Aus der Kreidezeit Bärtierchen im Bernstein

Bärtierchen sind winzig kleine wirbellose Tierchen, die es seit Millionen Jahren auf der Erde gibt. In einem Bernstein wurde jetzt ein Exemplar gefunden, das als bisher unbekannte Art identifiziert wurde.

Bärtierchen in Bernstein
Bärtierchen in Bernstein. Der Pfeil zeigt an, wo man es sieht. Bildrechte: Phillip Barden (Harvard/NJIT)

Sie lassen sich ihre Geheimnisse nur schwer entreißen: Bärtierchen, auch Tardigrade genannt. Das sind winzige wirbellose Gliederfüßer, mit vier Paar Stummelbeinchen und Krallen sowie einem Saugmund mit Stiletten, um andere Winzlinge wie Rädertierchen anzustechen und auszusaugen. Das Faszinierende an ihnen ist unter anderem ihre unglaubliche Widerstandsfähigkeit, die es ihnen ermöglicht, in extremsten Umgebungen zu überleben: Dann rollen sie sich zu einem dehydrierten Ball zusammen und gehen in einen Zustand des Scheintods über, wobei ihr Stoffwechsel praktisch zum Stillstand kommt. Bärtierchen sind aus der Kreidezeit vor etwa 80 Millionen Jahren bekannt. Insgesamt kennt die Wissenschaft weltweit 1.300 Arten. Allerdings sind ihre Körper so winzig, dass sie keine biomineralischen Spuren hinterlassen.

Weil sie so mikroskopisch klein sind, gibt es kaum Fossilien von ihnen. Um so größer ist nun die Verblüffung in der Welt der Wissenschaft: In einem Bernstein aus der Dominikanischen Republik ist ein Exemplar gefunden worden, und seine Untersuchung zeigte noch Verblüffenderes. Denn das untersuchte Exemplar ist eine neue Gattung und Art von Bärtierchen, das nun komplett beschrieben und mit Namen versehen wurde, aradoryphoribius chronocaribbeus. Es wird einer der drei Kernklassen zugeordnet, den Isohypsibioidea. Eine Art, die heute sowohl im Wasser als auch an Land lebt und sich durch ihre ausgeprägten Klauen auszeichnet, die von Bein zu Bein verschieden groß sind. Die Forschungsgruppe geht davon aus, dass es aus dem Myozän vor 16 Millionen Jahren stammt. Es unterscheidet sich durch Klauen und Wangenapparat, bzw. Vorderdarm des Tieres von anderen bisher bekannten Bärtierchen.

Wie guckt man in das Innere eines Tierchens, das kaum einen Millimeter groß ist?

Bärtierchen Klauen unter Spezialmikroskop
Chitin fluoresziert. Dadurch kann man das Innere des Bärtierchen sichtbar machen. Bildrechte: Marc A. Mapalo (Harvard/NJIT)

Entdeckt wurde all das mit Hilfe von Lasermikroskopie und hochauflösenden Bildern von anatomischen speziellen Merkmalen. Forscher Marc A. Mapalo, Spezialist für die Erforschung von Bärtierchen, beschreibt, was die Untersuchung dieses Bernstein-Bärtierchen-Exemplars so schwieirg macht: "Das Objekt ist zu klein für ein Seziermikroskop, es brauchte ein spezielles Mikroskop, um das Fossil vollständig zu sehen." Das Bärtierchen ist 559 Mikrometer groß, also wenig mehr als ein halber Millimeter. Da aber die dünne Haut des Tierchens aus Chitin besteht, das fluoreszierend ist, konnte es mit Lasertechnik sichtbar gemacht werden.

Bernstein ist ein hervorragendes Konservierungsmedium für Bärtierchen. Allerdings sind die kleinen Tierchen nicht leicht zu finden. Und weil sie so winzig sind, kann es sehr schwierig sein, sie zu sehen, selbst wenn sie erhalten sind, sagt selbst Spezialist Javier Ortega-Hernández.

Mikroskopische Aufnahme eines Bärtierchen
Mikroskopische Aufnahme eines anderen Bärtierchen. Bärtierchen leben im Meer, im Süßwasser oder feuchter Umgebung wie in Mooskissen. Bildrechte: IMAGO