Was verbindet Gesten und Wörter?


Warum gestikulieren wir eigentlich?

Wenn wir mit jemandem von Angesicht zu Angesicht sprechen, dann hören wir zwar aufmerksam auf die Worte. Forscher schätzen aber, dass mehr als die Hälfte der Bedeutung mittels Gesten transportiert wird. Selbst beim Telefonieren setzen viele Menschen Körpersprache ein. Hindert man Sprecher am gestikulieren, wird auch ihr Sprachfluss gestört.


Verändern sich Gesten im Lauf der Zeit?

Gesten sind wie Sprachen Zeit- und Kulturabhängig. Manche Gesten geraten daher in Vergessenheit, wenn sich Praktiken verändern. Beispielsweise sind Hüte weitgehend aus der Mode gekommen, die Geste des Hut anhebens ist daher auch weitgehend verschwunden.


In welchen Ländern bedeutet Nicken "Nein"?

Fast überall bedeutet Nicken Zustimmung oder Verständnis. In Teilen Südosteuropas kann man laut diesem Bericht allerdings mit einmaligem Kopf heben und senken auch ein "Nein" ausdrücken.

Es gibt auch Unterschiede, welcher Teil einer Handlung mit einer Geste betont wird. Es gibt eine Studie, die Beschreibt, wie Nordeur-opäer die Äußerung "Durch eine Röhre krabbeln" mit der gestischen Beschreibung einer Röhre untermalen, während Südeutopaäer vor allem die Krabbelbewegung nachmachen.


Stehen Gesten vielleicht sogar am Anfang von Sprache an und für sich?

Der in Leipzig arbeitende Anthropologe und Verhaltensforscher Michael Tomasello hat vor einigen Jahren die Sprachwissenschaft mit einer bahnbrechenden These aufgewirbelt. Tomasello zeigte, dass am Beginn des Sprechenlernens von Kindern die geteilte Aufmerksamkeit mit ihren Eltern steht. Das Kind zeigt auf ein Objekt, um die Aufmerksamkeit seiner Eltern dort hin zu lenken. Es entsteht eine geteilte Aufmerksamkeit und dadurch geteiltes Wissen. Gesten wie die Zeigegeste bilden seiner Meinung nach die Basis von Sprache.