Mikrobiom Mediziner transferieren Darmbakterien an Kaiserschnittkinder

Kaiserschnittkindern haben nach der Geburt sehr viel weniger schützende Bakterien im Darm, als normal Geborene. Ein Forscherteam hat solchen Babys jetzt Darmbakterien der Mutter übertragen – mit guten Ergebnissen.

Schlafendes Baby
Kaiserschnittkinder haben weniger schützende Darmbakterien, als normal geborene Kinder. (Symbolfoto) Bildrechte: imago images/Westend61

Eine schlechte Darmflora kann viele negative Folgen für die Gesundheit haben: Allergien, Asthma und andere Autoimmunerkrankungen werden wahrscheinlicher. Daher ist ein ernstes Problem, was aktuelle Studien zeigen: Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, haben eine deutlich ärmere Darmflora als Babys, die vaginal geboren wurden. Offenbar bringt die Berührung mit dem Vaginalsekret eine Erstbesiedlung des kindlichen Darms.

Stuhltransplantation für Kaiserschnittkinder

Forscher aus Finnland und den Niederlanden wollten diesen Nachteil ausgleichen und haben ein Experiment mit sieben neugeborenen Kaiserschnittkindern gemacht. Wie das Team im Magazin "Cell" berichtet, entnahmen sie den Müttern drei Wochen vor der Geburt Darmbakterien. Die Proben wurden dabei gründlich auf Krankheitserreger gecheckt. Diese Mikroben wurden nach der Entbindung der Kinder mit Muttermilch gemischt und den Babys verabreicht. Laut der Studie entwickelten die Kinder so eine Darmflora, die mit der von vaginal geborenen Kindern vergleichbar war.

Zu wenig Probanden und keine Kontrollgruppe

Andere Experimente hatten zuvor bereits versucht, Kaiserschnittkinder mit Vaginalsekret einzureiben. Dazu und zu den neuen Ergebnissen sagt die Infektiologin Maria Vehreschild von Frankfurter Uniklinik: "Eine ähnliche Studie wurde bereits in der Vergangenheit durchgeführt. Dabei waren die Neugeborenen mit Vaginalsekret der Mütter eingerieben worden. Diese Methode ist im Vergleich aber nicht ganz so effektiv, wie der in der aktuellen Studie verwendete Ansatz."

Trotzdem seien die neuen Erkenntnisse noch nicht medizinisch serienreif.

Auch wenn diese Ergebnisse einen wichtigen Schritt für die Mikrobiomforschung darstellen, können sie nicht ohne Weiteres in die klinische Praxis transferiert werden. Zum einen ist die Zahl der behandelten Kinder zu klein, um wirklich belastbare Ergebnisse bezüglich der Generalisierbarkeit des Effektes und insbesondere der Sicherheit liefern zu können. Dazu müssten im Anschluss weitaus größere Studien erfolgen. Zum anderen bleibt zu klären, ob die so modifizierte Ausgangsmikrobiota der Neugeborenen auch wirklich das Entstehen von Erkrankungen im weiteren Verlauf des Lebens dieser Kinder verhindern kann.

Maria Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie an der Medizinischen Klinik II, Universitätsklinikum Frankfurt

Weitere Studien sinnvoll

Auch Cornelia Gottschick, Medizinerin der Uni Halle, kritisiert: Sieben Neugeborene sind zu wenig um allgemeine Aussagen zu treffen. "Zudem fehlen eine passende Kontrollgruppe und das nötige kontrollierte Design einer klinischen Studie." Beide Forscherinnen sind sich jedoch einig: Weitere Studien zur Darmbesiedelung und Stuhltransplantation bei Neugeborenen sind sinnvoll.

(ens/smc)

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