Covid-19 Wann Masken schützen und welche Kulturen davon einen Vorteil haben

Physiker kommen in einer neue Studie zum Schluss: Einfache OP-Masken bieten meistens ausreichend Schutz. Und Psychologen zeigen: Deutsche und US-Amerikaner haben kulturell bedingt ein hohes Ansteckungsrisiko.

Werbeschilder für medizinischen Mundschutz und FFP2 MASKEN
Masken: Unbeliebt aber nützlich in der Pandemie (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO / Müller-Stauffenberg

Masken zum Schutz vor Covid-19 sind das Symbol für die Pandemie, notwendig und unbeliebt zugleich. Klar, dass daher in der Öffentlichkeit, aber auch in der Wissenschaft gestritten wird: Welche Maske schützt wen bei welcher Gelegenheit eigentlich wie gut vor einer Infektion mit Sars-CoV-2? Zwei neue Studien wollen hier neue, tiefgehende Antworten liefern und Widersprüche erklären, etwa, warum eine einfache OP-Maske in der einen Situation schützt und in der anderen nicht, oder warum einige Gesellschaften mit dem Maske-tragen offenbar besser zurecht kommen und deshalb weniger Schwerkranke und Tote beklagen müssen.

Einfache Masken reichen oft aus

Der naturwissenschaftlichen Seite der Masken hat sich ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz gewidmet. Die Wissenschaftler, die neben dem MPI auch der Charité und Universitäten in Deutschland, China und den USA angehören, haben zahlreiche Daten zur Effizienz von Masken aus anderen Studien zusammengetragen und neue Modelle entwickelt, um zu berechnen, welche Maske wann schützt.

Entscheidend sei, so die Forscher um Max-Planck-Professorin Yafang Cheng, wie hoch die Virenbelastung in einer Umgebung sei. "Normalerweise enthält nur ein geringer Anteil der von Menschen ausgeatmeten Tröpfchen und Aerosolpartikel Viren. Meist ist die Virenkonzentration in der Luft so gering, dass selbst einfache chirurgische Masken die Verbreitung von COVID-19 sehr wirksam eindämmen", erklärt Cheng.

Viruspartikel nur ein kleiner Teil der Aerosole

Denn während Menschen innerhalb von 30 Minuten üblicherweise mehrere Millionen Aerosole ausatmen, seien vergleichsweise wenige Virusteile enthalten, schreiben die Autoren im Fachmagazin Science. Sie verglichen dazu Daten einer Studie, die Virenpartikel in Proben ausgeatmeter Luft untersucht hatte. Rhinoviren, Verursacher des gewöhnlichen Schnupfens kamen mit Abstand am häufigsten vor. Es folgten Humane Coronaviren (HCoV) und schließlich Influenzaviren. Sei in einer Umgebung die Virenlast gering – etwa in gut durchlüfteten Räumen oder Plätzen im Freien – dann reichten einfache Masken aus. Nur dort, wo die Virenlast hoch sei, beispielsweise in engen Räumen mit vielen Infizierten, die nicht besonders abgeschirmt seien, sei eine FFFP2 oder N95 Maske notwendig.

Das entwickelte Modell sei auch geeignet, um zu berechnen, wie wirksam welcher Maskentyp vor Virusmutationen oder anderen Virentypen schütze, sagt Hang Su, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut. "Unsere Studie erklärt zudem, warum die Aerosolübertragung von Viren nicht unbedingt zu sehr hohen Reproduktionszahlen führt, wie sie bei Masern beobachtet wurden." Allerdings könne eine Übertragung durch die Luft auch bei einer geringen Virenlast und geringer Infektiosität nie ausgeschlossen werden.

Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen Tröpfchen (größer als 100 Mikrometer) und Aerosolen (kleiner als 50 Mikrometer). Aerosole bleiben deutlich länger in der Luft und können daher über größere Distanzen von einem Menschen zum anderen fliegen. Wenn sie Viren enthalten, kann es so zur Infektion kommen.
Aerosole bleiben deutlich länger in der Luft als Tröpfchen und können daher über größere Distanzen von einem Menschen zum anderen fliegen. Wenn sie Viren enthalten, kann es so zur Infektion kommen. Bildrechte: MDR Wissen

Je wichtiger die Gruppe, desto höher die Bereitschaft zum Maskentragen

Ein zweites Forscherteam um Jackson Lu von der US-Eliteuniversität MIT und Alexander English von der Zhejiang Universität in China hat in einer aufwendigen Analyse untersucht, wie hoch die Bereitschaft in bestimmten Gebieten war, eine Maske zu tragen und mit welchen gesellschaftlichen Werten diese Motivation zusammenhing. Dazu werteten die Wissenschaftler ein Datenset bestehend aus allen 3.141 Landkreisen (Counties) der USA aus, zudem ein zweites mit 16.737 US-Amerikanern. Hinzu kamen Daten zu 367.109 weiteren Individuen aus 29 anderen Ländern, so 277.219 Facebooknutzern aus insgesamt 67 Ländern.

Klares Ergebnis der Studie: Je mehr auf das Kollektiv und die Gemeinschaft orientiert eine Kultur sei, desto höher sei die Bereitschaft eine Maske zu tragen, schreiben die Forscher im Journal PNAS. Das gelte sowohl für verschiedene Gesellschaften innerhalb der USA, wie auch für viele Gebiete auf der Welt.

Fürsorge für andere oder Sorge um die eigene Freiheit?

Zur Unterscheidung von Kollektivismus und Individualismus griffen sie auf etablierte Kriterien aus der Psychologie zurück. Eine kollektive Orientierung bedeutet demnach, dass jemand sich eher an den Bedürfnissen der Gemeinschaft oder Gruppe orientiert als an selbstzentrierten individuellen Interessen. Menschen in kollektivistischen Gesellschaften würden demnach eher der Aussage zustimmen: "Ich stelle mein Eigeninteresse zurück, wenn es meiner Gruppe hilft" und "Es geht mir gut, wenn es den Menschen in meiner Umgebung gut geht", wohingegen Aussagen wie "Ich mache eher mein eigenes Ding" und "Was mir passiert ist meine eigene Angelegenheit" eher auf eine individualistische Kultur hindeuten.

Wenig überraschend: Je mehr eine Kultur die individuelle Freiheit betonte – die Autoren führen hier die USA und Deutschland als Beispiel an – desto eher kam es während der Pandemie zu Protesten gegen Maskenpflichten. Diese Pflicht wurde vor allem als Eingriff in die individuelle Freiheit kritisiert. Zugleich sei es in solchen Gesellschaften auch am häufigsten zu "Superspreading Events" gekommen, da das Risiko einer Infektion hier vor allem danach beurteilt werde, ob es für den Einzelnen eine Gefahr ist oder nicht.

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