Abgas-Kontrolle Analyse von Diesel-Abgasen per Smartphone-App

Der Diesel-Abgasskandal hat viele Menschen mit Auto verunsichert: Stößt mein Diesel wirklich so viel Stickstoff aus, wie der Hersteller sagt? Eine neue App ermöglicht es jetzt allen, das einfach selbst zu überprüfen. Ganz nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Informatiker der Universität des Saarlandes haben die App LolaDrives entwickelt. Mit der lässt sich unkompliziert und in Echtzeit ermitteln, wie viele Abgase der eigene Diesel-PKW wirklich ausstößt.

zwei Junge Männer sitzen auf Kofferraum-Kante eines  geöffneten Autos
App-Entwickler Sebastian Biewer und Yannik Schnitzer Bildrechte: Universität des Saarlandes/Oliver Dietze

Vor dem Diesel-Abgas-Skandal reichte es aus, die Abgase von Autos auf dem Teststand zu messen. Allerdings waren das ziemlich unrealistische Bedingungen, sagt Sebastian Biewer, Informatik-Doktorand an der Universität des Saarlandes. Seit 2017 gebe es deshalb den Test beim Fahren, den Real Driving Emission-Test, kurz RDE. Der wird eigentlich mit einem sehr teuren Messgerät am Auspuff gemacht. Doch mit einer Smartphone-App, die Biewer mitentwickelt hat, kann jetzt jeder Fahrer eines modernen Diesel-Pkw diesen Test selbst machen, sagt Sebastian Biewer: "Die neuen Diesel-Autos haben eine Abgas-Reinigung. Das ist das, wo man auch Ad Blue ins Auto tanken muss. Dann wird dieses Ad Blue in den Abgasstrom eingespritzt und neutralisiert die Stickoxide. Um zu bestimmen, wie viel jetzt von dem Ad Blue eingespritzt werden muss, braucht das Auto einen Nox-Sensor."

Was macht die Abgas-App?

Die Daten dieses Sensors kann die App "LolaDrive" über die Diagnose-Schnittstelle des Autos abrufen und auswerten. Denn das Fahrzeugdiagnosesystem zeichnet während der Fahrt alle Systeme mit, die die Abgase beeinflussen und überwacht die Steuergeräte im Auto.

Die neue App errechnet aus den Daten die Stickoxid-Menge in Gramm pro Kilometer. Sie verwendet dafür RTLola - eine Technologie zur Analyse von Echtzeit-Daten, die ebenfalls an der Universität des Saarlandes entwickelt wurde. Wer die App benutzen will, braucht zusätzlich noch einen Bluetooth-Adapter, der aber nicht teuer sei, meint Biewer: "Den steckt man in die Diagnose-Schnittstelle des Autos, meist links vom Lenkrad in der Nähe des Fußraums, und verbindet sich dann per Handy-Bluetooth mit diesem Adapter. (…) In der App wählt man aus, ob man einen Real Driving Emissions-Test machen möchte oder einfach nur die Daten auslesen möchte, die das Auto anbietet."

Was muss man tun, damit die App Abgas-Daten erfassen kann?

Nicht alle Autos liefern die notwendigen Daten für einen RDE-Test, ergänzt Bieber. Die App teilt mit, ob er möglich ist und leitet strukturiert durch die verschiedenen Stufen des Tests. Denn der ist recht komplex: Für einen RDE-Test müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein. So muss etwa eine Strecke auf dem Land, in der Stadt und auf der Autobahn gefahren werden, denn die RDE-Tests müssen zwischen 90 und 120 Minuten dauern. "Dabei darf man weder zu defensiv, aber auch nicht zu aggressiv fahren; das misst die App auch und gibt Feedback, damit man weiß, wie man sein Fahrverhalten ändern muss," erläutert Sebastian Biewer.

Wie genau sind die App-Daten?

Die Testdaten können anschließend freiwillig für die weitere Arbeit an die Forscher gespendet werden, ergänzt der Informatiker. Die App "LolaDrives" kann im Google Play Store kostenlos runtergeladen werden, an einer Version für Apple-Handys wird gearbeitet, sagt der Informatiker. Aber wie präzise sind die Ergebnisse, die über die Diagnose-Schnittstelle ausgelesen werden und nicht direkt am Auspuff? "Das muss man grundsätzlich immer mit Vorsicht genießen, weil man nie so genau weiß, was die Autos tatsächlich machen, welche Werte sie rausgeben. Die App dient dazu, dem Autofahrer ein Gefühl dafür zu geben, ob das Auto sich wie erwartet verhält oder ob etwas schiefläuft." Sind die Werte wirklich auffällig und viel zu hoch, muss der Autofahrer eine offizielle Abgas-Testfahrt mit dem genormten Auspuff-Messgerät machen, um den tatsächlichen Wert zu ermitteln. Für einen ersten Überblick über Abgaswerte des eigenen Diesel-Fahrzeugs reicht die App aber vollkommen aus.

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