Fußball | Corona-Pandemie Aue-Präsident Leonhardt appelliert: "Spielbetrieb bis Jahresende unterbrechen"

Erzgebirge Aues Präsident Helge Leonhardt hat sich angesichts der eskalierenden vierten Welle der Coronavirus-Pandemie in Deutschland eindringlich für eine Fußball-Saisonunterbrechung bis Jahresende ausgesprochen. Es solle der "Schutz der Menschen" im Vordergrund stehen und darüber hinaus eine "Wettbewerbsverzerrung" verhindert werden, betonte der 63-Jährige am Dienstagabend (23. November) im Gespräch mit "Sport im Osten". Die DFL lehnte das Ansinnen von Leonhardt mittlerweile ab.

Helge Leonhardt Präsident, FC Erzgebirge Aue
Geht es nach Erzgebirge Aues Präsident Helge Leonhardt, findet in diesem Jahr auch kein Profifußballspiel mehr statt. Bildrechte: imago images/Eibner

Die Coronavirus-Pandemie eskaliert im Land. In Mitteldeutschland dürfte die Sieben-Tage-Inzidenz die Marke von 900 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner bald knacken. Mehrere Kreise in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt haben die 1.000er Schwelle längst überschritten. Die Normal- und Intensivstationen der Krankenhäuser steuern ungebremst auf ihre Belastungsgrenzen zu. Die Politik reagiert insbesondere in den genannten drei Bundesländern mit teilweise drastisch verschärften Maßnahmen zur Eindämmung.

"Drei, vier Wochen kompletter Fußball-Lockdown"

Spielerkreis Erzgebirge Aue
Team Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

Für Helge Leonhardt, Präsident von Zweitligist Erzgebirge Aue, muss nun auch der Profifußball darauf reagieren – und zwar mit einer sofortigen Saisonunterbrechung bis Jahresende. "Ich halte es für vernünftig, jetzt mal drei, vier Wochen einen kompletten Lockdown im Fußball zu machen. Sorgfalt vor Gier walten lassen. Wir müssen einfach den Schutz der Menschen in den Vordergrund stellen, Vorbilder sein", unterstrich der 63-Jährige am Dienstagabend (23. November) im Gespräch mit "Sport im Osten" – "Diesen Appell sende ich auch an die DFL, egal, ob er dort gehört wird oder nicht."

Der Unternehmer betonte weiter: "Ich vertraue den Virologen und Medizinern und wenn die sagen, wir stehen vor dramatischen Wochen, dann müssen meine Fußballer nicht nach Bremen fahren und vor 20.000 Zuschauern spielen." Die Infektionszahlen seien "mehr als besorgnisserregend", da müsse man jetzt "Ruhe reinbekommen". Seinen Aufruf zur Fußballpause hinterlegte Leonhardt schon kurz zuvor bei "Bild".

Gehäufte Corona-Fälle in den obersten Ligen

Auch RB-Trainer Jesse Marsch und Keeper Peter Gulacsi sind aktuell in Quarantäne. Bildrechte: imago images/opokupix

Trotz strenger Hygieneauflagen der Verbände für die Klubs, dauerhafter Testreihen und einer wohl vergleichsweise sehr hohen Impfquote unter den Akteuren häuften sich zuletzt auch in den obersten Ligen die Infektionen unter den Beteiligten.

RB Leipzig muss in der Champions League gegen Brügge am Mittwoch (24. November) auf Trainer und Stammkeeper verzichten, Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue waren seit Pandemie-Beginn wiederholt betroffen, beim 1. FC Magdeburg infizierten sich zuletzt 13 Personen, der FSV Zwickau hat aktuelle Fälle genauso wie der Hallesche FC. Vor allem in der 3. Liga und Regionalliga, aber auch in der 2. Bundesliga sind Spielabsage keine Ausnahmen mehr. Helge Leonhardt meint: "Es bringt doch nichts, die Spiele jetzt mit ständigen Corona-Fällen durchpeitschen zu wollen."

Keine Zuschauer in Sachsen: "Wettbewerbsverzerrung"

Der Auer Präsident beteuerte gleichsam: "Es gibt dabei auch keinen hinterhältigen Gedanken, sportlich läuft es bei uns. Wir stehen auf einem Nichtabstiegsplatz." Der miserabel gestartete FCE holte aus den vergangenen fünf Partien zehn Punkte und sprang auf Rang 14. Sein Vorschlag: Unter durchweg kontrollierten 3G-Bedingungen soll der Trainingsbetrieb weiterlaufen dürfen und die ausgefallenen Spiele möglichst im Januar und Februar durch Englische Wochen nachgeholt werden. Im Auer Terminkalender bis Weihnachten stehen noch vier Partien, drei davon (gegen Darmstadt, Dynamo Dresden und Nürnberg) daheim.

Diesbezüglich verwies Leonhardt auch auf eine Gefahr der Wettbewerbsverzerrung. Mit Blick auf den seit kurzem in Sachsen wieder geltenden Zuschauerausschluss wäre nicht zuletzt auch der FC Erzgebirge betroffen: "Natürlich müssen wir auch eine ökonomische Ungleichstellung verhindern. In Leipzig und in Dresden und in Aue muss ohne Zuschauer gespielt werden, und anderswo sind die Stadien teilweise noch ausverkauft. Es muss das Gleichheitsprinzip zählen", gab Leonhardt zu bedenken. Zudem sei der Fußball "dafür geboren" worden, "dass er vor Fans gespielt wird. Wir brauchen die Fans im Stadion, nur dann ist der Fußball wirklich etwas wert."

DFL reagiert - Fußball-Lockdown kein Thema

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat sich zum Vorstoß des Präsidenten des FC Erzgebirge Aue geäußert und eine Spielunterbrechung bis Ende des Jahres abgelehnt.

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red

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 24. November 2021 | 17:45 Uhr

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