Wissen, was wir lesen Durdu und das Plastikmeer. Eine abenteuerliche Weltreise

Jana Rehse
Bildrechte: Tobias Thiergen

Ein Sachbuch für junge Menschen, das gar nichts mit typischen Schulbüchern zu tun hat – eine Geschichte über die spannende Reise der Taube Durdu, die einer Plastiktüte hinterherfliegt und so jede Menge über Plastik und den Müllkreislauf erfährt. Wissen wird hier anhand einer schönen Geschichte vermittelt, die neben dem Umweltschutz auch den Wert von Freundschaften, Abenteuerlust und Aktivismus in den Mittelpunkt stellt. Jana Rehse hat das Buch gelesen.

Cover Durdu und das Plastikmeer
Bildrechte: Oekom Verlag

Die Abbildung zeigt unterschiedlichen Müll zusammen mit der Zeit, die er zur Zersetzung benötigt, von einer Bananenschale (3 Monate) bis zu einer Dose oder einem Tetra Pak (jeweils 100 Jahre)
Die Verbindung von deutlichen Zahlen mit der Abbildung des Mülls macht die Dramatik der Situation klar. Bildrechte: Oekom Verlag / Hansjörg Hartung

Eine Plastiktüte fliegt weg

Ein Sachbuch zum Thema Umweltverschmutzung – erzählt anhand einer wirklich schönen Geschichte mit wahnsinnig anschaulichen Illustrationen. Die Taube Durdu wohnt im Hinterhof von Schülerin Kim und beobachtet die Menschen, die täglich ihren Müll wegwerfen. Dabei freundet sich Durdu mit der Schülerin an. Als ihr eines Tages durch eine Windböe eine Plastiktüte wegfliegt, entscheidet sie sich, der Plastiktüte zu folgen – und ihre abenteuerliche Reise über Ozeane beginnt. Dabei trifft sie viele neue Freunde, die ihr überall auf der Welt von den Problemen mit dem Plastikmüll erzählen.

Die Doppelseite zeigt das System der Mülltrennung. Im Hintergrund sind drei Glascontainer (Weiß-, Braun- und Grünglas) und zu sehen, im Vordergrund Mülltonnen in vier Farben (gelb, Bio, Papier und Restmüll). Legenden in den entsprechenden Farben erläutert das, was in die Tonnen gehört.
So wird Mülltrennung anschaulich. Bildrechte: Oekom Verlag / Hansjörg Hartung

Anders als die Sachbücher im Lehrplan

"Durdu und das Plastikmeer" fasziniert, weil es so gut wie nichts mit den sonst im Schulunterricht behandelten Sachbüchern gemein hat.

Es ist für die Kinder in erster Linie eine spannende Geschichte, die fast nebenbei ein großes – wenn nicht gar das größte – Umweltproblem unserer Zeit beschreibt.

Jana Rehse

Die Kinder erhalten Informationen zu Plastik aber eher nebenbei, weil sie doch in erster Linie mit den Charakteren mitfiebern. So sieht man keine Schildkröte auf einem Foto, die im Netz verheddert ist – sondern eine mit einer Stimme, die sich mit ihrer neuen Freundin Durdu über das Problem austauscht.

In grafisch abgesetzten Blöcken werden auf fast jeder Seite zusätzlich verständliche Hintergrundinfos geliefert. Am Ende des Buches fragt man sich, warum nicht jedes Sachbuch in der Schule die Themen anhand einer durchgehenden Geschichte so farbenfroh und nah dran erzählt. "Durdu und das Plastikmeer" beweist, dass es geht! Apropos Schule: Der Verlag stellt umfangreiches Schulmaterial zum Themenbereich kostenlos im Netz zur Verfügung.

Im Hintergrund ist ein Schiff zu sehen, dass Müll aus Kippen zum Transport verlädt. Im Vordergrund ein lange Reihe von Krebsen, die unbemerkt eigenen Müll unter den des Schiffs schmuggeln. Im Text erzählen die Krebse der Möwe Durdu, dass es ihnen egal ist, wohin der Müll transportiert wird.
Egal wohin. Hauptsache, wir sehen den Müll nicht mehr! Bildrechte: Oekom Verlag / Hansjörg Hartung

Die Kraft des Erzählens

Eliza Girod, Jahrgang 1991, hat in Deutschland, Frankreich und den USA studiert (Frankreichstudien und Kulturwissenschaften). Sie fragt sich, wie durch die Kraft des Erzählens etwas verändert und bewegt werden kann – dieses Buch ebnet dafür sicher einen Weg.

