Fußball | 3. Liga "Vollkatastrophe": Reaktionen auf den Rückzug von Türkgücü München

Der insolvente Drittligist Türkgücü München stellt den Spielbetrieb ein und zieht sich aus der 3. Liga zurück. Davon ist auch der Hallesche FC, dessen Abstand auf die Abstiegsränge geschmolzen ist, betroffen. Cheftrainer André Meyer sparte nicht mit Kritik. Auch FCM-Trainer Christian Titz fand klare Worte.

Durch den Rückzug von Türkgücü München wird die Tabellenkonstellation in der 3. Liga kräftig durcheinandergewirbelt. Alle bislang gespielten Partien der Münchner werden aus der Wertung gestrichen. Das bedeutet auch, dass alle Vereine, die gegen den Vorjahresaufsteiger gepunktet haben, ihre gewonnenen Zähler wieder verlieren.

HFC: Nur noch sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone

Davon ist vor allem der Hallesche FC betroffen. Die Saalestädter hatten insgesamt vier Punkte gegen Türkgücü geholt, büßen diese aber nun wieder ein. Damit reduziert sich auch der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz von acht auf sechs Punkte. HFC-Trainer André Meyer bezeichnete die Annullierung der Punkte als "Vollkatastrophe".

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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André Meyer: "Da hängt noch ein ganzer Rattenschwanz dran"

"Da liegt offenbar ein Fehler im System, das Lizenzierungsverfahren wird durch die Zahlungsunfähigkeit und den Rückzug von Türkgücü mitten in der Saison ad absurdum geführt", sagte Meyer im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag (24.03.2022). Nur mit einem Punktabzug sei es nicht getan. "Da hängt noch ein ganzer Rattenschwanz dran", mahnte Meyer.

Moritz Kuhn (Türkgücü München, 23) gegen Julian Guttau (HFC, 24)
Halle hatte in den beiden Spielen gegen Türkgücü in dieser Saison vier Punkte geholt - im Endeffekt umsonst. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Während der HFC im Februar gegen Türkgücü eine englische Woche bestritt und in diesem Spiel auch Verwarnungen kassierte, nehmen andere Teams diesen Nachteil nicht mit auf die Zielgerade der Saison. Dennoch gibt sich der Coach kämpferisch: "Wir können es nicht ändern und beeinflussen, nur zur Kenntnis nehmen."

Christian Titz: "Genau das wollen wir nicht in der Liga haben"

Der 1. FC Magdeburg bekommt ebenfalls drei Punkte abgezogen. Da auch die Verfolger aus Kaiserslautern (-3 Punkte), Saarbrücken (-6) und Braunschweig (-3) Zähler abgeben müssen, bleibt der komfortable Vorsprung von neun Punkten auf den zweiten Platz aber bestehen. Zudem vergrößert sich der Abstand des FCM auf den Relegationsplatz auf nun 12 Punkte.

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Do 24.03.2022 14:19Uhr 01:37 min

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FCM-Trainer Christian Titz äußerte dennoch sein Unverständnis. "Es ist eine Wettbewerbsverzerrung. Es gibt Mannschaften, die davon bevorteiligt, und Mannschaften, die davon benachteiligt sind. Genau das wollen wir nicht in der Liga haben", sagte Titz im Interview mit "Sport im Osten".

Titz kritisiert Zulassungsverfahren

Dabei mahnte Titz vor allem die Mechanismen des Zulassungsverfahren in der 3. Liga an. "Wir hatten in den letzten Jahren drei Vereine, die Insolvenz angemeldet haben. Bevor es in die Prüfung vor der Saison geht, muss es klar sein, dass ein Verein die Lizenz nur bekommen kann, wenn er auch wirklich nachweisen kann, dass er die Saison gesichert hat."

Zwickau: "Es gibt keinen Gewinner"

Ähnlich wie Titz sieht es auch der Sportdirektor des FSV Zwickau, Toni Wachsmuth. Sein Team bekommt nur einen Punkt abgezogen, macht in der Tabelle sogar einen Platz gut, als Gewinner sieht Wachsmuth den FSV aber nicht: "Ich finde, es gibt keinen Gewinner. Es ist für die gesamte 3. Liga eine blöde Situation. Die schlechteste Nachricht dabei ist, dass so etwas in einer deutschen Profiliga passiert."

Zwickau hat erst einmal gegen Türkgücü gespielt, das Rückspiel im heimischen Westsachsen-Stadion fällt nun aus - und damit auch die Chance auf drei Punkte. "Uns fehlt ein Heimspiel", macht Wachsmuth bei "Sport im Osten" klar. Er hätte viel lieber gespielt und gewonnen. Der wirtschaftliche Aspekt eines Heimspiels schlägt ebenfalls ins Gewicht.

Sportdirektor Toni Wachsmuth, FSV  Zwickau
Sportdirektor Toni Wachsmuth. Bildrechte: imago images/Picture Point

Türkgücü München ist zahlungsunfähig und muss den Spielbetrieb zum Ende dieses Monats einstellen. Den Münchnern waren in dieser Saison wegen Insolvenzantrags und eines Auflagenverstoßes insgesamt elf Zähler abgezogen worden. Bis zuletzt hatte der Verein versucht, neue Investoren zu finden - ohne Erfolg.

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red/dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 24. März 2022 | 17:45 Uhr

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