Studie der Universität Leipzig Laubbäume wehren sich gegen Rehbisse

Pflanzen können uns deutlich zeigen, wie es ihnen gerade geht. Das wird spätestens dann klar, wenn die Topfpalme ihre verwelkten Blätter hängen lässt. Doch Wissenschaftler der Universität Leipzig haben herausgefunden, dass Bäume sich auch ganz aktiv gegen Angreifer zur Wehr setzen können. Wenn ein Reh sie annagt, dann schlagen sie mit ihren ganz eigenen Mitteln zurück.

Aus einer Pipette tropft Rehspeichel an die Stelle einer abgebrochenen Knospe an einem jungen Baum.
Aus einer Pipette tropfte im Experiment der Rehspeichel auf die Schnittstelle. Bildrechte: Bettina Ohse / Universität Leipzig

Die Knospen und Triebe von heimischen Laubbäumen gehören zur Leibspeise von Rehen. Wenn die Tiere die jungen Bäume anknabbern, kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass sie absterben. Doch das lassen sich die Laubbäume nicht einfach so gefallen. Sie wehren sich ganz aktiv gegen den Verbiss durch die Wildtiere. Dafür haben sie den Leipizger Biologen zufolge zwei verschiedene Möglichkeiten: Entweder sie versuchen möglichst schnell zu wachsen, damit die Rehe die leckeren Triebe nicht mehr erreichen, oder sie bilden chemische Abwehrstoffe. Die sorgen dafür, dass es den Tieren entweder nicht mehr schmeckt oder der einst leckere Baum ihnen künftig auf den Magen schlägt.

Forscher experimentieren im Leipziger Auwald

Allerdings war lange gar nicht klar, ob die Laubbäume in Mitteleuropa überhaupt erkennen können, ob der Wind ihre Knospen abgerissen oder doch ein Reh sie abgenagt hat. Deshalb haben die Forscher ein Experiment an Buche und Ahorn durchgeführt.

Wir waren im Leipziger Auenwald unterwegs und wir haben uns von jeder Art 30 kleine Bäumchen markiert und haben zufällig eben verteilt, welches Bäumchen nur die Knospen abgeschnitten bekommt und auf welches Bäumchen wir außerdem noch Rehspeichel applizieren. Dann haben wir in der Pipette Rehspeichel in einzelnen Tropfen auf die Schnittstellen gemacht.

Bettina Ohse, Universität Leipzig

Baumarten reagierten unterschiedlich

Das Ergebnis: Die vermeintlich von Rehen angefressenen Bäume haben deutlich mehr Hormone produziert. Doch die zwei Laubbaumarten reagierten unterschiedlich. Die Buche produzierte eine größere Menge Signalhormone. Die wirken wie ein Alarmsystem, das die Produktion von Stoffen anschiebt, die dem Reh Verdauungsprobleme machen. Beim Ahorn dagegen konnte bei einem Rehbiss eine viel größere Menge Wachstumshormone nachgewiesen werden, erklärte Biologin Bettina Ohse.

Wir nehmen an, dass Ahorn eher die Strategie hat, möglichst schnell aus dem Bereich rauszuwachsen, in dem Rehe fressen, während Buche auch per se schon einen relativ hohen Gehalt an bestimmten Gerbstoffen hat – kondensierte Tannine heißen die – und von diesen Gerbstoffen wissen wir, dass die die Verdauung der Rehe negativ beeinflussen.

Bettina Ohse, Universität Leipzig

Rehe
Wild hat auch junge Bäume zum Fressen gern. Bildrechte: colourbox.com

Experimente mit weiteren Baumarten

Inwiefern die Vermutung stimmt, dass die Baumarten wirklich verschiedene Strategien bei der Abwehr von Tieren einsetzen, will die Biologin jetzt herausfinden. Deshalb arbeitet sie bereits an einem weiteren Experiment mit 24 verschiedenen Baumarten.

Der Verbiss durch Rehe in den Laubwäldern macht vielen Förstern Sorgen. Ihnen könnten die Biologen mit ihrer Forschung womöglich helfen: Denn wenn die Förster wissen, wie genau welche Baumart auf Rehbisse reagiert, können sie besser entscheiden, welche Laubbäume für die Aufforstung ihrer Wälder am besten geeignet sind.