Covid-19 Corona-Impfkampagne: Was überzeugt die letzten Zögerer?

Rund drei Viertel aller Deutschen, für die es eine zugelassene und empfohlene Impfung gegen Covid-19 gibt, haben sich mindestens einmal impfen lassen? Wir kann der Rest überzeugt werden? Forscher haben Ideen.

Hinweis an Tür: Zutritt nur mit Impfung
Strenge Einlassregeln, bei denen Ungeimpften der Zutritt verweigert wird, könnten die Impfbereitschaft weiter steigern. Bildrechte: imago images/Bihlmayerfotografie

Die Impfkampagne stockt, sagen besorgte Experten. Stimmt gar nicht, halten optimistischere Forscherinnen und Forschern entgegen – und verweisen auf die Zahlen: Stand 13. September haben sich 75 Prozent der über 12-Jährigen in Deutschland laut dem Bundesgesundheitsministerium mindestens einmal impfen lassen. Das bedeutet, drei von vier derjenigen, für die es einen zugelassenen und empfohlenen Impfstoff gibt, haben davon Gebrauch gemacht.

Weil das Virus durch die Deltavariante heute allerdings sehr viel ansteckender ist, als zu Beginn der Pandemie, reicht das leider nicht aus. Beim Robert Koch-Institut haben Forscher bereits im Juli errechnet: Erst, wenn 85 bis 90 Prozent aller Berechtigten vollständig geimpft sind, würde die Lage in den Notaufnahmen und Intensivstationen wieder dauerhaft stabil bleiben. Wie also können die Zögerer überzeugt werden? Braucht es mehr Impfangebote vor Ort oder mehr Informationen?

Zögerliche: Viele Bedenken, die Impfung könnte nicht sicher sein

Cornelia Betsch, Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt führt mit ihren Mitarbeitern regelmäßig das COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO) durch, eine Umfragestudie, bei der eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung regelmäßig zu Corona-Themen befragt wird. Die jüngste Befragung Anfang September zeigte: Knapp 20 Prozent wollen sich impfen lassen und waren bisher einfach nicht dazu gekommen oder noch nicht an der Reihe.

Umgekehrt machten die Impfverweigerer knapp 56 Prozent der übrig gebliebenen aus. Das sehe vielleicht nach viel aus, tatsächlich sei die Größe dieser Gruppe über den Verlauf der Pandemie aber sehr stabil geblieben oder eher ein Stück kleiner geworden, so Cornelia Betsch bei einem Pressegespräch des Sciencemediacenters. Wichtigste Zielgrippe sind aus Ihrer Sicht vor allem die 24 Prozent Unsicheren, Zögerlichen, die eine Impfung zwar nicht ablehnen, aber Bedenken haben. In der Tendenz sind sie eher jünger, weiblich, haben Kinder, keinen Job, eine niedrige Bildung und kennen niemanden, der schon an Covid-19 erkrankt ist. Oft suchten sie viele Informationen, um die Risiken abzuwägen und hielten die Impfung eher nicht für sicher.

Impfentscheidung sollte kein politisches Statement sein

Porträtfoto von der Wissenschaftlerin Cornelia Betsch
"Impfen ist eine wichtige Gesundheitsentscheidung, kein politisches Statement", sagt Prof. Cornelia Betsch. Bildrechte: Marco Borggreve /Universität Erfurt

Gerade Frauen machten sich häufiger Gedanken, eine Impfung könne die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. "Hier hat sicher geholfen, dass die Stiko die Impfung jetzt auf für Schwangere empfiehlt", sagt Betsch. Ein anderes Problem sei die weitverbreitete Auffassung, die Entscheidung sich impfen zu lassen oder nicht sei ein Mittel, seinen Protest gegen die herrschende Politik auszudrücken. "Da muss man ganz klarmachen: Impfen ist eine wichtige Gesundheitsentscheidung, kein politisches Statement", sagt Betsch. Wichtig sei daher, dass vor allem Ärzte mehr für die Impfung werben, weniger die Politik, der in Wahlkampfzeiten noch weniger vertraut werde als sonst.

