Entwickelt in Dresden Online-Training als Burnout-Prävention für Pflegekräfte

Menschen in Pflegeberufen stehen stark unter Druck – und das nicht erst seit die Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt sind. Die Pflegearbeit geht an die Substanz, körperlich und seelisch. Der Alltag ist stressig, es fehlt Personal. Wie soll man damit umgehen? Und wie lässt sich ein Burnout vermeiden? Die TU Dresden entwickelt dazu gerade Online-Trainings. Diese sollen Pflegekräfte helfen, mit Stress und emotionaler Belastung besser umzugehen.

Gestresste junge Ärztin
Gestresste junge Ärztin (Themen-Archivbild): Ein Online-Training der TU Dresden soll Medizin- und Pflegepersonal vor dem Burnout schützen. Bildrechte: IMAGO / McPHOTO

"Penelope" heißt das Projekt, das künftig die psychische Gesundheit der Pflegekräfte schützen soll. Es besteht aus drei unterschiedlichen Online-Trainings, sagt die Arbeitspsychologin Denise Dörfel von der TU Dresden, die an dem Projekt mitarbeitet. Sie erklärt auch, wieso ausgerechnet Online-Trainings ein geeignetes Mittel sind:

Nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch, weil die natürlich schnell nutzbar und besser in den Alltag integrierbar sind.

Denise Dörfel, Arbeitspsychologin

So vermittelt das erste Trainingsmodul den Pflegekräften zur angewandten Entspannung eine Möglichkeit, sich wirklich sehr schnell zu entspannen. Im zweiten Training gibt es Übungen zur besseren Pausengestaltung. In einem dritten Training werden Kompetenzen vermittelt, um besser mit emotionalen Belastungen umzugehen.

Drei Module à zwanzig Minuten

Eine Frau bei einer Entspannungsübung im Sessel
Auch Entspannungsübungen werden vermittelt (Themen-Archivbild). Bildrechte: imago images/Westend61

Die Trainings bestehen aus einzelnen Modulen, die jeweils maximal zwanzig Minuten dauern. Und sie richten sich auch an Führungskräfte, erklärt Denise Dörfel. Auch die müssen lernen, wie man das Teamklima verbessern kann und wie man mit den emotionalen Belastungen der Teammitglieder umgehen sollte: "Deshalb versuchen wir nicht bloß die einzelnen individuellen Fähigkeiten, sondern auch das Teamklima zu verändern, um allen in dem Team zu helfen, wenn die Führungskraft mehr weiß und mehr Kompetenzen entwickelt."

Übungsbeispiele per Video-Clip

Die Pflegekräfte lernen zum Beispiel, mit Hilfe von kurzen Filmen und meditativen Übungen, wie sie Muskeln und Geist in Sekundenschnelle komplett entspannen können. Außerdem gibt es Schulungen, wie man überhaupt bei anderen und auch bei sich selbst bestimmte Emotionen erkennt, erklärt Dörfel:

Denise Dörfel
Bildrechte: TUD/Kirsten Lassig

Wie fühlt sich das an, wenn ich mich wegen etwas schuldig fühle, wenn ich bei dem Patienten etwas nicht ganz exakt gemacht habe? Welche Strategien helfen mir, um mit diesen Emotionen umzugehen?

Denise Dörfel, Arbeitspsychologin
Erschöpfte junge Ärztin
Ärzte und Pflegekräfte leiden häufig unter hohem Stress. Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Dabei werden verschiedene Strategien vorgestellt, zum Beispiel, die Perspektive zu wechseln. Dörfel erzählt: "Wenn wir einen Patienten haben, der immer Ärger bei der Schwester hervorruft, könnte sogenannte Biografie-Arbeit eine gute Strategie sein, bei der man mehr über die Patienten und deren Leben lernt. Das kann helfen, einen eher schwierigen Bewohner oder Patienten besser zu verstehen. Dann tritt diese starke Emotion von Ärger zum Beispiel gar nicht erst auf."

Forschungsarbeit als Grundlage

Allen Trainingseinheiten liegt viel Forschungsarbeit zugrunde. Man habe sich auf Methoden konzentriert, die sich in unterschiedlichen wissenschaftlichen Studien als wirksam herausgestellt haben, sagt die Arbeitspsychologin: "Wir führen natürlich selbst eine Evaluation durch, mit Vorher-Nachher-Messung. Auch eine sogenannte Follow-Abmessung nach mehreren Monaten. Dabei wird gemessen, ob die psychische Gesundheit sich verbessert hat."

Testlauf mit 1.500 Probanden

Weibliche Pflegekraft mit Burnout
Weibliche Pflegekraft: Burnouts sind eine ernstzunehmende Gefahr. Bildrechte: IMAGO / epd

Ab Juni werden die Online-Trainings mit 1.500 Probanden getestet. Das Projekt wird gefördert und begleitet von der AOK Plus in Sachsen und Thüringen. Pflegekräfte sollen auch langfristig fit bleiben, sagt Lisa Beutler von der AOK Plus: "Dafür ist es auch wichtig, dass wir ein kostenloses Training zur Verfügung stellen, damit wirklich jeder Mitarbeitende der Pflegebranche dieses Training nutzen kann. Das ist der Vorteil, wenn es digital gemacht wird. Es kann jederzeit genutzt werden, als Training in Kurzpausen, Mittagspausen und nach der Arbeit kann es relativ schnell absolviert werden. Dadurch kann man langfristig die eigene Gesundheit stärken."

Auch Gesamtsystem braucht Veränderung

Das bekräftigt auch Denise Dörfel. Doch für eine nachhaltige Verbesserung der Pflegesituation könne die Wissenschaft nicht allein sorgen, sagt sie: "Wir können mit unseren Trainings natürlich nicht das Gesamtsystem ändern, weil wir ja an den individuellen Fähigkeiten der Pflegekräfte ansetzen. Die können wir nur stützen. Aber das Gesamtsystem muss noch von anderer Seite verändert werden. Und dann haben wir auch einen viel größeren Nutzen für die Gesamtgesellschaft."

Link zur Anmeldung

Aktuell sucht die TU Dresden Pflegekräfte, die in Workshops mithelfen, die Trainingsinhalte bedarfsgerecht und praxisnah zu gestalten. Hier können Sie sich anmelden.

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