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