Artenvielfalt und Klimaschutz Wie die Artenvielfalt auf den Klimawandel einwirkt

Klimawandel und Artenvielfalt greifen wie zwei Rädchen ineinander. Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Je extremer das Wetter, je heißer die Temperaturen, desto mehr Arten sterben. Und andersherum gilt das Gleiche. Weniger Biodiversität begünstigt die Klimaerwärmung. Wir wollen die grundsätzlichen Mechanismen begreifen und die Abläufe erklären und zeigen, wie Artenvielfalt und Biodiversität in der Fläche die Klimaerwärmung verlangsamen können.

Sonnenaufgang im nebeligen Hochmoor Kendlmuehlfilzen
Werden Moore trockengelegt, emittiert der Boden unglaubliche Mengen an CO₂. Sie verursachen ein Fünftel der gesamten CO₂-Emission Deutschlands. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Was hat eine Fußballmannschaft mit einem Rasen gemeinsam? Wenn alle Spieler auf dem Feld stehen, sind die Chancen zu gewinnen am höchsten. Der Biodiversitätsforscher Nico Eisenhauer (Professor für Experimentelle Terrestrische Ökologie an der Uni Leipzig) spricht von Teamwork im und auf dem Rasen. "Und dieses Teamwork sehe ich eben auch in der Biodiversität", so der Forscher. Denn Teams mit unterschiedlichen Eigenschaften funktionieren einfach viel besser. "Das fasziniert mich durchaus, wie dann verschiedene Arten oder verschiedene Eigenschaften miteinander interagieren und dann gemeinsam entweder das Funktionieren von Ökosystem oder von Mannschaften verbessern."

Teams mit unterschiedlichen Eigenschaften funktionieren einfach viel besser.

Prof. Nico Eisenhauer, Biodiversitätsforscher, iDiv Leipzig
Sonnenaufgang im Biosphärenreservat Drömling 4 min
Bildrechte: dpa

Wiesen sind Wunderwerke – der Nutzen geht über das Finanzielle weit hinaus

Auf einer artenreichen Wiese ist die Natur im Gleichgewicht. Die Wurzeln der unterschiedlichen Pflanzen bieten deutlich mehr Nahrung für Bodenlebewesen. Die wiederum produzieren dadurch mehr Muttererde. Muttererde hält Kohlenstoff zurück – und hinzu kommt: so ein natürlicher Rasen hat eine deutlich kühlendere Wirkung als ein englischer Rasen. Wie auf einer Wiese funktioniert das auch im Wald oder auf dem Acker. Das Problem. Der Mensch hat da bisher wenig Wert draufgelegt, im Vordergrund steht der finanzielle Nutzen einer Wiese, eines Feldes, eines Waldes. Heißt, abgesehen von bergigen, unwägbarem Gelände, werden alle Flächen bebaut, mit Städten, Dörfern, Fabriken, Straßen oder Feldern für die Lebensmittelproduktion. Für Felix Grützmacher vom Naturschutzbund (Nabu) ist deshalb klar: "Hier müssen wir umsteuern, um die Pariser Klimaziele zu erreichen." Allein mit technischen Maßnahmen sei das nicht zu schaffen, so Grützmacher, "wir müssen viel mehr auch in die Ökosysteme schauen. Das bedeutet natürlich, ein ausreichender Schutz unserer Wälder, aber auch der Moore."

Hier müssen wir umsteuern, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Felix Grützmacher, Geograf und Referent für Moorschutz beim NABU

Trockengelegte Moore sind CO₂-Schleudern

Die Moore sind die wichtigsten Kohlenstoffsenken. Moore wurden aber in den letzten 200 Jahren fast komplett über Gräben entwässert. Der Ökologe Ernst Paul Dörfler erklärt, wie:

Ja, ich stehe hier an einem Graben, der ist fünf Meter tief in die Landschaft eingeschnitten und diese Arbeit hat man sich gemacht, um diese Moorfläche hier zu entwässern.

Dr. Ernst Paul Dörfler, Ökologe

Von diesen Entwässerungsgräben gibt es mehrere. Sie nehmen ihren Anfang hundert Meter weiter an einem Moor. Der Boden dort ist schon so trocken, dass schwere Landmaschinen darauf fahren können. Doch das hat einen hohen Preis, sagt der Naturforscher. Wenn das Moor über Gräben entwässert wird, kommt Sauerstoff in den Boden. Dadurch fangen Zersetzungsprozesse an und Kohlenstoffdioxid entsteht. 50 Millionen Tonnen CO₂ emittieren die trockengelegten Moore in Deutschland jedes Jahr. Das ist mehr, als die deutsche Stahlindustrie und ein Fünftel der gesamten CO₂-Emission von Deutschland. Deshalb wäre es wichtig, den Mooren das Wasser zurückzugeben.

Wälder – CO₂-Speicherwunder

Nächstes Beispiel: die Wälder. Ein Drittel der Fläche von Deutschland ist mit Wäldern bewachsen. Aufgrund dieser großen Fläche stehen sie im CO₂ Speicher-Ranking an erster Stelle.

Der Wald zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der sehr viel Biomasse aufbauen kann und dadurch sehr viel CO₂ und damit Kohlenstoff in der Biomasse, in den Bäumen, im Laub, aber auch im Boden gespeichert werden kann.

Dr. Hannes Böttcher, Öko-Institut e.V.

Während Moore eine Art historischer Speicher sind und waren, sind Wälder flexibel. Fast 120 Tonnen Kohlenstoffdioxid stecken in einem Hektar Wald. Laubwälder speichern mehr CO₂ als Nadelwälder. Und Wälder mit vielen Baumarten sind gut für die Artenvielfalt, denn jeder Vogel, jedes Insekt braucht ganz bestimmte Pflanzen, um da zu leben und sich fortzupflanzen. Und das gilt für alle Biotope, egal ob Moor, Wald, Wiese oder Aue. Und nebenbei haben sie auch noch einen kühlenden Effekt.

Gesunde Pflanzen: Viel Fotosynthese, weniger CO₂

"Wenn wir da eine Vegetation haben, die gesund ist, die viel Fotosynthese macht, dann verdunstet die viel und wird uns kühlen. Und wenn Pflanzen gesund sind, machen sie viel Fotosynthese und nehmen viel CO₂ aus der Atmosphäre auf", erklärt Hydrobiologe Rene Orth vom Max-Planck-Institut in Jena.

Ökosysteme wieder herzustellen, lohnt sich also. Sie sind stabil, effizient, binden viel CO₂ und kühlen außerdem noch! Genial, oder?

Annegret Faber

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