Corona Impfungen Ladenhüter Novavax: Auch Totimpfstoffe werden Impfgegner nicht überzeugen

Gesundheitspolitiker und Experten hofften, Totimpfstoffe würden Impfzögerer doch noch überzeugen. Doch nun ist Novavax ein Ladenhüter. Und Studien zeigen, dass auch partielle Impfpflichten das wohl nicht ändern können.

Ein Mann mit verschiedenen umgehangenen Transparenten
Für viele Ungeimpfte ist ihr Impfstatus zu einer Identitätsfrage geworden. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO/ZUMA Wire

Gut drei Wochen ist Nuvaxovid, der Corona-Impfstoff von Novavax, nun in Deutschland verfügbar. Aber obwohl die zugrundeliegende Impfstofftechnologie lang etabliert und wirksam und der Impfstoff selbst gentechnikfrei ist, bleibt die Nachfrage verhalten. Weder ungeimpfte Pflegekräfte noch andere Impfskeptiker melden sich nun in großer Zahl zur Impfung an. Warum ist der von vielen angeblich lang erwartete Totimpfstoff ein Ladenhüter? Ergebnisse des Covid-19 Snapshot Monitorings (COSMO) der Universität Erfurt deuten auf mögliche Ursachen hin.

Angebliches Warten auf Totimpfstoffe war nur eine Ausrede

"Wir haben bereits in einer Umfrage im letzten November gesehen, dass die Erwartungen an den neuen Impfstoff überschätzt sind", erklärt Philipp Sprengholz, Forscher im Team hinter der COSMO-Studie. Damals hatten die Wissenschaftler am Telefon Ungeimpfte befragt und dabei in zwei Gruppen eingeteilt. In der einen Gruppe wurden die Teilnehmenden gefragt, ob Sie bereit wären, sich mit einem Totimpfstoff impfen zu lassen, sollte dieser im kommenden Monat verfügbar sein. In der anderen Gruppe wurde die Impfbereitschaft für den Fall abgefragt, dass der Totimpfstoff erst in sechs Monaten verfügbar wäre.

Die Bereitschaft fiel in beiden Gruppen niedrig aus. "Interessanterweise lag sie aber etwas höher, wenn die Impfbereitschaft für in sechs Monaten abgefragt wurde. Offensichtlich waren die Befragten eher bereit, sich für eine Impfung auszusprechen, wenn diese noch in weiter Ferne lag", sagt Sprengholz. Womöglich hääte der eine oder andere die Impfung mit dem Totimpfstoff als Ausrede vorgeschoben, um in Diskussionen um das Impfen in Ruhe gelassen zu werden.

Stolz auf den eigenen Impfstatus

Tatsächlich scheint den vielen Ungeimpften nicht entscheidend zu sein, wie sicher, etabliert oder gut erforscht ein Corona Impfstoff ist. "Die geringe Akzeptanz des Impfstoffs kann aber auch noch andere Gründe haben, die mit dem Impfstoff selbst gar nicht so viel zu tun haben", sagt Sprengholz. "Die Schwere einer Coronainfektion wird im Vergleich zum Jahreswechsel heute deutlich geringer eingeschätzt. Verbunden mit den kürzlichen Lockerungen verspüren ungeimpfte Menschen eine geringe Notwendigkeit sich impfen zu lassen und das wirkt sich natürlich auch auf die Akzeptanz des Novavax-Impfstoffs aus."

Darüber hinaus sei der Impfstatus für viele Menschen mittlerweile zu einem Teil der eigenen Identität geworden. "Daten aus einer unserer anderen Studien zeigen, dass viele Menschen stolz auf die Impfung oder Nichtimpfung sind und sich mit Menschen verbunden fühlen, die ebenfalls geimpft oder nicht geimpft sind", erklärt Sprengholz.

Bei ungeimpften Personen hänge die Identifikation mit dem Ungeimpftsein zum Beispiel mit einer niedrigeren Impfbereitschaft zusammen und der Wahrnehmung, dass dem eigenen Umfeld die Impfung nicht so wichtig ist. "Wir können über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nur spekulieren. Es ist aber durchaus möglich, dass Menschen, die sich seit über einem Jahr gegen die Impfung verwahrt haben, diese Verweigerungshaltung als wichtigen Teil der eigenen Person sehen." Solche Menschen würden sich auch dann nicht impfen lassen, wenn ein neuer Impfstoff auf den Markt komme, der auf etablierten Technologien beruhe und damit eigentluch besser akzeptiert werden müsste.

Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Zur Not kündigt man eben

Auch in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen wurde der neue Impfstoffe bisher wenig verimpft. Daran hat auch die einrichtungsbezogene Impfpflicht bislang nichts geändert. "Unseren Daten zufolge lassen es die Ungeimpften darauf ankommen", sagt Sprengholz. In einer Studie aus dem Februar hielten ungeimpfte Befragte, die von der einrichtungsbezogene Impfpflicht betroffen waren, diese für nicht realisierbar – und gaben an, sich nach einer anderen Arbeit umzusehen, sollte die Pflicht doch durchgesetzt werden. Daran, dass eine Impfpflicht vulnerable Gruppen wie hochbetagte Senioren in Altenpflegebereichen schützen könne, wollten Ungeimpfte nicht glauben.

Klar ist auch, die Ursachen dieser Spaltung liegen tiefer, als nur Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Ungeimpfte trauen oft weder der Bundesregierung, noch dem Robert Koch-Institut oder der Wissenschaft und stehen auch ihren Hausärzten bestenfalls neutral gegenüber. Die COSMO-Forschenden empfehlen daher den Regierungen vor allem, mit ihren Pandemie-Maßnahmen lieber das Vertrauen der Geimpften zu erhalten, anstatt um das Vertrauen derjenigen zu kämpfen, die nicht mehr erreichbar sein wollen.

Hoffen, dass die Kliniken nicht mehr überlastet werden

Alles in allem kann die Gesellschaft für die Ungeimpften wohl nicht mehr viel tun, außer zu hoffen, dass möglichst viele im Fall einer Ansteckung nur mild erkranken und die Belastung für Kliniken handhabbar bleibt.

(ens)

Update: In diesem Beitrag wurden nach kritischem Feedback einige Aussagen präzisiert.

Person Schutzkleidung präsentiert eine Ampulle Novavax-Impfstoff 4 min
Bildrechte: imago images/Pixsell

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 15. März 2022 | 19:30 Uhr

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