Amelie Hartung hat ebenfalls Kulturwissenschaften und Sprachen studiert. Ihr liegt der Umweltschutz besonders am Herzen, um unsere Erde für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Hansjörg und Miriam Hartung, Vater und Schwester der letztgenannten Autorin, sind für die authentischen Illustrationen und das angenehme Layout verantwortlich.

Cover Durdu und das Plastikmeer
Bildrechte: Oekom Verlag

Die Daten zum Buch Eliza Girod und Amelie Hartung: Durdu und das Plastikmeer. Eine abenteuerliche Weltreise. Illustriert von Hansjörg Hartung, Oekom Verlag 2021, 56 Seiten, 14 Euro, ISBN: 978-3-96238-261-2

Ein großes Problem, für Kinder verständlich aufbereitet

Das Buch ist kindgerecht geschrieben und erklärt die großen Probleme unserer Zeit so, dass nicht nur mein 8-jähriger Sohn, sondern auch sein 5-jähriger Bruder die Problematik verstanden haben. Die Sprache ist dabei so gewählt, dass Kinder ab der 2./3. Klasse die Geschichte schon selbst erlesen könnten – allerdings ist es mit 53 Seiten kein kurzes Buch und setzt Durchhaltevermögen voraus.

Am Anfang steht vor allem die Geschichte von Durdu und ihren Freunden im Mittelpunkt, die sie auf ihrer Reise kennenlernt und die sie auch einen Teil davon begleiten. Am Ende geht es dann stärker um den Aktionismus einer Grundschülerin, die für den Umweltschutz auf die Straße geht (Ich bin sicher nicht die einzige, die dabei sehr an Greta Thunberg erinnert wird). Meine Kinder waren aber eher davon fasziniert, dass man mit Plakaten mit "kreativen Sprüchen" auf die Straße gehen kann (zum Beispiel "Früher war der Fisch in der Verpackung. Heute ist die Verpackung im Fisch"). So unterschiedlich ist die Wahrnehmung!

Ein Wal taucht aus dem Meer auf und schildert Durdu die dramatische Situation, die durch den Plastikmüll in seinem Lebensraum eingetreten ist.
2050 mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren? Bildrechte: Oekom Verlag / Hansjörg Hartung

20 Minuten genutzt, 20 Jahre Müll

Wer seinen Kindern den Grund für die Mülltrennung und den Müllkreislauf anhand einer tollen Geschichte erklären möchte, ist bei "Durdu und das Plastikmeer" gut aufgehoben. Auch der Kreislauf der Ozeane wird dabei ganz nebenbei erläutert. Die Stärke liegt vornehmlich darin, dass Wissen anhand einer schönen Geschichte vermittelt wird, die nicht nur den Umweltschutz im Blick hat, sondern auch den Wert von Freundschaften, Abenteuerlust und Aktionismus in den Mittelpunkt stellt – also echte Literatur statt schnöder Zeigefingerlektüre.

Hängen bleibt dabei jede Menge. Am eindringlichsten ist vor allem für Kinder, dass eine Plastiktüte aus dem Supermarkt 20 Jahre braucht, um in der Natur zersetzt zu werden; dabei trägt man sie oft nicht einmal 20 Minuten vom Einkaufsladen nach Hause.

Jana Rehse
Bildrechte: Tobias Thiergen

Die Rezensentin schaut sich für uns Wissens- und Sachbücher für Kinder an: "Mit zwei kleinen Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter lese und entdecke ich gern Wissensbücher für die Kleinen. Was mir dabei sehr wichtig ist: Ich will den Kindern von Anfang an zeigen, dass Sachbücher per se nichts Langweiliges sind, sondern die Welt der Wissenschaft spannendere Informationen bereit hält als so manche Kindergeschichte."

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