Corona Forschung aktuell: 5. November In Dänemark springt Corona zwischen Menschen und Nerzen hin und her

In Dänemark ist Corona auf Zuchtnerze übergesprungen und wurde dann zurück auf Menschen übertragen. Forscher befürchten dadurch gefährliche Mutationen von Sars-CoV-2, jetzt werden Millionen Tieren getötet.

Nerzfarm in Ostflandern
In Dänemark wird das Coronavirus zwischen Menschen und Nerzen hin und her übertragen (Archivbild). Bildrechte: imago/Reporters

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Corona

Die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Sars-CoV-2-Pandemie hängen davon ab, ob ein wirksamer Impfstoff entwickelt werden kann. Wie weit ist die Forschung davon noch entfernt und welche Probleme tauchen auf? MDR Wissen verschafft Ihnen hier täglich den Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über Corona.

Gefährliche Corona-Mutation: Dänemark schlachtet alle Nerze

In Dänemark ist eine gefährliche Mutation des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 aufgetaucht, die von Menschen auf Nerze und wieder auf Menschen übertragen werden kann. Diese Veränderung des Virus könnte Auswirkungen auf die Wirksamkeit von Impfungen gegen Covid-19 haben. Dänemark hat deswegen beschlossen, alle Tiere zu töten. In dem Land leben viele Millionen Exemplare der Verwandten von Mardern auf Farmen. Dort werden sie wegen ihres Fells gezüchtet, das normalerweise zu Pelzen weiterverarbeitet wird. Allerdings werden die jetzt getöteten Tiere samt Fell vollständig verbrannt, um die Verbreitung der mutierten Coronavariante zu stoppen.

Zwar hätten die Tiere augenscheinlich wenig Probleme mit dem Virus. Es würde sich aber in den Tierbeständen einerseits rasend schnell verbreiten und andererseits stark verändern, berichtet ARD Korrespondent Christian Stichler bei der tagesschau. Er zitiert den dänischen Virologen Anders Formsgaard mit den Worten: "Wir können mit Genanalysen klar nachweisen, dass sich das Virus vom Menschen auf den Nerz überträgt, dort schnell mutiert und danach seinen Weg wieder zurück zum Menschen findet. Wir sehen, dass in Nordjütland schon jeder dritte Coronafall auf die Nerzfarmen zurückzuführen ist." Dänemark ist der weltweit größte Produzent von Pelzen, im Land gibt es laut dem Magazin Der Spiegel über 1.000 Zuchtfarmen mit mehr als 15 Millionen Tieren.

Update 10.11.: In dem Beitrag hieß es ursprünglich, Nerze seien Nagetiere. Das war ein Fehler. Tatsächlich gehörten die Tiere zur Familie der Hundeartigen und sind eng mit Mardern verwandt. Eine neue Studie im Journal Science hat jetzt die Übertragungen von Corona von Menschen zu Nerzen und zurück mit genetischen Analysen nachgewiesen.

Forscher entwickeln CRISPR-Coronatest

CRISPR-Cas9 ist der Name einer sogenannten Genschere, also eines Mechanismus, mit dem sich biologische Erbinformation einfach und gezielt verändern lassen. Für die Entdeckung dieses Werkzeugs, das natürlicherweise in Bakterien vorkommt, haben die beiden Mikrobiologinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna kürzlich den Nobelpreis für Chemie erhalten.

Jetzt stellt ein Team um Ashwin Ramachandran von der US-Eliteuni Stanford einen Coronatest vor, der auf der CRISPR-Technologie beruht, in diesem Fall auf dem Enzym CRISPS-Cas12. Das Verfahren bietet verschiedene Vorteile, schreiben die Forscher im renommierten Journal PNAS. Einerseits ist die Technologie kompakt und kann überall hin mitgenommen werden. Andererseits wird die Virus-RNA, sofern sie in einem Nasen-Rachenabstrich vorhanden ist, automatisch gereinigt. Eine Probe muss also nicht gesondert für den Test vorbereitet werden. Deshalb geht das Verfahren auch besonders schnell. Bei den Forschern dauerte es von der Probe bis zum Testergebnis nur 35 Minuten.

Uni Halle erhält 1,76 Millionen Euro für Corona-Forschung

Grafische Darstellung, wie das Corona-Spikeprotein und der ACE-2-Rezeptor der menschlichen Zelle miteinander verschmolzen sind.
Im ersten Schritt des SARS-CoV-2 Infektionsprozesses wird der ACE2-Rezeptor (pink/hellblau) auf der menschlichen Zellmembran (grau) durch das virale S-Protein (grün/gelb) erkannt und gebunden. Bildrechte: Milton T. Stubbs, ZIK HALOmem

Ein Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) untersucht in einem neuen Forschungsprojekt, wie sich die Coronaviren vom Typ Sars-CoV-2 in verschiedenen Menschen an den sogenannten ACE-2-Rezeptor binden. Indem die Viren mit ihrem Spikeprotein an den Rezeptoren andocken - auch dabei handelt es sich um Proteine - dringen sie in die menschlichen Zellen ein, wo sie sich vermehren können. "Das ist der erste Schritt einer Infektion", sagt Milton Stubbs vom Zentrum für Innovationskompetenz (ZIK) HALOmem. Dass Menschen je nach ihrer genetischen Veranlagung unterschiedliche Varianten des ACE-2-Rezeptors ausbilden, könnte laut dem Team eine der Ursachen sein, warum einige Menschen stärker an Corona erkranken als andere. "Es ist möglich, dass es je nach Variation zu einer stärkeren Wechselwirkung zwischen den Membranproteinen von Virus und Zelle kommt", erklärt Stubbs. "Wir wollen herausfinden, ob manche Menschen aufgrund von genetisch bedingten Besonderheiten ihres Membranproteins besonders anfällig sind und warum." Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,76 Millionen Euro gefördert.

(ens)

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