Covid-19 Streit um die Impfquote: Chemnitzer Forscher mit neuer Antwort

Eine Umfrage weckte den Verdacht, dass das Robert Koch-Institut die Zahl der Geimpften in Deutschland unterschätzt. Eine neue Studie unter Chemnitzer Beteiligung zeigt aber: Ungeimpfte geben ihren Impfstatus häufig falsch an.

Symbolfoto Impfprivilegien, Frau zeigt App CovPass auf Smartphone mit digitalem europäischen Impfzertifikat inklusive QR-Code
Mit einem Impfzertifikat können Geimpfte ihren Impfstatus belegen. (Symbolfoto) Bildrechte: imago images/Michael Weber

Werden sie direkt nach ihrem Impfstatus befragt, neigen viele Ungeimpfte dazu, eine falsche Antwort zu geben. Weil es sozial erwünscht ist, sagen sie dann, sie seien mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft, obwohl das nicht zutrifft. Impfquoten, die mit Hilfe von Umfragen errechnet wurden, überschätzen deshalb wohl den Anteil geimpfter Personen in der Bevölkerung. Das ist ein Ergebnis einer noch nicht veröffentlichten sozialwissenschaftlichen Studie der TU Chemnitz und der Universität Konstanz.

Zehn Prozent Unterschied bei der Frage nach der Impfung

Unter der Leitung des Chemnitzer Soziologen Jochen Mayerl und seines Konstanzer Kollegen Felix Wolter hatten Forscher im September insgesamt 7.530 repräsentativ ausgewählte Personen mit Internetzugang befragt. Ein Teil der Gruppe sollte direkt beantworten, ob sie mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft waren. Der andere Teil lieferte diese Antwort auf dem Umweg der speziellen Fragetechnik "Item-Count". Dabei wird die Frage nach dem Impfstatus einem Teil der Befragten zusammen mit weiteren unverfänglichen Fragen in einem Block gestellt. Diese Befragten sollen dann die Zahl der Ja-Antworten auf den ganzen Block angeben. So bleibt die Antwort auf die Frage nach dem Impfstatus anonym. Ein anderer Gruppenteil bekommt den gleichen Frageblock, allerdings ohne die Frage nach dem Impfstatus. Vergleicht man nun die Antworten beider Gruppen, lässt sich die Quote der ehrlichen Antworten nach dem Impfstatus ermitteln.

Direkt gefragt antworteten die zwischen 18 und 70 Jahre alten Studienteilnehmer zu 85 Prozent, sie seien bereits geimpft. Bei der indirekten Fragetechnik zeigte sich hingegen ein anderes Bild. "Hier liegt die ermittelte Impfquote mit 75 Prozent etwa zehn Prozentpunkte niedriger im Vergleich zur direkten Frage", so Forscher Felix Wolter. "Der Unterschied ist statistisch signifikant, denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Unterschiede zwischen direkter Frage und ICT rein zufällig entstanden sind, ist äußerst gering."

Impfquote wird wahrscheinlich nicht zu niedrig eingeschätzt

Die Forscher sahen also deutlich, dass die sogenannte soziale Erwünschtheit die Antworten nach der Impfung deutlich verzerren. Befragte vermuten, welche Antwort die Fragesteller lieber hören wollen und antworten entsprechend, statt ehrlich zu sein. "Damit unterstreicht unsere Untersuchung, dass konventionelle, direkte Befragungen nach dem Impfstatus gegen Covid-19 den tatsächlichen Anteil der geimpften Bevölkerung überschätzen", sagt Jochen Mayerl.

Die offizielle Impfquote hat das Robert Koch-Institut bislang anhand der von Arztpraxen und Impfzentren gemeldeten Zahlen ermittelt. Anfang Oktober hatten Forscher des RKIs allerdings nach einer Umfrage vermutet, dass diese Zahlen etwas zu niedrig sein könnten, da mehr Befragte angegeben hatten, bereits geimpft zu sein. Die Forscher Mayerl und Wolter gehen auf Basis ihrer Untersuchung nun aber aus, dass die Impfquote tatsächlich nicht viel höher liegt, als der durch Ärzte und Impfzentren ermittelte Wert, da Befragte in Umfragen falsch antworten.

(ens)

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