Klimawandel Vegane Ernährung und Laborfleisch: 80 Prozent weniger klimaschädlich

Durch den Verzicht auf tierische Produkte wie Fleisch und Milch können landwirtschaftliche Klimaemissionen um 80 Prozent gesenkt werden. Der Ersatz muss nicht vegan sein, Insektenfleisch und Labormilch zeigen die beste Bilanz.

Auf einer Packung steht "Beyond Meat".
Pflanzlicher Fleischersatz - in US-Supermärkten ist er bereits in Mode. Bildrechte: IMAGO / AFLO

Wie große wäre der Nutzen einer radikalen Umstellung unser Ernährungsgewohnheiten für Umwelt und Klima? Eine neue Studie in der Fachzeitschrift "nature food" hat drei Modelle alternativer Ernährungsweisen durchgerechnet und verglichen: Wie schneidet eine rein vegane Lebensweise ab und wie ein Ernährungsplan mit einem Minimum an tierischen Lebensmitteln? Und wie verhält sich dazu drittens eine Ernährung, die Laborfleisch und Labormilch enthält? Ergebnis: Bei allen drei Modellen könnte der Ressourcenverbrauch um bis zu 80 Prozent gegenüber unser heutigen Lebensweise gesenkt werden. Allerdings wurde nicht untersucht, wie die Verbraucher auf eine solche Umstellung reagieren würden.

Fleisch verursacht über die Hälfte der landwirtschaftlichen Klimagase

Die derzeitige Landwirtschaft verursache einerseits rund ein Drittel der globalen Klimagase und treibe zugleich durch die Intensivierung das Artensterben weiter voran, schreiben die Autoren in der Studie. Allein für die Fleischproduktion werden gewaltige Mengen an Futtermitteln für die Tiere benötigt. Deren Anbau vergrößert den Bedarf an Ackerland enorm. Die gesamte Herstellungskette mit Futtermittelanbau, Transport der Futtermittel, Emissionen bei der Tierzucht, sowie der Schlachtung und Weiterverarbeitung des Fleischs ist so für mehr als 50 Prozent der landwirtschaftlich bedingten Klimaerwärmung verantwortlich.

Werden bislang durch Käse und Wurst gedeckte Kalorien durch pflanzliche Produkte oder Insektenfleisch ersetzt, können vier Fünftel der benötigten Ressourcen eingespart werden. Die Forscher haben bei den alternativen Essensplänen die für eine gesunde Ernährung empfohlenen Mengen an Kalorien und Eiweißen einberechnet. In den Ernährungsplänen, die ausschließlich vegane Lebensmittel enthielten, fehlten allerdings Zusätze wie Vitamin D und B12. Laut den Wissenschaftlern sei es wahrscheinlich, dass solche, meist in tierischen Lebensmitteln enthaltenen Zusätze künftig auch veganen Produkten beigesetzt würden.

Annahmen für Laborfleisch noch hypothetisch

Die verschiedenen Ernährungspläne zeigen dabei leichte Unterschiede bei der benötigten Anbaufläche, dem Wasserverbrauch und dem Effekt auf die globale Erwärmung. So hätten etwa vegane Fleischersatzprodukte wie Tofu oder pflanzliche Milchersatzgetränke unter den verglichenen Alternativen den höchsten Einfluss auf die Klimaerwärmung. Der Anbau von Obst, Gemüse und Getreide wiederum habe den höchsten Wasserverbrauch.

In der Berechnung zeigten Insektenfleisch, Labormilch und bakterielle Eiweiße sowie Mycoproteine (mit Hilfe von Pilzen gezüchtete Eiweißfasern) die beste Balance zwischen Nährwerten und Umweltkosten. Diese Daten seien jedoch mit Vorsicht zu genießen, warnen Forschende, die nicht an der Studie beteiligt waren. "Da sich viele neuartige Lebensmittel, wie kultiviertes Fleisch, noch in der Entwicklung befinden und noch nicht industriell hergestellt werden, bleiben die Studie und ihre Annahmen in manchen Fällen sehr hypothetisch", schränkt etwa Franziska Gaupp ein, Ernährungsökonomin aus Norwegen.

Laborfleisch: Nur ökologisch mit erneuerbarer Stromerzeugung

Ähnlich sieht das Florian Humpenöder, der sich am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung mit Landnutzung beschäftigt. "Gerade für neuartige Lebensmittel, die sich noch in der Entwicklung befinden – wie Milch aus Zellkulturen –, gibt es größere Unsicherheiten hinsichtlich deren Umweltauswirkungen. Ein wesentlicher Faktor ist hierbei der Energieverbrauch", sagt er. Anstelle des Futters für Tiere benötige die zelluläre Landwirtschaft mehr Energie im Produktionsprozess, etwa für das Heizen der Bioreaktoren. "Die Treibhausgasemissionen neuartiger Lebensmittel hängen somit wesentlich von der Verfügbarkeit kohlenstoffarmer Energiequellen ab."

Matin Qaim, Professor für Agrarökonomie an der Universität Bonn schließt aus den Ergebnissen, dass eine rein vegane Ernährung nicht unbedingt am ökologischsten sei. Das decke sich mit den Ergebnissen seiner eigenen Arbeitsgruppe. Außerdem handele es sich bei der Studie "um mathematische Optimierungen von Ernährungsplänen. Die Ergebnisse zeigen, was theoretisch möglich sein könnte und nicht, was realistischerweise zeitnah zu erwarten ist."

(ens)

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