Corona Altersstruktur: Wer liegt mit Covid-19 auf der Intensivstation?

Das DIVI-Intensivregister meldet inzwischen täglich, zu welcher Altersgruppe Covid-19-Patienten gehören. Die Altersstruktur ist jetzt anders als zum Ende der dritten Welle. Die Intensivpatienten sind jünger.

Heute (14. September) gibt es mehr 30-bis-39-jährige Covid-19-Intensivpatienten als Über-80-jährige. Das ist eine Erkenntnis dieses Diagramms, das täglich gegen 15 Uhr aktualisiert wird. Eine andere: Die vier Altersgruppen zwischen den schon genannten dominieren auf den Intensivstationen, machen zusammen mehr als drei Viertel der Patienten aus, wobei die Altersgruppe von 50 bis 59 Jahren die am stärksten vertretene ist.

Intensivmediziner berichten schon seit geraumer Zeit davon, dass ihre Covid-19-Patienten nun im Schnitt deutlich jünger sind als in der zweiten oder dritten Welle. Allerdings gab es früher keine täglichen Zahlen. Jetzt schon. Die Intensivstationen sind nun angehalten, auch zu melden, zu welcher Altersgruppe ihre Covid-19-Patienten gehören.

Die ersten Meldungen dieser Art gab es Ende April, in den letzten Ausläufern der dritten Welle. Anfangs beteiligten sich noch nicht genügend Kliniken, sodass die allerersten absoluten Zahlen im April und Mai zu niedrig sind. Aber schnell pegelte sich die Meldebereitschaft auf über 90 Prozent ein, mittlerweile liegt sie recht stabil bei über 95 Prozent.

Das folgende Diagramm zeigt den zeitlichen Verlauf, wie viele Menschen aus der jeweiligen Altersgruppe mit Covid-19 auf der Intensivstation lagen. Gezählt wurden aber eben nur Patienten, deren Alter gemeldet wurde. Wenn Sie auf einen Datenpunkt klicken, erhalten Sie genauere Angaben dazu.

Diese Kurven aus den absoluten Patientenzahlen sind das eine. Aber Veränderungen in der Altersstruktur der Intensivpatienten lassen sich besser veranschaulichen, wenn man die prozentualen Anteile vergleicht. Wir zählen also jeden Tag aufs Neue alle Covid-19-Intensivpatienten. Diese Gesamtzahl entspricht jeden Tag 100 Prozent. Wie hoch ist dann der Anteil der verschiedenen Altersgruppen?

Das Diagramm zu dieser Frage zeigt, dass seit Ende der dritten Welle der Anteil der jungen und mittleren Altersgruppen deutlich größer geworden ist – der der 60-bis-79-Jährigen dagegen deutlich kleiner. Mit der Schaltfläche "Angezeigte Altersgruppen" können Sie selbst bestimmen, welche Kurven angezeigt werden sollen.

Auch als Flächendiagramm kann man das darstellen. Als Lesehilfe, weil Flächendiagramme nicht so oft benutzt werden: Je "dicker" (bzw. höher) hier ein farbiger Streifen ist, umso größer ist der Anteil der Altersgruppe, für die diese Farbe steht. Auch hier wird deutlich, dass die jungen und mittleren Altersgruppen nun (rechts) stärker vertreten sind als im Frühjahr (links).

All diese Diagramme werden täglich aktualisiert. Und Sie finden Sie auch auf unserer Startseite bei der Diagramm-Rubrik "Lage auf den Intensivstationen".

Daten könnten anwenderfreundlicher sein

Aus datenjournalistischer Sicht ist es natürlich hilfreich, wenn immer mehr neue Daten zur Verfügung gestellt werden. Das RKI schlüsselt Infektionsinzidenz und Hospitalisierungsinzidenz mittlerweile nach Altersgruppen auf. Es gibt auch Daten zur Impfquote in verschiedenen Altersgruppen. Und jetzt also auch die Intensivpatienten nach Altersgruppen.

Da kommt sofort der Gedanke auf, man könnte doch viel mehr daraus berechnen, zum Beispiel die statistische Wahrscheinlichkeit, mit der ein Infizierter einer bestimmten Altersgruppe ins Krankenhaus oder sogar auf die Intensivstation muss. Also gewissermaßen das Risiko für einen schweren Verlauf abhängig vom Alter. Theoretisch wäre das relativ leicht zu berechnen.

Praktisch ist es leider nicht umsetzbar, weil die verschiedenen Datensätze völlig verschiedene Grenzen bei den Altersgruppen ziehen. Bei der Infektionsinzidenz sind es 19 Altersgruppen in Fünf-Jahre-Abständen, bei der Krankenhaus-Inzidenz sechs Gruppen in sehr unregelmäßigen Abständen, bei der Impfquote nur drei sehr große Altersgruppen und bei den Intensivpatienten acht Altersgruppen mit zum Teil unregelmäßigen Abständen.

Deckungsgleiche Altersgruppen in diesen so wichtigen Statistiken von RKI und DIVI wären deutlich besser.

(rr)

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