Ob die nun beginnende Woche der aufsuchenden Impfaktionen vor Baumärkten und auf anderen öffentlichen Plätzen ein Erfolg werde, hänge laut Betsch von der Kommunikation ab. "Wenn wir es in dieser Woche schaffen, die Köpfe aufzumachen, dann kann das funktionieren." Man müsse dann aber klar zeigen: "Das wissen wir jetzt neu, hier ist der aktuelle Stand in Bezug auf Sicherheit, deshalb sollen sich jetzt Schwangere impfen und so weiter." Die größte Frage sei, ob die bislang impfskeptischen Gruppen bei diesen Aktionen erreicht würden, Migranten, Ostdeutsche, Menschen ohne Arbeit.

Pflicht senkt die Impfbereitschaft und schadet möglicherweise der Auffrischungsimpfung

Felix Rebitschek, wissenschaftlicher Leiter des Harding Zentrums für Risikokompetenz an der Universität Potsdam, glaubt: "Es könnte helfen, Institutionen einzubinden, die in täglichem Kontakt mit den Menschen sind, etwa die Arbeitgeber". Dabei sollte ein Rückkanal eingerichtet werden, damit Unternehmen melden könnten, wie auf Impfangebote in den Firmen reagiert werde und welche Bedenken es gebe.

Cornelia Betsch wiederum verweist auf die Ärzte. Die hätten zwar schon enorm viel zu tun, aber es gehe nun mal nicht ohne sie. "Ich weiß, was für eine Belastung das darstellt. Aber Hausarztpraxen sollten nochmal ihre Patientenkarteien durchgehen und sich fragen, welche Patienten habe ich vielleicht noch nicht geimpft?"

Einer Impfpflicht sehen die Forscherinnen und Forscher nach wie vor mit Vorsicht. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Impfbereitschaft höher ist, wenn die Impfung freiwillig ist. Inzwischen seien zwar all diejenigen geimpft, die sich freiwillig impfen lassen wollten und fast nur noch Skeptiker übrig, bei denen eine Impfmotivation sowieso nicht vorhanden ist. Aber man müsse auch bedenken: "Mit einer Impfung jetzt ist das Thema noch nicht abgeschlossen, denn spätestens in einem Jahr werden wahrscheinlich Auffrischungsimpfungen anstehen", gibt Rebitschek zu bedenken.

3 Milliarden Geimpfte zeigen: Die Impfung ist sicher

Die Psychologien Katrin Schmelz von der Universität Konstanz wiederum hält Regeln, bei denen nur Geimpfte und Genesene an bestimmten Veranstaltungen teilnehmen können (sogenannte 2-G-Regeln), nicht für eine versteckte Impfpflicht. Da habe jeder Einzelne die Wahl, sich impfen zu lassen oder eben an Veranstaltungen nicht mehr teilzunehmen. "Das wird vielleicht manchen Menschen nicht gefallen. Aber es könnte als großer Antrieb wirken", glaubt sie.

Auch Cornelia Betsch glaubt, dass strengere Regeln wie 2-G oder 3-G ("geimpft, genesen, getestet") eine Zeit lang die Impfbereitschaft steigern. Sie müssten aber sehr gut begründet werden. "Man muss deutlich zeigen, es gibt keine langfristigen Schäden bei Impfungen." Die Beispiele, die Impfskeptiker an dieser Stelle häufig aufführen – seien alle wiederlegbar. Etwa traten Fälle von Narkolepsie nach einer Impfung gegen die Schweinegrippe nicht erst Jahre nach der Impfung auf, sondern nur wenige Tage. Die Nebenwirkung war nur so extrem selten, dass es erst spät in der Impfkampagne zu diesen Fällen kam. "Gegen Covid-19 haben sich inzwischen um die drei Milliarden Menschen impfen lassen, da kann man sehr deutlich sehen, dass es zu solchen Nebenwirkungen nicht kommt".

(ens/smc)

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