Covid-19 Corona: Nicht überall starben in der Pandemie mehr Menschen

Forscher aus Deutschland und Israel haben erstmals global die Sterbedaten der Corona-Pandemie ausgewertet. Die für 103 Länder verfügbaren Daten ergeben ein sehr differenziertes Bild der Auswirkungen von Covid-19 – unabhängig von der Corona-Teststrategie und -kapazität, den gemeldeten Infektionszahlen oder auch der Berichtspolitik der Länder.

Globale Fälle mit COVID-19, visualisiert am Center for Systems Science and Engineering CSSE der Johns Hopkins Universität
Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

  • Die Übersterblichkeit in Deutschland lag unter der der europäischen Nachbarländer, ausgenommen Dänemark.
  • In Australien und Neuseeland starben weniger Menschen als in vergleichbaren Zeiträumen vor der Pandemie.
  • Die AHA-Regeln haben viele Menschenleben gerettet.
  • Nicht alle Länder haben genaue Daten angegeben.

Wie tödlich waren die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in der Welt? Auf diese Frage haben Forscher der der Universität Tübingen und der Hebräischen Universität Jerusalem erstmals eine Antwort gefunden, unabhängig von offiziell gemeldeten Corona-Zahlen. Dafür haben sie die aktuell größte Sammlung weltweiter Sterbedaten für 103 Länder in vergleichbarer Form in einer im Fachmagazin "eLife" erschienenen Studie aufbereitet. Das Ergebnis der Untersuchungen zeigt zum einen, dass die Pandemie weltweit gewütet hat – und es noch tut –, aber die Auswirkungen von Land zu Land sehr unterschiedlich sein können.

"Uns hat interessiert, ob eine Übersterblichkeit durch die Pandemie zu verzeichnen war, und wenn ja, in welchem Umfang – und ob die Zahlen über die Länder hinweg vergleichbar waren", erklärt Ariel Karlinsky, einer der Studienautoren. Die Analysen ergaben, dass in einigen der Länder, die am schlimmsten von Covid-19 betroffen waren – vor allem Peru, Ekuador, Bolivien und Mexiko – die Übersterblichkeit bei mehr als 50 Prozent der zu erwartenden jährlichen Sterblichkeitsrate lag. In Europa hatten besonders östliche Staaten wie Bulgarien, Serbien und Tschechien hohe Zahlen an Corona-Toten.

Daten können bei weiteren Studien helfen

Während die Todeszahlen in einigen lateinamerikanischen Ländern in der Pandemie um mehr als die Hälfte stiegen, starben in Australien und Neuseeland sogar weniger Menschen als in vergleichbaren Zeiträumen vor der Pandemie. In Deutschland blieb die Übersterblichkeitsrate – die Zahl der Toten über die zu erwartende Sterblichkeitsrate hinaus – unter der der europäischen Nachbarländer: bei 40.000. "Das sind viel weniger als die 90.000 offiziell gemeldeten Toten durch COVID-19", erläutert der zweite Studienautor Dr. Dmitry Kobak. In Nachbarländern wie den Niederlanden, Frankreich oder der Schweiz war die Übersterblichkeit teils mehr als doppelt so hoch. Wahrscheinlich ist ein Grund dafür, dass die Sterbezahlen bei anderen Atemwegserkrankungen durch die Corona-Schutzmaßnahmen gesunken sind – die AHA-Regeln haben also viele Leben gerettet.

Warum sich die Übersterblichkeitszahlen in benachbarten Ländern teilweise so deutlich unterscheiden, müssten dagegen noch weitere Studien klären. Diese könnten dann auch auf dem umfassenden Datensatz des internationalen Forscherteams aufbauen, wie Dr. Kobak betont: "Insgesamt erhalten wir durch unsere Ergebnisse ein umfassendes Bild der Folgen der Covid-19-Pandemie. Unser Datenbestand soll auch anderen Forschern helfen, ihre Fragen zur Pandemie zu beantworten." Eventuell können diese noch weitere Daten nutzen, denn einige Länder hätten laut den Studienautoren keine Daten geliefert und andere – darunter Nicaragua, Weißrussland, Ägypten und Usbekistan – nur weniger als ein Zehntel der tatsächlichen Pandemietoten gemeldet.

Übersterblichkeitszahlen ausgewählter Länder
Land offiziell gemeldete Corona-Tote absolute Übersterblichkeit zusätzliche Tote pro 100.000 Einwohner Daten vorhanden bis zum
Deutschland 90.000 39.000 50 20. Juni 2021
Frankreich 110.000 72.000 110 13. Juni 2021
Österreich 10.0000 9.800 110 12. Juni 2021
Schweiz 10.000 8.600 100 06. Juni 2021
Schweden 15.000 8.900 90 06. Juni 2021
Großbritannien 130.000 110.000 160 13. Juni 2021
USA 590.000 640.000 190 13. Juni 2021
Russland 110.000 500.000 340 30. April 2021
Australien 910 -3.700 -10 28. März 2021
Neuseeland 30 -1.900 -40 06. Juni 2021
Peru 190.000 190.000 590 27. Juni 2021
Bulgarien 18.000 32.000 460 20. Juni 2021
Serbien 6.900 28.000 400 31. Mai 2021
Nordmazedonien 4.900 8.600 420 30. April 2021

gp/cdi

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