Wissen, was wir lesen Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft. Eine Entdeckungsreise zu den Schwarzen Löchern

Peggy Grunwald
Bildrechte: MDR/Tobias Thiergen

Dass die Schwerkraft nicht nur ein selbstverständlicher Teil unserer Existenz ist, sondern auch Phänomene verursacht, die wir uns wenig bis gar nicht vorstellen können, zeigt diese Buchempfehlung. "Das Buch baut mit Leichtigkeit eine Brücke von den banalsten Alltagserfahrungen zu den unglaublichsten Artefakten und Vorgängen im Universum", sagt MDR WISSEN-Redakteurin Peggy Grunwald.

Cover Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft
Newtons Apfel und Einsteins Raumzeit - vereint auf dem Cover. Bildrechte: Verlag C.H.Beck

Alltäglich und fantastisch

Es geht – wie der Titel nahelegt – um die Schwerkraft, die Gravitation. Es geht um die einzige der vier Grundkräfte, die wir unmittelbar wahrnehmen können und für die wir bereits als Neugeborene ein instinktives Gefühl haben. Die Schwerkraft ist für uns alltäglich, prägt sie doch unsere Umgebung jede Sekunde, jeden Tag, ja unser ganzes Leben lang.

Das Bild zeigt einen weißgrauen Kreis mit einem schmalen transparenten Rand neben den Umrissen der Frankfurter Stadtfläche. Beide Flächen sind vergleichbar, der Kreis ein bisschen breiter, die Stadtfläche etwas länger.
Eines typischer Neutronenstern im Vergleich mit der Innenstadt von Frankfurt (Main). Der Stern hat dabei eine größere Masse als unsere Sonne. Bildrechte: Verlag C. H. Beck

Auf der anderen Seite krümmt sie – wie Einstein entdeckt hat – Zeit und Raum und lässt nahezu unvorstellbare Gebilde wie Neutronensterne oder gar Schwarze Löcher entstehen. Gravitationswellen können das Universum so erzittern lassen, dass wir sein Beben auch noch nach Milliarden Jahren auf der Erde messen können. Fantastisch klingende Objekte wie Pulsare, Wurmlöcher, Gravastars und vieles mehr werden in diesem Buch immer mit dem Fokus auf der Gravitation erklärt.

Raum, Zeit und Schwerkraft, faszinierend beschrieben

Das Buch baut mit Leichtigkeit eine Brücke von den banalsten Alltagserfahrungen zu den unglaublichsten Artefakten und Vorgängen im Universum. Es erklärt sehr anschaulich die Unterschiede zwischen der Newton’schen Physik und dem relativistischen Verständnis der Physik Einsteins. Es berührt eine Vielzahl von verstandenen und weiterhin unverstandenen astrophysikalischen Phänomenen und schreckt auch vor Themen wie Quantengravitation und Singularitäten nicht zurück.

Vier Teilaufnahmen vom Schwarzen Loch M87, Ansichten aus unterschiedlichen Auflösungen (resp. Entfernungen). Vier gelb/orange/rot eingefärbte Objekte, aus der größten Entfernung fast ein Kreis, aus größerer Nähe eher wolkige Formationen.
Mit M87 gelang erstmals die Aufnahme eines Schwarzen Lochs. Luciano Rezzolla war daran beteiligt. Bildrechte: Verlag C. H. Beck

Der Zusammenhang von Raum, Zeit und Schwerkraft wird hier so klar beschrieben, dass man sich der Faszination nicht entziehen kann. Hochspannend und aus erster Hand beschreibt Rezzolla auch, wie mit dem Bild aus dem Zentrum von M87 im Jahr 2017 das erste Foto eines Schwarzen Lochs gelang.

Spezialist für Objekte im All

Der Autor Luciano Rezzolla ist Astrophysiker. Er stammt aus Italien, studierte dort und in den USA, kam dann an das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik nach Potsdam und ist seit 2013 Professor für theoretische Astrophysik an der Universität Frankfurt am Main.

Links im Bild eine sternförmige weiße Lichtquelle vor schwarzem Grund, rechts eine Art transparenter Wand, auf der sich ein runder schwarzer Schatten abbildet, der von einem kleinen runden Gebilde vor der Lichtquelle, "Ereignishorizont" genannt, ausgeht.
Ein Schwarzes Loch wirft "Schatten", die der Betrachter sehen kann. So finden Forschende diese faszinierenden Himmelsobjekte. Bildrechte: Verlag C. H. Beck

Rezzolla hat sich auf die verrücktesten Objekte im All spezialisiert: Neutronensterne und Schwarze Löcher. Als Mitglied des Event Horizon Telescope Teams war er maßgeblich daran beteiligt, 2017 das erste Foto eines Schwarzen Lochs aufzunehmen (zusammen mit Heino Falcke)

Cover Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft
Bildrechte: Verlag C.H.Beck

Die Daten zum Buch Luciano Rezzolla: Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft. Eine Entdeckungsreise zu den schwarzen Löchern. Aus dem Italienischen von Enrico Heinemann. Verlag C. H. Beck 2021, 269 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3-406-77520-8

Anspruchsvolle Zusammenhänge, einleuchtend erklärt

Rezzollas große Stärke ist es, mathematisch anspruchsvolle Zusammenhänge sehr einleuchtend zu erklären. Er schreckt dabei nicht vor Formeln zurück, reduziert sie aber so gekonnt, dass sie leicht verdaulich und immer noch erhellend sind: Dadurch ist das Buch verständlich für all jene, die ein Grundinteresse für Astrophysik mitbringen.

Der Autor beschreibt die mathematisch- physikalischen Zusammenhänge konkret und klar und stellt so ein abenteuerliches Phänomen der Schwerkraft nach dem anderen vor.

Peggy Grunwald

Das Bild zeigt ein trichterförmiges Gebilde, in das lustig gestaltete Objekte (z.B. ein Doppeldeckerbus, eine Schatztruhe und eine Kuh) hineingezogen werden. Darunter die Abkürzungen für Masse (M), Drehmoment (J) und elektrische Ladung (Q).
Der Autor erklärt Formeln bildlich. Hier beschreibt er die typischen Eigenschaften eines schwarzen Lochs. Bildrechte: Verlag C. H. Beck

Das Mysterium bleibt

Die Gravitation ist allgegenwärtig; sie prägt uns und die fernsten Ränder des Universums. Und dabei ist sie so viel mehr als einfach nur eine "schwere Kraft". Schon Newton konnte sie nahezu vollständig erklären und berechnen. Dank der Einsteinschen Gleichungen können wir sogar die Kollision von sich umkreisenden Schwarzen Löchern simulieren. Und doch will sie sich einfach nicht mit der Quantentheorie vereinbaren lassen. Sie bleibt ein perfekt kalkulierbares Mysterium.

Peggy Grunwald
Bildrechte: MDR/Tobias Thiergen

Die Rezensentin Peggy Grunwald liebt es, sich als Redakteurin bei MDR WISSEN mit naturwissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und findet privat Entspannung, wenn sie sich mit Pflanzen, klassischer Musik oder Meteorologie beschäftigt